Collabora, Office

Collabora Office: Europas Antwort auf Microsoft startet

29.11.2025 - 19:50:12

Europa nimmt den Kampf um digitale Souveränität auf – mit einer offenen Alternative, die Microsoft direkt herausfordert. Diese Woche präsentierte Collabora Productivity sein neues Collabora Office for Desktop, eine Anwendung, die cloudbasierte Zusammenarbeit und klassische Offline-Produktivität vereinen soll.

Das Timing ist kein Zufall. Nur 24 Stunden nach dem Collabora-Launch lud Nextcloud am Donnerstag zu einem Webinar, das die eigene “Hub”-Plattform direkt gegen Microsoft 365 positionierte. Die Botschaft: Organisationen müssen die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen – gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.

Am 26. November veröffentlichte das britische Unternehmen Collabora die erste Preview seiner Desktop-Anwendung – ein bemerkenswerter Strategiewechsel. Bislang war die Firma vor allem für Collabora Online bekannt, die webbasierte Office-Engine hinter Plattformen wie Nextcloud oder EGroupware. Jetzt bringt man diese moderne Benutzeroberfläche auch auf lokale Rechner mit Windows, macOS und Linux.

Die neue Anwendung unterscheidet sich bewusst von der traditionellen LibreOffice-Oberfläche. Stattdessen bietet sie ein “aufgeräumtes, ergonomisches Interface”, das der Webversion entspricht. Für Unternehmen, die Microsoft Office den Rücken kehren wollen, löst das ein altes Problem: den abrupten Bruch zwischen Web- und Desktop-Workflows.

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“Öffnen und sofort zu Hause fühlen: ODF oder DOCX, schnelle Änderungen oder tiefgreifende Bearbeitung”, verspricht das Unternehmen. Die Software soll proprietäre Formate wie .docx und .xlsx mit hoher Genauigkeit verarbeiten – entscheidend für Behörden, die mit der Privatwirtschaft kommunizieren.

Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, unterstützt den Schritt öffentlich: “Nextcloud pflegt eine langjährige, enge Partnerschaft mit Collabora. Wir freuen uns, dass wir unsere UX-Expertise einbringen konnten, um Collabora Office ergonomischer und intuitiver zu gestalten.”

Noch handelt es sich um eine Preview zur Evaluierung. Doch Branchenbeobachter sehen darin ein Reifezeichen: Der europäische Software-Stack bietet nun eine einheitliche Nutzererfahrung, die mit der Nahtlosigkeit von Microsoft 365 mithalten kann.

Nextcloud greift Microsoft frontal an

Die Offensive ging am 27. November weiter. Nextcloud veranstaltete ein hochkarätig besetztes Webinar mit dem Titel “Nextcloud Hub vs Microsoft 365 – Die Kontrolle über Ihre Organisationsdaten übernehmen.” Die Veranstaltung traf den Nerv europäischer CIOs, die zunehmend über den US Cloud Act und mögliche extraterritoriale Datenzugriffe besorgt sind.

Nextcloud-Führungskräfte präsentierten ihre “Hub 25 Autumn”-Version als vollwertige Alternative zum Microsoft-Stack: Dateispeicherung, Chat, Videokonferenzen und die frisch aktualisierten Office-Funktionen – alles aus einer Hand.

Das Timing passt perfekt. Am 25. November hatte Nextcloud bereits seinen Enterprise Day in Den Haag abgehalten. Dort drehte sich alles um “souveräne Zusammenarbeit”, mit Vorträgen zur erfolgreichen Migration in Schleswig-Holstein. Das Bundesland ersetzt Microsoft Office durch LibreOffice und Nextcloud auf 30.000 Arbeitsplätzen – ein Leuchtturmprojekt für die europäische Open-Source-Bewegung.

openDesk: Deutschlands digitale Unabhängigkeit

Diese Entwicklungen fügen sich in die breitere openDesk-Initiative ein, eine souveräne Arbeitsplatz-Suite des Bundesinnenministeriums, entwickelt vom Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS).

Collaboras neues Desktop-Tool und Nextclouds Plattform sind zentrale Bausteine dieses modularen Ökosystems. Indem die einzelnen Komponenten nahtlos zusammenarbeiten, bauen europäische Anbieter eine “Best-of-Breed”-Alternative auf, die Vendor Lock-in vermeidet.

Branchenanalysten glauben: Die dedizierte Collabora-Desktop-App könnte die openDesk-Akzeptanz beschleunigen. “Der Mangel an einem modernen, konsistenten Offline-Editor, der zur Weboberfläche passt, war ein Hindernis”, so ein Teilnehmer der Open Source Experience in Paris. “Diese Veröffentlichung beseitigt möglicherweise diese Hürde und erleichtert den Umstieg für nicht-technische Regierungsmitarbeiter.”

Souveränität schlägt Komfort?

Die vergangenen 72 Stunden zeigen: Das Schlachtfeld in der Unternehmenssoftware verschiebt sich. Während Microsoft durch integrierte KI-Features und Bequemlichkeit dominiert, konkurrieren europäische Alternativen mit Vertrauen, Datenschutz und Souveränität.

Im öffentlichen Sektor scheint die Strategie aufzugehen. Österreichs Militär vollzog im September 2025 den Umstieg auf LibreOffice, Dänemarks Agentur für Digitale Regierung kündigte Ähnliches an. Der Markt für Open-Source-Alternativen entwickelt sich von Nischenprojekten zu flächendeckenden Deployments.

Doch Herausforderungen bleiben. Collabora gibt offen zu: Der neue Desktop-Client ist in der Preview-Phase und sucht Feedback für eine produktionsreife Version 2026. Für kritische Produktivumgebungen empfiehlt das Unternehmen vorerst die “Classic”-Edition mit traditioneller LibreOffice-Oberfläche.

Der Test kommt 2026

Anfang 2026 dürfte sich der Fokus auf die Integration dieser neuen Tools in die openDesk-Suite verlagern – und auf deren Übernahme durch Vorreiter wie Frankreich und Deutschland.

Mit Collabora Office for Desktop in öffentlichen Tests haben IT-Administratoren europaweit ein neues Werkzeug zur Evaluierung. Wenn die Software ihr Versprechen einlöst – einheitlich, sicher, kompatibel –, könnte 2026 eine Rekordzahl europäischer Organisationen ihre kritische Infrastruktur von US-Cloud-Anbietern abkoppeln.

Die Botschaft der europäischen Open-Source-Community ist eindeutig: Die Technologie für eine souveräne digitale Zukunft ist keine Zukunftsmusik mehr. Sie steht ab heute zum Download bereit.

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