Collabora, Wire

Collabora und Wire: Europäische Allianz für souveräne Bürosoftware

18.01.2026 - 06:55:12

Die strategische Allianz bietet datenautonome Büro-Tools für Behörden und kritische Infrastrukturen und stellt eine Antwort auf die Dominanz proprietärer Software dar.

Europäische Tech-Firmen bündeln ihre Kräfte im Kampf um digitale Souveränität. Die Sicherheitsplattform Wire und der Open-Source-Spezialist Collabora Productivity haben eine strategische Partnerschaft angekündigt. Ihr Ziel: Regierungen und kritische Infrastrukturen mit datenautonomen Büro-Tools ausstatten. Diese Allianz markiert eine neue Offensive gegen die Dominanz proprietärer Software-Riesen.

Die strategische Antwort auf Abhängigkeiten

Die Kooperation, die am 13. Januar 2026 bekannt wurde, ist eine direkte Reaktion auf eine bedenkliche Marktkonzentration. Schätzungen aus 2025 zufolge könnten US-amerikanische Bürosoftware-Lösungen im EU-öffentlichen Sektor einen Marktanteil von bis zu 90 Prozent halten. Diese Abhängigkeit von einzelnen ausländischen Anbietern birgt erhebliche Risiken für Datenschutz, langfristigen Zugriff und operative Widerstandsfähigkeit.

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„Digitale Souveränität“ hat sich damit vom IT-Nischenthema zur Chefetagen-Aufgabe entwickelt. Die Partnerschaft kombiniert Wires Expertise in sicherer Kommunikation mit Collaboras Collabora Online – einer auf LibreOffice-Technologie basierenden, selbst hostbaren Bürosuite. So entsteht ein Angebot, das vollständige Kontrolle über die Dateninfrastruktur verspricht und sich nahtlos in Plattformen wie Nextcloud integrieren lässt.

Open Source treibt Innovation voran

Während sich die Allianen formieren, treibt die Open-Source-Community die technische Entwicklung energisch voran. Die Document Foundation steht kurz vor dem Hauptrelease von LibreOffice 26.2 Ende Januar 2026. Diese Version wird mit verbesserter Kompatibilität zu Microsoft-Office-Formaten, einem robusteren ODF-Verschlüsselungsmodus und neuen Funktionen wie dem Import und Export von Markdown-Dateien aufwarten.

Parallel dazu etablieren Anbieter wie Collabora eine entscheidende Nische: Sie verbinden traditionelles Offline-Editing mit moderner, cloudbasierter Zusammenarbeit – ohne die Daten in die Hände Dritter zu geben. Diese Flexibilität ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Organisationen, die sich von externen Cloud-Diensten unabhängig machen wollen.

ODF 1.4: Das neue Fundament für offene Standards

Unter all diesen Entwicklungen liegt ein gestärktes Fundament: die formale Anerkennung des Open Document Format (ODF) Version 1.4 als OASIS-Standard Ende 2025. Dieser Standard wurde für den modernen digitalen Arbeitsplatz konzipiert. Er bietet verbesserte Unterstützung für Cloud-Kollaboration, umfangreichere Multimedia-Integration, standardisierte Sicherheitsfunktionen und erweiterte Barrierefreiheit.

Die Bedeutung dieses Schritts kann kaum überschätzt werden. ODF 1.4 verhindert, dass ein einzelner Anbieter die Kontrolle über Dokumentenformate erlangt. Die Nutzerhoheit liegt wieder bei den Organisationen selbst. Sie können frei entscheiden, wie und mit wem sie Inhalte teilen – ohne die Sorge, dass ihre Daten zu kommerziellen Zwecken analysiert werden. Das XML-basierte Schema des Standards trägt zudem zu stabileren und sichereren Dateien bei als viele proprietäre Alternativen.

Der Weg in eine offenere digitale Zukunft

Das Jahr 2026 könnte einen Wendepunkt markieren. Es ist das 20. Jubiläum der Anerkennung von ODF als ISO/IEC-Internationalstandard. Initiativen wie die neue Plattform ODF.news, die im Januar 2026 startete, sollen das Bewusstsein für die Vorteile offener Formate weiter schärfen.

Die Kombination aus strategischen Partnerschaften, leistungsfähigen Software-Updates und einem modernisierten Standard schafft ein überzeugendes Ökosystem für den Wandel. Für Unternehmen und Behörden, die ihre digitale Produktivitätsstrategie überprüfen, ist der Weg zu mehr Datenautonomie und Freiheit von Vendor-Lock-in klarer und gangbarer denn je. Die Entwicklungen zu Beginn des Jahres deuten darauf hin: Der digitale Arbeitsplatz der Zukunft wird offener, interoperabler und souveräner.

@ boerse-global.de