Crans-Montana: Pyrotechnik und Akustikschaum lösten Club-Inferno aus
03.01.2026 - 01:42:12Die tödliche Kombination aus Neujahrs-Pyrotechnik und brennbarem Baumaterial hat im Schweizer Skiort Crans-Montana zu einer der schlimmsten Club-Katastrophen Europas geführt. Nach dem verheerenden Brand mit rund 40 Toten und über 100 Verletzten legen erste Ermittlungsergebnisse nun gravierende Sicherheitslücken offen. Die Tragödie zwingt die gesamte Alpenregion zum sofortigen Umdenken.
Die Staatsanwaltschaft Wallis präsentierte am Freitag die ersten konkreten Erkenntnisse zur Brandursache. Im Fokus stehen sogenannte „Fontänenkerzen“ – pyrotechnische Effekte, die an Sektflaschen befestigt waren. Zeugen und Videoaufnahmen zeigen, dass Servicekräfte diese Funkenwerter zu nah an die niedrige Holzdecke des „Le Constellation“ brachten.
Der eigentliche Schock für Sicherheitsexperten ist jedoch die Geschwindigkeit der Ausbreitung. Ermittler prüfen, ob die Decke mit brennbarem Akustikschaum verkleidet war. Bestimmte ältere Schallschutzmaterialien sind hoch entflammbar. Die Interaktion zwischen Funken und diesem Material habe wahrscheinlich einen „Flashover“ ausgelöst, erklärte Staatsanwältin Béatrice Pilloud. Dabei entzünden sich alle brennbaren Materialien in einem Raum nahezu gleichzeitig. Das würde erklären, warum Zeugen von einer vollständigen Durchzündung des Lokals „innerhalb von 10 Sekunden“ berichten.
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Basement-Falle: Enge Treppe als Flaschenhals
Neben der Zündquelle rücken nun gravierende Fluchtwegmängel in den Blick. Der beliebte Après-Ski-Treffpunkt verfügte über ein Untergeschoss, in dem sich zum Zeitpunkt des Brandausbruchs viele Gäste aufhielten.
Überlebende schildern ein chaotisches Bild: Der einzige Hauptfluchtweg – eine enge Treppe – verwandelte sich sofort in einen lebensgefährlichen Engpass. Die Polizei untersucht rigoros, ob Notausgänge klar gekennzeichnet, zugänglich und nicht verriegelt waren. Die Tragödie wirft ein grelles Licht auf Bestandsschutz-Regelungen in Bauvorschriften. Diese erlauben es vielen alten Berggasthöfen und Clubs, ohne moderne Fluchtwegstandards zu operieren. Das Layout des „Le Constellation“ mit seinen begrenzten Ausgängen und brennbaren Innenmaterialien machte das Untergeschoss bei einem Flashover zur tödlichen Falle.
Regulatorisches Erdbeben: Das Ende der alpinen Sorglosigkeit?
Die unmittelbaren Folgen der Katastrophe werden regulatorischer Natur sein. Beobachter erwarten einen schnellen und harten Schlag gegen Indoor-Pyrotechnik in der Schweiz – eine Praxis, die in vielen anderen europäischen Ländern bereits streng reglementiert oder verboten ist.
Der Kanton Wallis steht unter Druck, sofortige Verbote für Funkenwerter und offene Flammen in allen Gastronomiebetrieben zu verhängen. Die Erwähnung des Akustikschaums hat zudem Forderungen nach einer nationalen Überprüfung der Deckenmaterialien in Nachtclubs und Bars ausgelöst.
Mathias Reynard, Präsident des Walliser Staatsrats, signalisierte strikte Maßnahmen. Die Diskussion weitet sich bereits über Crans-Montana aus: Nachbarkantone und sogar Skigebiete in Frankreich und Italien überprüfen ihre Sicherheitsprotokolle für die Hochsaison. Die Befürchtung: Das „Le Constellation“ ist kein Einzelfall, sondern typisch für viele vor Jahrzehnten gebaute Après-Ski-Lokale, die nie auf moderne Brandlasten nachgerüstet wurden.
Parallelen zu globalen Club-Desastern und wirtschaftliche Folgen
Das Feuer in Crans-Montana zieht düstere Parallelen zu anderen Nachtclub-Katastrophen, bei denen Pyrotechnik und schallschluckende Materialien Massensterben verursachten – etwa dem Kiss-Nightclub-Brand in Brasilien 2013 oder dem Station-Nightclub-Feuer in den USA 2003. In allen Fällen machten rasend schnell sich ausbreitender toxischer Rauch und Feuer eine Evakuierung unmöglich.
Für die Schweizer Tourismusbranche markiert das Ereignis eine Zeitenwende. Der beliebte „Alpine-Chic“-Stil mit holzvertäfelten, gemütlichen und abgeschlossenen Räumen birgt einzigartige Brandrisiken. Versicherungsexperten rechnen mit explodierenden Prämien für Gastronomiebetriebe in Bergorten. Versicherer werden wohl rigorose Neueinschätzungen der Brandsicherheit vor Vertragsverlängerungen verlangen. Ungeklärt ist auch, ob die gesetzlichen Belegungsgrenzen in dem überfüllten Lokal eingehalten wurden.
Identifizierung der Opfer und strafrechtliche Konsequenzen
Die Identifizierung der Opfer dauert an und gestaltet sich aufgrund der schweren Verbrennungen äußerst schwierig. Ein spezialisiertes DNA-Identifizierungsteam arbeitet mit internationalen Experten zusammen, da viele der Toten vermutlich Touristen aus Frankreich, Italien und anderen Ländern sind.
Für den 9. Januar ist in Crans-Montana eine Gedenkfeier geplant. Die Staatsanwaltschaft Wallis kündigte unterdessen wahrscheinliche Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung an, sobald die finalen technischen Gutachten vorliegen. In den kommenden Wochen wird der Kanton Wallis voraussichtlich Notfallgesetze auf den Weg bringen. Diese könnten einen neuen, rigorosen Sicherheitsstandard für Skigebiete in ganz Europa setzen.
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