Deezer, Millionen

Deezer kennzeichnet über 13 Millionen KI-Musiktitel

31.01.2026 - 19:35:12

Der Streamingdienst Deezer identifizierte über 13 Millionen KI-generierte Musikstücke und demonetarisiert betrügerische Streams, um die Einnahmen menschlicher Kreativer zu sichern.

Der Streamingdienst geht gegen massiven Betrug mit künstlich erzeugter Musik vor und schützt so die Einnahmen menschlicher Künstler. In einem drastischen Schritt hat Deezer mehr als 13,4 Millionen vollständig KI-generierte Titel auf seiner Plattform identifiziert und gekennzeichnet. Das Unternehmen reagiert damit auf die Flut synthetischer Inhalte, die das Royalty-System auszuhöhlen droht.

Die Zahlen sind alarmierend: Allein im Januar 2026 erreichten Deezer durchschnittlich 60.000 KI-generierte Tracks pro Tag. Das entspricht etwa 39 Prozent aller neuen Musikstücke auf der Plattform. Noch im September 2025 waren es lediglich 30.000 täglich. Die Kennzeichnung soll Nutzern Transparenz bieten und gleichzeitig betrügerische Streams dieser Inhalte demonetarisieren.

Betrugswelle bedroht Künstler-Einkommen

Hinter dem Anstieg steckt oft kalkulierter Betrug. Deezer stellte fest, dass im Jahr 2025 satte 85 Prozent aller Streams von rein KI-generierter Musik als betrügerisch identifiziert wurden. Zum Vergleich: Über das gesamte Katalog gesehen lag die Betrugsrate bei nur 8 Prozent.

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„Unser Ziel ist es, die Rechte und Einnahmen von Künstlern und Songwritern zu schützen“, betont Deezer-CEO Alexis Lanternier. Studien deuten darauf hin, dass KI bis 2028 fast ein Viertel der Kreativen-Einnahmen gefährden könnte. Indem Deezer betrügerische Streams erkennt und keine Ausschüttungen dafür vornimmt, bleibt das Geld im Topf für die legitimen Künstler.

Proprietäre KI-Erkennung als Lösung

Seit Anfang 2025 setzt Deezer ein eigenentwickeltes KI-Erkennungstool ein. Die Technologie analysiert Audiosignale auf subtile Anomalien, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind. So kann sie Musik, die von großen Generativ-KI-Modellen wie Suno oder Udio stammt, mit hoher Genauigkeit identifizieren.

Die Strategie geht über die eigene Plattform hinaus: Deezer lizenziert die Erkennungstechnologie nun an die gesamte Musikindustrie. Erste erfolgreiche Tests gab es bereits mit der französischen Verwertungsgesellschaft Sacem. Auch Billboard nutzt das Kennzeichnungssystem, um KI-Titel in seinen Charts zu identifizieren. Deezer bezeichnet sich selbst als einzigen großen Streamingdienst, der KI-Musik explizit kennzeichnet.

Geteilte Reaktionen in der Branche

Während Deezer auf Kennzeichnung und Demonetarisierung setzt, gehen andere Plattformen unterschiedliche Wege. Bandcamp hat Musik, die ganz oder überwiegend von KI stammt, komplett verboten. So will die Plattform ihr Ökosystem des direkten Künstler-Supports schützen.

Spotify konzentriert sich in seiner Politik hingegen auf die Bekämpfung von Spam und den unerlaubten Einsatz von Künstlerstimmen durch Deepfakes. Eine generelle KI-Kennzeichnung oder ein Verbot gibt es dort nicht. Gleichzeitig schließen große Plattenfirmen Lizenzdeals mit KI-Unternehmen, um ihre Kataloge für das Training von Modellen freizugeben – gegen eine Vergütung der Künstler.

Weichenstellung für die Zukunft der Musik

Die Entscheidung von Deezer könnte einen neuen Transparenz-Standard im Streaming etablieren. Indem KI-Inhalte für Verbraucher sichtbar und für Betrüger unattraktiv gemacht werden, bekämpft der Dienst direkt das Phänomen des wertlosen „KI-Abfalls“, der viele Nutzer und Künstler beunruhigt.

Die Branche steht an einem Scheideweg. Die kommenden Monate werden zeigen, ob andere große Player ähnliche Maßnahmen ergreifen. Die Balance zu finden zwischen dem kreativen Potenzial der KI und dem Schutz geistigen Eigentums wird die Musiklandschaft der nächsten Jahre prägen. Deezer positioniert sich dabei klar als Fürsprecher menschlicher Kreativität in einer zunehmend automatisierten Welt.

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