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COINS Act und „Reziproke Zölle“: Neue Hürden für US-Exporteure

05.01.2026 - 06:15:12

Der COINS Act und verschärfte Ursprungsnachweise stellen US-Exporteure vor massive Compliance-Herausforderungen und erhöhen das Risiko von Strafzöllen.

US-Exporteure müssen ab sofort Kapitalströme und Lieferketten streng überwachen, um Strafzölle zu vermeiden. Das verschärfte US-Handelssystem unter dem Schlagwort „Reziprozität“ stellt Unternehmen vor eine doppelte Herausforderung: neue Investitionskontrollen und komplexe Ursprungsnachweise.

Washington D.C. – Während sich die öffentliche Debatte oft auf die Einfuhrzölle der USA konzentriert, treffen neue Regelungen nun mit voller Wucht die amerikanischen Exporteure. Eine Kombination aus dem gerade in Kraft getretenen COINS Act und aktualisierten Ausnahmeregelungen für „ausgerichtete Partner“ zwingt Unternehmen zu einem beispiellosen Aufwand bei der Due Diligence. Die Ära des automatischen Marktzugangs ist vorbei.

Der COINS Act: Eine „umgekehrte CFIUS“-Prüfung

Das umfassendste neue Werkzeug ist der Comprehensive Outbound Investment National Security Act (COINS Act). Experten bezeichnen das Gesetz, das im Dezember 2025 unterschrieben wurde, als „umgekehrte CFIUS“. Es kontrolliert nun streng, wohin amerikanisches Kapital und Technologie fließen dürfen.

Anders als ein Pilotprogramm von 2024 gilt der COINS Act nicht nur für China. Die Liste der „besorgniserregenden Länder“ wurde um Kuba, den Iran, Nordkorea und Russland erweitert. Für bestimmte Transaktionen in Schlüsseltechnologien wie Hochleistungsrechnen gilt nun eine Vermutung der Versagung. US-Firmen müssen ihre Joint Ventures und Tochtergesellschaften überprüfen, um sicherzustellen, dass kein „immaterieller“ Wert an diese Länder transferiert wird. Die Compliance-Abteilungen müssen Kapitalfluss- und Güterfluss-Kontrollen verschmelzen.

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Das Puzzle der „ausgerichteten Partner“

Parallel zu den Investitionskontrollen verschärft das System der „Reziproken Zölle“ die Anforderungen an den Warenursprung. Die USA schließen bilaterale Handelsabkommen, die herkömmliche WTO-Regeln ersetzen. Nur Exporte in diese „ausgerichteten Partnerländer“ – wie jüngst Ecuador und El Salvador – sind von Vergeltungszöllen befreit.

Der Haken: Die neuen „Reziproken“ Standards verlangen einen Negativ-Nachweis. Es reicht nicht mehr, dass ein Produkt „Made in USA“ ist. Exporteure müssen belegen, dass ihre Lieferkette keine „signifikanten Inputs“ aus „nicht-reziproken“ Volkswirtschaften – primär China – enthält. Zollbehörden in den USA und im Ausland bauen derzeit ein gemeinsames Datenframework auf, um diese Herkunftsnachweise zu prüfen. Die Transparenzanforderungen für die Lieferkette steigen damit dramatisch.

Risiko Vergeltung: Die Angst vor Umgehung und Weiterexport

Die geopolitischen Folgen der US-Zollpolitik sind bereits spürbar. China antwortet mit Vergeltungszöllen von 145 Prozent, andere Nationen erheben Strafaufschläge. Das zwingt US-Exporteure zu defensiven Strategien.

Das größte Risiko ist die Weiterverarbeitung oder der Weiterexport in Hochzoll-Länder. Ausländische Zollbehörden ahmen US-Taktiken nach und unterbinden zunehmend Umgehungsrouten über Drittländer. Die Compliance-Last hat sich verschoben: Von der korrekten Warenklassifizierung hin zur Zertifizierung des gesamten Handelswegs. Unternehmen wird geraten, „Endverwender-Erklärungen“ einzuholen, die den Weiterexport in bestimmte Jurisdiktionen ohne Genehmigung verbieten – eine Praxis, die bisher militärischen Gütern vorbehalten war.

Zudem verlangt die verschärfte „Affiliates Rule“, dass US-Firmen nicht nur ihren direkten Kunden, sondern jede Gesellschaft screenen, die zu 50 Prozent oder mehr einer sanktionierten Partei gehört. Der Standard „Kenne den Kunden deines Kunden“ wird zur neuen Basis.

Hohe Kosten und unklare Aussichten

Die Reaktion der Wirtschaft ist von vorsichtiger Anpassung geprägt. Während das „Reziproke“ Rahmenwerk langfristig fairen Wettbewerb verspricht, sorgen die kurzfristig explodierenden Compliance-Kosten für Unmut.

Rechtsanwaltskanzleien verzeichnen einen Ansturm von Anfragen zu den Meldepflichten des COINS Act. In der Logistikbranche führen die neuen Ursprungsnachweise zu Engpässen. Anbieter von Compliance-Software aktualisieren unter Hochdruck ihre Systeme, um „reziproke“ von „nicht-reziproken“ Zielen zu unterscheiden und COINS-Prüfungen zu automatisieren.

Bis zum März 2026 wird das US-Finanzministerium voraussichtlich die endgültigen Durchführungsbestimmungen zum COINS Act vorlegen. Bis dahin operieren Exporteure in einer Grauzone des „guten Glaubens“. Die Botschaft aus Washington ist jedoch eindeutig: Handelsprivilegien müssen durch lückenlose, überprüfbare Nachweise der Loyalität verdient werden. Das globale Handelssystem spaltet sich weiter auf.

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