Deezer verkauft KI-Musik-Erkennung an die Konkurrenz
29.01.2026 - 11:31:11Der französische Streaming-Dienst setzt seine interne Betrugsabwehr als B2B-Lösung für die gesamte Branche in den Markt. Ein Pakt mit der französischen Verwertungsgesellschaft Sacem soll den Weg ebnen.
Deezer macht seine Technologie zur Erkennung von KI-generierter Musik zum Geschäftsmodell. Ab sofort bietet der Plattformbetreiber seine hauseigene Detektions-Software anderen Streaming-Diensten und Rechteinhabern kommerziell an. Der Startschuss fällt mit einer strategischen Partnerschaft mit Sacem, der führenden französischen Gesellschaft für Autoren, Komponisten und Musikverleger. Die Branche rüstet sich damit geschlossen gegen den Ansturm synthetischer Inhalte, die das Vergütungssystem aushebeln.
Sacem-Partnerschaft als Türöffner
Der Schritt folgt auf ein Jahr interner Erprobung, in dem das System über 13,4 Millionen KI-generierte Tracks im eigenen Katalog identifizierte. Deezer-Chef Alexis Lanternier begründet die Öffnung der Technologie für Wettbewerber mit einer systemischen Bedrohung: KI-Betrug sei ein Problem, das nur gemeinsam gelöst werden könne.
Die Kooperation mit Sacem dient als Proof-of-Concept. Die Verwertungsgesellschaft nutzt künftig Deezers Tools, um die Tantiemen ihrer Mitglieder besser zu schützen. Branchenbeobachter sehen darin ein starkes Signal für andere große Plattformen, die selbst mit der Flut synthetischer Inhalte kämpfen. Deezer verhandelt bereits mit weiteren europäischen Verwertungsgesellschaften und plant Präsentationen während der Grammy Week in Los Angeles.
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Die Flutwelle: 60.000 KI-Tracks pro Tag
Die Dringlichkeit des Themas belegen neue Zahlen von Deezer. Der Plattform werden derzeit täglich etwa 60.000 vollständig KI-generierte Titel hochgeladen. Das entspricht rund 39 Prozent des gesamten täglichen Musikaufkommens bei Deezer.
Die Explosion ist gewaltig: Noch im Juni 2025 lag die Zahl bei etwa 20.000 Uploads pro Tag – ein Anstieg um das Dreifache in nur sieben Monaten. Zwar machen KI-Inhalte derzeit nur etwa 3 Prozent aller Streams aus, doch ihre Absicht ist überwiegend betrügerisch. Bis zu 85 Prozent der Streams dieser Tracks werden als Betrug eingestuft. Automatisierte Bots lassen die Titel in Schleife abspielen, um unrechtmäßig Tantiemen abzuschöpfen. Deezers System demonetarisiert erkannte Tracks, indem es sie aus dem Vergütungstopf entfernt.
Wie die technische Erkennung funktioniert
Das kommerzielle Tool analysiert Audiosignale, um die „Fingerabdrücke“ gängiger Generativer KI-Modelle wie Suno oder Udio zu erkennen. Trainiert wurde es mit einem Datensatz von über 94 Millionen Songs. Die Algorithmen suchen nach subtilen akustischen Anomalien, die für menschliche Hörer unsichtbar, für Maschinen aber eindeutig sind.
Die Technologie blockiert erkannte Tracks auch in den Empfehlungsalgorithmen. So gelangen betrügerische Titel nicht über Autoplay oder Playlists an Hörer – eine Hauptquelle für Tantiemendiebstahl. Deezer sicherte sich seine Pionierstellung bereits 2024 mit zwei Patenten zu diesen Erkennungsmethoden.
Neue Einnahmequelle in einem umkämpften Markt
Die Kommerzialisierung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Da KI-Tools immer zugänglicher werden, ist die Schwelle für musikalischen Spam praktisch verschwunden. Ohne wirksame Abwehr droht das „Pro-Rata“-Vergütungsmodell der Streaming-Dienste verwässert zu werden: Echte Künstler erhielten immer weniger pro Stream, weil die Fake-Streams die Kasse leer fegen.
Deezer diversifiziert mit dem Verkauf der „Sicherheitstechnik in der Flut“ sein Geschäftsmodell jenseits von Abo-Einnahmen. Indem sich das Unternehmen als Sicherheitsdienstleister für die ganze Branche positioniert, schafft es sich ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Giganten wie Spotify und Apple Music.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Die schwedische Verwertungsgesellschaft Stim argumentiert, technische Erkennung allein sei keine Patentlösung. Notwendig seien vor allem „Upstream“-Lösungen: mehr Transparenz bei Trainingsdaten und strengere Lizenzregeln für KI-Firmen, nicht nur nachträgliches Filtern durch die Plattformen.
Wird Deezers Tool zum Branchenstandard?
Die Zukunft des B2B-Expansionsplans hängt maßgeblich davon ab, ob rivalisierende Plattformen die Technologie eines Wettbewerbers adoptieren. Die Allianz mit Sacem zeigt, dass das Tool unabhängig vom Streaming-Dienst Mehrwert für Rechteinhaber schaffen kann.
Der Launch fällt zudem mit wachsendem regulatorischem Druck in der EU und den USA zusammen. Gesetzgeber fordern mehr Transparenz im Umgang mit KI. Werkzeuge, die zuverlässig zwischen menschlicher und maschineller Kreation unterscheiden, könnten bald zur Pflicht-Infrastruktur werden.
Deezer ist zuversichtlich, dass sein System mit der Entwicklung der Generativen Modelle Schritt halten kann. Die Fähigkeit der Branche, kreative Innovation von betrügerischer Ausbeutung zu trennen, wird die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Musik-Streamings in den kommenden Jahren definieren. Deezers Technologie will genau hier der neue Maßstab werden.
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