dbb warnt vor Staatsversagen durch 600.000 fehlende Beamte
11.01.2026 - 16:15:12Der deutsche Staat steht vor einem personellen Kollaps. Der Deutsche Beamtenbund (dbb) schlägt Alarm: Fast 600.000 Stellen im öffentlichen Dienst sind unbesetzt.
Köln/Berlin – Die Personaldecke im öffentlichen Dienst ist so dünn wie nie. Zum Auftakt der 67. Jahresversammlung des Deutschen Beamtenbundes (dbb) in Köln legte der Verband neue, dramatische Zahlen vor. Demnach fehlen aktuell rund 600.000 Beschäftigte. Die Lücke ist innerhalb eines Jahres um weitere 30.000 Stellen gewachsen. dbb-Chef Volker Geyer warnt angesichts dieser Entwicklung vor einem drohenden „Staatsversagen“, sollte nicht schnell gegengesteuert werden.
Monitor 2026: Die Lücke wird größer
Der heute vorgestellte „Monitor Öffentlicher Dienst 2026“ zeichnet ein düsteres Bild. Die Personallücke, zuletzt bei etwa 570.000 Stellen beziffert, ist auf fast 600.000 angestiegen. Haupttreiber bleibt die Pensionierungswelle der Babyboomer. In den nächsten zehn Jahren gehen voraussichtlich über 1,3 Millionen Beschäftigte in den Ruhestand.
Gleichzeitig schrumpft der Arbeitsmarkt. Diese Kombination wird für die Personalabteilungen von Bund, Ländern und Kommunen zur Zerreißprobe. Besonders kritisch ist die Lage in Schlüsselbereichen: an Schulen, bei der Polizei und in den Bürgerämtern. Die Folgen sind bereits spürbar: längere Wartezeiten für Anträge, eine geringere Polizeipräsenz und überlastete Systeme in Bildung und Gesundheit.
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„Starker Staat“ unter Druck
Unter dem Motto „Starker Staat – krisenfest und bürgernah“ steht die Widerstandsfähigkeit der öffentlichen Infrastruktur im Fokus der Tagung. Die Dringlichkeit dieses Themas unterstrich dbb-Chef Geyer nur einen Tag vor Konferenzbeginn. Er kritisierte das Krisenmanagement beim jüngsten Stromausfall in Berlin als Symptom einer überlasteten Infrastruktur.
„Die Bevölkerung erwartet einen handlungsfähigen Staat, der auch im Notfall funktioniert“, so Geyer in der Rheinischen Post. Personalmangel beeinträchtige diese Krisenfestigkeit direkt. Die Tagung bis zum 13. Januar bringt Entscheider aus Politik und Verwaltung zusammen, um Lösungen zu debattieren. Geplant sind auch Gespräche mit Vertretern des Bundesinnenministeriums über „demografische Sicherungsmaßnahmen“.
Die Personal-Revolution muss kommen
Im harten Wettbewerb mit der Privatwirtschaft können sich öffentliche Arbeitgeber starre Einstellungspraktiken nicht mehr leisten. Einigkeit herrscht unter Personalexperten in Köln: Das traditionelle „Lebensarbeitsmodell“ lockt die Generation Z und dringend benötigte Quereinsteiger nicht mehr an.
Der öffentliche Dienst muss sein Image radikal modernisieren und seine Trumpfkarten – Sinnhaftigkeit, Sicherheit und Vereinbarkeit – besser ausspielen. Doch strukturelle Hürden bleiben: starre Besoldungstabellen und langwierige Bewerbungsverfahren schrecken qualifizierte Kandidaten ab.
Auf der Konferenz diskutierte Vorschläge sind:
* Schnellverfahren: Die Einstellungsdauer von Monaten auf Wochen reduzieren.
* Quereinstieg vereinfachen: Die Anerkennung von Qualifikationen aus der Privatwirtschaft, besonders in IT und Technik, standardisieren.
* Digital Recruiting: KI und soziale Medien nutzen, um auch passive Kandidaten anzusprechen – eine Strategie, bei der der Staat bisher hinterherhinkt.
Analyse: Eine verschärfte Krise
Die Situation hat sich seit 2024/25 deutlich verschlechtert. Der Durchbruch der 600.000-Marke ist eine psychologische und operative Zäsur. Im Vergleich zur Privatwirtschaft hat der öffentliche Dienst einen entscheidenden Nachteil: Er kann Gehälter nicht einfach an den Markt anpassen, da Tarifverträge dies regulieren.
Die anstehende Einkommensrunde 2026 für den öffentlichen Dienst wird daher hart umkämpft sein. Die Gewerkschaften werden strukturelle Gehaltsanpassungen fordern, um die Stellen attraktiver zu machen. Zudem treibt das Phänomen „Bürokratie-Burnout“ bestehende Kräfte aus dem Dienst. Immer mehr Vorschriften überlasten das vorhandene Personal und verschärfen die Retention-Krise.
Ausblick: Der Druck auf die Politik wächst
Von der dbb-Jahresversammlung wird ein konkreter Forderungskatalog an die Bundesregierung erwartet. Beobachter rechnen mit dem Vorstoß für einen „Demografie-Pakt“. Dieser soll Bund und Länder auf verbindliche Einstellungsziele und mehr Geld für Personalentwicklung verpflichten.
Kurzfristig rückt die politische Antwort in den Fokus. In einem Wahljahr könnte die Handlungsfähigkeit des Staates zum zentralen Thema werden. Die Personalverantwortlichen im öffentlichen Dienst stehen unter Druck, digitale Recruiting-Tools und Bindungsprogramme sofort umzusetzen. Der „War for Talent“ tritt 2026 in eine kritische Phase. Ob die Lücke von 600.000 Stellen stabilisiert werden kann, hängt vom Erfolg dieser Maßnahmen ab.
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