Cyber-Kriminelle kapern globale Lieferketten
11.01.2026 - 13:52:12Eine neue Ransomware-Welle zielt auf die IT-Infrastruktur der Logistikbranche ab. Die Angreifer nutzen digitale Lücken jetzt auch für physischen Diebstahl von Fracht.
Die globale Logistikbranche steckt in einer beispiellosen Cyber-Krise. Ein aktueller Geheimdienstbericht zeigt einen Rekordanstieg von Ransomware-Angriffen auf Transport- und Logistikunternehmen. Die Angreifer, oft hochorganisierte kriminelle Kartelle, nutzen die Abhängigkeit der Branche von störungsanfälliger IT-Infrastruktur schamlos aus. Ihr neuestes Ziel: Nicht nur Daten zu verschlüsseln, sondern mit dem digitalen Zugriff auch physische Ware zu stehlen.
Angriffe verdoppeln sich – Vier Gruppen dominieren
Die Zahlen sind alarmierend. Laut dem Cyber-Intelligence-Unternehmen Cyble hat sich die Zahl verifizierter Ransomware-Vorfälle in der Transport- und Logistikbranche 2025 mehr als verdoppelt. Mit 283 bestätigten Angriffen wurde ein neuer Rekord erreicht – mehr als in den beiden Vorjahren zusammen.
Die Täter setzen gezielt auf die „geringe Toleranz für Ausfallzeiten“ der Branche. In einer Welt des Just-in-Time-Lieferens können schon wenige Stunden IT-Stillstand zu kaskadierenden Verzögerungen in globalen Lieferketten führen. Vier dominante Ransomware-as-a-Service (RaaS)-Gruppen sind für 57 Prozent der Vorfälle verantwortlich: CL0P, Qilin, Akira und Play. Allein CL0P war für fast ein Viertel aller Angriffe verantwortlich.
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Der neue Trend: Cyber-gestützter Frachtdiebstahl
Die bedrohlichste Entwicklung ist jedoch ein taktischer Wandel. Sicherheitsexperten warnen vor dem Trend des „Cyber-Enabled Cargo Theft“. Dabei nutzen Kriminelle ihren Zugang zu IT-Systemen nicht nur für Erpressung, sondern auch, um hochwertige physische Sendungen zu lokalisieren und zu stehlen.
Durch das Kompromittieren von GPS-Trackern, Routenplanungssoftware und operativer Technologie (OT) erhalten die Täter eine „Gott-Perspektive“ auf Logistiknetze. Sie können spezifische Container überwachen, Routendaten manipulieren, um Fahrzeuge umzuleiten, und Fracht mit chirurgischer Präzision abfangen. Diese Entwicklung verwischt die Grenze zwischen digitalem Risiko und physischer Sicherheit fundamental.
Angreifbare Infrastruktur: IT und OT im Fadenkreuz
Die aktuelle Angriffswelle zielt speziell auf die Schnittstelle von IT- und OT-Infrastruktur ab. Im Visier stehen Systeme, die physische Abläufe steuern: Hafenmanagementsoftware, Bahnsignaltechnik und Werkautomatisierungstools.
Eine Schwachstelle sind veraltete Industriesteuerungssysteme (ICS), die oft auf Zuverlässigkeit und nicht auf Sicherheit ausgelegt waren. Die Integration tausender IoT-Geräte zur Echtzeitverfolgung hat die Angriffsfläche zusätzlich vergrößert. Der massive Angriff auf den IT-Großhändler Ingram Micro im Juli 2025 gilt als Weckruf. Er zeigte, wie ein einzelner Vorfall die Lebensadern der Technologie-Lieferkette durchtrennen kann.
Folgen für Wirtschaft und Regulierung
Der Zeitpunkt der Eskalation ist brisant. Angesichts bereits angespannter Lieferketten durch geopolitische Spannungen zwingt das zusätzliche Cyber-Risiko Logistikunternehmen zum Umdenken. Die Kosten für Cyber-Versicherungen dürften im ersten Quartal 2026 in die Höhe schießen.
Der Dominoeffekt betrifft auch abhängige Branchen wie Fertigung, Einzelhandel und Automobilindustrie. Zudem werden regulatorische Konsequenzen erwartet. Behörden in der EU und den USA dürften noch in diesem Jahr strengere Cybersicherheitsvorschriften für den Logistiksektor einführen – vergleichbar mit denen für Stromnetze oder Finanzsysteme.
Düstere Prognose mit KI als Beschleuniger
Die Expertenprognose für 2026 ist düster: Die Bedrohungslage wird sich vor einer möglichen Besserung weiter verschärfen. Die Integration von „agentic AI“ in Ransomware-Operationen könnte Angriffe weiter beschleunigen. Die Malware könnte dann eigenständig Netzwerke durchsuchen und lukrative Ziele identifizieren – schneller, als menschliche Verteidiger reagieren können.
Die dringende Empfehlung an Unternehmen lautet: Drittverbindungen sofort überprüfen und kritische OT-Netzwerke strikt von der Unternehmens-IT trennen. In einer vernetzten Welt hängt die physische Lieferkette am seidenen digitalen Faden.
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