CLP-Kennzeichnung, OSOA-Reform

CLP-Kennzeichnung bis 2028 verschoben, OSOA-Reform startet

06.01.2026 - 02:22:12

Die EU verschafft der Chemieindustrie mit einer Verschiebung der CLP-Kennzeichnungspflichten bis 2028 Luft, während die zentrale Stoffbewertungsreform 'One Substance, One Assessment' bereits in Kraft ist.

Zum Jahresauftakt 2026 bringt eine nuova EU-Verordnung der Chemieindustrie Planungssicherheit: Während umfassende Kennzeichnungsvorgaben offiziell auf 2028 verschoben wurden, ist das Reformpaket „One Substance, One Assessment“ bereits in Kraft. Die Branche muss sich auf eine geteilte Agenda einstellen.

Offizielle Atempause für die Industrie

Die lange erwartete rechtliche Klarheit ist da. Mit der sogenannten „Stop-the-Clock“-Verordnung hat die EU zentrale Fristen der CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) auf den 1. Januar 2028 verschoben. Ursprünglich sollten die strengen neuen Regeln für Etiketten bereits Mitte 2026 gelten. Die nun bindende Verschiebung gilt als direkte Antwort auf Forderungen aus dem „Draghi-Report“, der übermäßige Bürokratie als Wettbewerbsnachteil für Europas Industrie benannte.

Die zusätzliche Zeit von rund zwei Jahren entlastet Unternehmen massiv. Sie können nun Lagerbestände an Verpackungen aufbrauchen und ihre IT-Systeme für das Label-Management ohne akuten Zeitdruck umstellen. Betroffen von der Verschiebung sind unter anderem:
* Neue Formatvorgaben für Etiketten mit Mindestschriftgrößen.
* Informationspflichten im Online-Handel und in der Werbung.
* Spezifische Kennzeichnungen an Tankstellen und für Behälter.

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„One Substance, One Assessment“ startet durch

Während bei der Kennzeichnung die Pause-Taste gedrückt wurde, schreitet die Reform an anderer Stelle entschlossen voran. Seit dem 1. Januar 2026 ist das Legislativpaket „One Substance, One Assessment“ (OSOA) in Kraft. Es ist ein Kernstück der EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit und soll Doppelarbeit und Widersprüche bei der Risikobewertung beenden.

Bislang bewerteten verschiedene EU-Agenturen wie die ECHA (Chemikalien), EFSA (Lebensmittel) oder EMA (Arzneimittel) Stoffe oft isoliert – mit teils abweichenden Ergebnissen. OSOA harmonisiert diesen Prozess. Zentrale Neuerungen sind:
* Stärkung der ECHA: Die Europäische Chemikalienagentur erhält erweiterte Kompetenzen und übernimmt gebündelte wissenschaftliche Aufgaben.
* Gemeinsame Datenplattform: Der Aufbau einer zentralen EU-Datenbank für alle regulatorischen Chemikalieninformationen hat begonnen.
* Prinzip „Eine Substanz, eine Bewertung“: Dies soll widersprüchliche Bewertungen desselben Stoffs künftig verhindern.

Geteilte Agenda für Compliance-Manager

Für die Industrie bedeutet die aktuelle Lage eine zweigleisige Strategie. Im operativen Verpackungs- und Label-Management ist der Druck gewichen. Die Zeit bis 2028 kann für eine geordnete, kosteneffiziente Umstellung genutzt werden.

Auf der strategischen Ebene der Stoffbewertung und Datennutzung hingegen ist sofortige Aufmerksamkeit gefordert. Da die OSOA-Mechanismen nun wirken, werden Daten zwischen Behörden schneller ausgetauscht. Ein Sicherheitsbedenken in einem Bereich – etwa bei Lebensmittelkontaktmaterialien – könnte so rasch Konsequenzen für denselben Stoff in Industrieanwendungen nach sich ziehen. Unternehmen müssen ihre Datenqualität und -bereitstellung überprüfen.

2026 wird zum Jahr der technischen Umsetzung

Mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen ist der Weg frei für die konkrete Ausgestaltung. Fachkreise erwarten, dass die ECHA bis Mitte 2026 aktualisierte Leitlinien zur praktischen Umsetzung der verschobenen CLP-Regeln vorlegt.

Für OSOA liegt der Fokus auf dem Aufbau der technischen Infrastruktur. Die schrittweise Implementierung der gemeinsamen Datenplattform wird beginnen. Die Industrie ist gefordert, sich frühzeitig mit den neuen Meldewegen und Datenformaten vertraut zu machen.

Der Jahresbeginn bringt der Chemiebranche also eine Atempause bei der Verpackung, fordert aber höchste Wachsamkeit bei der Substanzbewertung. Der grundlegende Umbau der europäischen Chemikalienpolitik schreitet unvermindert voran.

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