Cyber, Resilience

Cyber Resilience Act: Ab September 2026 gelten strenge Meldepflichten

12.02.2026 - 22:11:12

Der EU Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller vernetzter Geräte ab September 2026 zur sofortigen Meldung von Sicherheitslücken und setzt auf Security-by-Design-Prinzipien.

Ab Herbst müssen Hersteller vernetzter Geräte Sicherheitslücken sofort melden. Der EU Cyber Resilience Act (CRA) tritt in seine heiße Phase ein und verlagert die Verantwortung für Cybersicherheit endgültig von den Nutzern auf die Produzenten. Wer die neuen Regeln ignoriert, riskiert hohe Strafen und den Ausschluss vom gesamten EU-Markt.

Erste Fristen rücken näher – Meldepflicht ab September

Während die umfassenden Security-by-Design-Vorgaben erst Ende 2027 voll greifen, stehen die ersten verbindlichen Termine unmittelbar bevor. Ab dem 11. September 2026 gilt eine strikte Meldepflicht: Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen müssen aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Cybervorfälle unverzüglich an die Behörden melden. Die EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) baut dafür eine zentrale Meldeplattform auf.

Bereits ab dem 11. Juni 2026 nehmen zudem die ersten unabhängigen Konformitätsbewertungsstellen ihre Arbeit auf. Sie prüfen, ob Produkte den neuen Standards entsprechen, und stellen die notwendigen Zertifikate aus. Für viele Unternehmen wird dies zur Grundvoraussetzung, um überhaupt noch in der EU verkaufen zu dürfen.

Security by Design wird zur Pflicht

Der Kern des CRA ist das Prinzip Security by Design. Cybersicherheit darf kein nachträglicher Einfall mehr sein, sondern muss von der ersten Konzeptionsskizze an integraler Bestandteil der Produktentwicklung sein. Eine zentrale Anforderung ist die Erstellung einer vollständigen Software-Stückliste (SBOM). Diese listet alle verbauten Softwarekomponenten auf – auch Open-Source-Code – und ist Grundlage für ein wirksames Schwachstellenmanagement.

Genau hier liegt für viele Hersteller das Problem. Oft fehlen vollständige Informationen von Zulieferern oder die Lieferketten sind intransparent. Die Compliance erfordert daher klare Prozesse in sechs Bereichen: lückenlose Dokumentation, transparente Lieferketten, robuste Produktsicherheit, zuverlässiges Update-Management, klare Incident-Response und eine sichere Außerbetriebnahme.

Warum die neuen Regeln dringend nötig sind

Die wachsende Bedrohungslage macht den Handlungsdruck deutlich. Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt die Verletzlichkeit der deutschen Wirtschaft: Bei einem Internetausfall könnten die meisten Unternehmen ihren Betrieb im Schnitt nur 20 Stunden aufrechterhalten. Unsichere IoT-Geräte werden dabei zum Einfallstor für Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung oder Logistik.

Die Angriffsfläche hat sich massiv vergrößert. Ein kompromittierter Sensor in einer Fabrik oder ein gehacktes Medizingerät kann heute ganze Versorgungsketten lahmlegen und Menschen gefährden. Die Vernetzung schafft Effizienz, aber auch komplexe Risiken, die ein fundamentales Umdenken erfordern.

Verantwortung verschiebt sich zu den Herstellern

Bislang lastete die Sicherheitsverantwortung oft auf den Schultern der Verbraucher. Sie mussten Updates einspielen und sichere Passwörter verwalten. Der CRA kehrt dieses Verhältnis um: Jetzt sind eindeutig die Hersteller in der Pflicht, für sichere Produkte und deren lebenslangen Schutz zu sorgen.

Das Ziel ist mehr Vertrauen in digitale Produkte und eine Stärkung der europäischen digitalen Souveränität. Für die Unternehmen bedeutet dies erheblichen Aufwand. Wer nach dem 11. Dezember 2027 die Anforderungen nicht erfüllt, dessen Produkte dürfen nicht mehr in der EU verkauft werden – ein de facto Verkaufsverbot.

Der Weg zur Compliance beginnt jetzt

Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Fristen 2026 erfordern sofortiges Handeln. Unternehmen müssen ihre Prozesse überprüfen, ihre Software-Lieferketten lückenlos dokumentieren und Strategien für das Lebenszyklus-Management entwickeln. Die Vorbereitung auf die Prüfungen durch die Konformitätsstellen sollte höchste Priorität haben.

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Langfristig ist die CRA-Compliance nicht nur eine Pflicht, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Nachweislich sichere Produkte stärken das Kundenvertrauen und eröffnen Marktchancen. Die Investition in Cybersicherheit wird so zur Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit im europäischen Binnenmarkt.

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