CES 2026: KI verlässt den Bildschirm und erobert die reale Welt
08.01.2026 - 02:43:12Künstliche Intelligenz wird greifbar. Auf der Technikmesse CES in Las Vegas dominiert eine neue Ära: Statt Chatbots, die Texte verfassen, stehen nun Roboter im Mittelpunkt, die Wäsche falten und in Fabriken arbeiten können. Die Branche nennt diesen Durchbruch das „ChatGPT-Moment für die Robotik“.
NVIDIA choreografiert die Roboter-Revolution
Während Roboter die sichtbaren Stars der Messe sind, positioniert sich NVIDIA als heimlicher Dirigent. CEO Jensen Huang stellte eine Reihe von Technologien vor, die als Gehirn und Nervensystem für die nächste Generation autonomer Maschinen dienen sollen. Sein neues Schlagwort: „Physical AI“ – KI-Modelle, die physikalische Gesetze verstehen und komplexe Handlungen in der realen Welt planen können.
Kernstück dieser Vision ist die neue Plattform NVIDIA Cosmos. Sie ermöglicht es Entwicklern, reale Umgebungen detailgetreu zu simulieren. Roboter können so Fähigkeiten zunächst in der virtuellen Welt trainieren, bevor sie in der Realität zum Einsatz kommen. Dieser „Sim-to-Real“-Ansatz soll die Kosten und Risiken des Trainings drastisch senken.
Seit August 2024 gelten neue EU-Vorgaben zur Nutzung von KI — und sie betreffen längst nicht nur Chatbots: Autonome Fahrzeuge und physische Roboter fallen unter Kennzeichnungs-, Dokumentations- und Risikoanforderungen. Wer “Physical AI” in Produkten einsetzt, muss Nachweise liefern, Risikoklassen bestimmen und Übergangsfristen beachten. Ein kostenloser Praxisleitfaden erklärt kompakt, welche Pflichten für Hersteller, Entwickler und Betreiber jetzt relevant sind — praxisorientiert und verständlich. Jetzt den Gratis-Leitfaden zur KI-Verordnung herunterladen
Zudem kündigte NVIDIA Alpamayo an, eine neue Familie offener KI-Modelle für das autonome Fahren. Die Plattform, die noch in diesem Jahr in Mercedes-Benz Fahrzeugen debütieren soll, kombiniert reale Daten mit Simulationen für mehr Sicherheit. Den nötigen Rechenpower liefert der nun in Serienproduktion gegangene Superchip Vera Rubin.
Humanoiden für Fabrik und Wohnzimmer
NVIDIAs theoretische Rahmenbedingungen bekamen sofort handfeste Hardware zur Seite gestellt. Boston Dynamics, eine Tochter von Hyundai, präsentierte die serienreife Version seines humanoiden Roboters Atlas. Statt spektakulärer Forschungsvideos steht nun der kommerzielle Einsatz in Hyundais Elektroauto-Fabriken im Fokus. Eine neue Partnerschaft mit Google DeepMind soll Atlas die nötige kognitive Intelligenz verleihen, um sich in dynamischen Industrieumgebungen zurechtzufinden.
Auf der Konsumentenseite setzt LG Electronics mit CLOiD auf den Haushalt. Der humanoide Roboter mit zwei Armen und fünf Fingern soll filigrane Aufgaben wie Wäschefalten übernehmen. LG spricht von „Affectionate Intelligence“, um eine natürliche Interaktion mit Familienmitgliedern zu ermöglichen. Ein konkreter Veröffentlichungstermin oder Preis steht jedoch noch aus.
Strategische Kurswechsel und neue Mobilität
Während Humanoiden Schlagzeilen machten, warf eine Abwesenheit Fragen auf: Samsungs rollender Roboter Ballie, lange ein CES-Stammgast, fehlte in diesem Jahr. Berichte deuten darauf hin, dass Samsung das Projekt von einem Konsumentenprodukt zu einer internen Innovationsplattform umgewidmet hat – ein strategischer Rückzug vom Markt der Heimroboter zugunsten von KI in stationären Geräten.
Im Mobilitätssektor sorgte Uber für Aufsehen. Das Unternehmen zeigte erstmals öffentlich ein neues Robotaxi, entwickelt mit Lucid Motors und Nuro. Das als „Luxusfahrzeug“ beschriebenes Auto kommt ganz ohne Fahrer aus und signalisiert Ubers anhaltendes Bekenntnis zu einer autonomen Zukunft.
Analyse: Die Ära der verkörperten Intelligenz
Die Entwicklungen der CES markieren eine kritische Reifephase der KI. Die Geräte werden von bloß „vernetzt“ zu „handlungsfähig“. Dieser Übergang adressiert das „Moravec-Paradoxon“: Während abstraktes Denken für KI vergleichsweise einfach ist, sind grundlegende sensomotorische Fähigkeiten wie Greifen oder Gehen enorm schwierig zu erlernen.
Durch Plattformen wie NVIDIA Cosmos für das Training und Hardware von Boston Dynamics oder LG für den Körper scheint die Branche den Code zum skalierbaren Roboter-Lernen geknackt zu haben. Die Konvergenz von generativer KI (für das Verstehen von Anweisungen) und bestärkendem Lernen (für die physische Ausführung) macht Roboter erstmals zu echten Produkten.
Doch der Kontrast zwischen Atlas‘ konkretem Industrie-Einsatz und dem unklaren Zeitplan für CLOiD im Wohnzimmer zeigt eine anhaltende Realität: Die Fabrikhalle ist für Roboter immer noch ein kontrollierteres und verzeihenderes Umfeld als das chaotische moderne Zuhause.
Ausblick: Der Wettlauf um die Implementierung beginnt
Für das laufende Jahr zeichnet sich ein Wettlauf ab, diese „Physical AI“-Systeme in kontrollierten Umgebungen einzusetzen. Die Fertigungsindustrie wird voraussichtlich als erste in größerem Maßstab von Humanoiden wie Atlas profitieren, möglicherweise bereits Ende 2026 oder 2027.
Die „Null-Arbeitskraft-Wohnung“ bleibt für Verbraucher zwar noch Zukunftsmusik, doch die Technik rückt näher. Ein wichtiger Lackmustest für das öffentliche Vertrauen in physische KI wird der Erfolg von NVIDIAs Alpamayo in Mercedes-Benz Fahrzeugen sein. Sollte dies gelingen, könnte 2026 nicht nur als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Roboter kamen – sondern als das Jahr, in dem sie begannen, ihr Geld zu verdienen.
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