CSRD-Pflicht und Aktivrente zwingen Mittelstand zur Diversität
03.01.2026 - 06:55:12Kapitalmarktorientierte KMU müssen Diversität messbar machen, während Aktivrente und Mindestlohn die Personalstrategie neu definieren. Experten sehen darin einen Wettbewerbsfaktor.
Seit Jahresbeginn müssen kapitalmarktorientierte KMU Vielfalt messbar machen – und bekommen neue Werkzeuge an die Hand. Das verändert die Personalarbeit grundlegend.
(Berlin/München, 03. Januar 2026) – Der deutsche Mittelstand startet mit einem regulatorischen Doppelschlag ins neue Jahr. Seit dem 1. Januar gelten verschärfte Berichtspflichten zur Vielfalt im Unternehmen. Parallel treten die neue „Aktivrente“ und ein höherer Mindestlohn in Kraft. Aus der Personalabteilung wird damit das strategische Zentrum für Wettbewerbsfähigkeit.
CSRD: Vom Lippenbekenntnis zur Rechenschaft
Die nächste Stufe der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) macht Diversität zur harten Kennzahl. Kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) müssen nun detailliert offenlegen, wie es um Chancengleichheit, Inklusion und faire Bezahlung steht. Gefordert sind konkrete Daten zur Belegschaftsstruktur, zur Lohnlücke zwischen den Geschlechtern und zu Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen.
Experten warnen davor, dies als Bürokratie abzutun. „Blanke“ Berichte oder vage Absichtserklärungen werden zum Risikofaktor. Sie könnten künftig den Zugang zu Fachkräften und günstigen Finanzierungen erschweren. Vielfalt ist kein Soft Skill mehr, sondern ein harter Wirtschaftsfaktor, der direkt in die Bilanz wirkt.
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Aktivrente und Mindestlohn als Game-Changer
Zwei weitere Neuerungen setzen unmittelbare Hebel in Bewegung. Die Aktivrente erlaubt Rentnern, bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuzuverdienen. Für Unternehmen wird erfahrenes Wissen damit plötzlich wieder verfügbar. Der Mittelstand kann gemischte Teams aus jungen Talenten und erfahrenen „Silver Workern“ aufbauen – eine direkte Antwort auf den Fachkräftemangel.
Flankiert wird dies von der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro. Das stärkt die Lohngerechtigkeit, erhöht aber gleichzeitig den Kostendruck in Service und Produktion. Die Botschaft ist klar: Höhere Löhne erfordern effizientere Prozesse und mehr Wertschöpfung pro Mitarbeiter.
Skill-Based Hiring: Das Ende der starren Profile
Jenseits der Gesetze zeichnet sich ein strategischer Trend ab: „Skill-Based Hiring“ verdrängt den „Zertifikate-Wahn“. Angesichts des Arbeitskräftemangels schauen Personaler immer weniger auf formale Abschlüsse. Stattdessen zählen die tatsächlichen Fähigkeiten und das Potenzial der Bewerber.
Dieser Ansatz baut Hürden für Quereinsteiger und Menschen mit ungewöhnlichen Lebensläufen ab. KI-gestützte Tools sollen helfen, Kompetenzen objektiv zu bewerten. Doch hier lauert die nächste Herausforderung: Die Algorithmen müssen frei von diskriminierenden Verzerrungen (Bias) sein, sonst droht neue Compliance-Probleme.
Gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft
Die Reaktionen auf den regulatorischen „Big Bang“ fallen gespalten aus. Verbände wie der BVMW warnen vor bürokratischer Überlastung, besonders für kleinere Firmen ohne große Personalabteilungen. Progressive Mittelständler hingegen sehen eine Chance zur Differenzierung.
Wer Vielfalt und Inklusion jetzt strategisch angeht, erfüllt nicht nur gesetzliche Pflichten. Er positioniert sich auch als attraktiver, zukunftsfähiger Arbeitgeber. Die Gewinner werden jene sein, die Diversität als Innovationsmotor begreifen – und nicht als lästige Pflicht.
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