Das angekündigte Zollpaket von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag den Anlegern am deutschen Aktienmarkt gründlich die Laune verdorben.
03.04.2025 - 18:02:33Frankfurt Schluss: US-Zollpaket treibt Anleger in die Flucht
Gesucht waren - wie so oft in unsicheren Zeiten - vermeintlich sichere Anlage-Häfen wie Staatsanleihen und Gold.
Der Dax DE0008469008 fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar und schloss mit einem Minus von 3,01 Prozent bei 21.717,39 Punkten. Der MDax DE0008467416 der mittelgroßen Unternehmen verlor letztlich 2,25 Prozent auf 26.874,62 Zähler.
Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 ging es am Ende um 3,6 Prozent auf 5.113 Punkte abwärts. Außerhalb der Eurozone büßten der Zürcher SMI CH0009980894 2,5 Prozent und der Londoner FTSE 100 GB0001383545 1,6 Prozent ein. In den USA sackte der Dow Jones Industrial US2605661048 zuletzt um 3,3 Prozent ab. Der technologielastige Nasdaq 100 US6311011026 verlor 4,4 Prozent.
Die Vereinigten Staaten belegen ab Samstag Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent. Zudem kündigte die US-Regierung einen komplexen Mechanismus wechselseitiger Zölle an, der für viele Länder höhere Abgaben vorsieht. Für die Europäische Union heißt das, dass Exporte ihrer Mitgliedsländer in die Vereinigten Staaten ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden.
Die von Trump verhängten Zölle seien schädlich und riskant, die USA verließen damit die multilaterale Handelsordnung, sagte Jan Viebig, Chef-Anlagestratege bei der Investmentbank Oddo BHF. Trump gehe das Risiko eines Handelskriegs mit den wichtigsten Handelspartnern der USA ein und beschwöre aufgrund der Höhe der beschlossenen Zölle Risiken für die Weltwirtschaft herauf.
Unter Druck gerieten am Donnerstag die meisten Branchen. Schwer traf es Bankenwerte aufgrund gesunkener Marktzinsen. Deutsche Bank DE0005140008 verloren knapp 7 Prozent. Rohstoff-, Industrie-, Auto- und Techwerte sackten ebenfalls ab. Pharma-Aktien legten indes teilweise zu, weil Zölle für diese Branche vorübergehend nicht gelten sollen.
Die Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas DE000A1EWWW0 und Puma DE0006969603 brachen prozentual zweistellig ein, weil für sie der südostasiatische Raum ein wichtiger Produktionsstandort ist und Trump Länder aus dieser Region mit besonders hohen Zöllen überzieht.
Die Puma-Papiere konnten sich von ihrem zeitweise fast 14-prozentigen Verlust nach einem angekündigten Führungswechsel im späten Handel leicht erholen und schlossen mit einem Minus von gut 11 Prozent. Der Vorstandschef des Sportartikelherstellers, Arne Freundt, tritt "wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Umsetzung der Strategie" zum 11. April zurück. Sein Nachfolger wird ab 1. Juli der ehemalige Adidas-Vorstand Arthur Hoeld.
Siemens DE0007236101 übernimmt den Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences, Dotmatics für 5,1 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme sei sinnvoll, aber nicht billig, hieß es dazu von Analysten der kanadischen Bank RBC. Die Siemens-Aktien fielen um mehr als 8 Prozent. Laut Finanzchef Ralf Thomas wird die Finanzierung der Übernahme "in erster Linie durch den Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen, einschließlich Siemens Healthineers DE000SHL1006, erfolgen". Dessen Papiere büßten 7,2 Prozent ein, jene von Siemens Energy DE000ENER6Y0 5,6 Prozent.
Immobilienwerte zählten bei fallenden Marktzinsen zu den Gewinnern. Vonovia DE000A1ML7J1 gewannen als Dax-Spitzenreiter 7,4 Prozent. Im MDax lagen TAG DE0008303504, Deutsche Wohnen DE000A0HN5C6, Aroundtown LU1673108939 und LEG DE000LEG1110 auf den vorderen Plätzen mit Aufschlägen zwischen 3,8 und 6,9 Prozent. Die Titel des Immobilienfinanzierers Hypoport DE0005493365 führten den Nebenwerteindex SDax DE0009653386 mit plus 7,3 Prozent an.