CES, Beine

CES 2026: KI bekommt Beine und Arme

09.01.2026 - 15:40:12

Auf der CES zeigen Hersteller menschenähnliche Roboter für Alltagsaufgaben. Trotz Marktpotenzial von 38 Mrd. Dollar bis 2035 bleiben hohe Kosten und technische Hürden bestehen.

Die Elektronikmesse CES in Las Vegas markiert einen Wendepunkt: Künstliche Intelligenz verlässt den Bildschirm und erobert die reale Welt. Unter dem Schlagwort „Physical AI“ präsentierten Hersteller menschenähnliche Roboter, die komplexe Aufgaben übernehmen können – vom Haushalt bis zur Fabrikhalle.

Der „ChatGPT-Moment“ für Roboter

Die Botschaft von NVIDIA-Chef Jensen Huang war eindeutig: Die Ära der physischen KI ist angebrochen. In seiner Grundsatzrede stellte er das Konzept vor, bei dem Maschinen die reale Welt verstehen und in ihr handeln. Zur Untermauerung präsentierte NVIDIA zwei Schlüsseltechnologien: Das „Cosmos“-Modell, das Robotern physikalisches Verständnis in Simulationen beibringt, und „Alpamayo“, ein System für autonomes Fahren und Navigation. Diese Plattformen sollen das große Problem des Robotik-Lernens lösen: den Mangel an Trainingsdaten aus der echten Welt.

Haushaltshelfer mit Geschick

Während NVIDIA die Intelligenz liefert, zeigten Konsumelektronik-Konzerne die praktische Anwendung. LG Electronics zog mit LG CLOiD die Massen an. Der mobile Roboter mit zwei Greifarmen holte in Live-Demos Milch aus dem Kühlschrank und legte Croissants in den Ofen – eine bisher unerreichte Geschicklichkeitsstufe für Heimroboter. LG spricht von einer „Zero Labor Home“, in der Maschinen den Haushalt autonom managen.

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Ebenfalls im Fokus: Alltagspflichten. Der Onero H1 von SwitchBot lud Geschirrspüler und sortierte Wäsche. Die Botschaft der Hersteller ist klar: Es geht nicht mehr um smarte Lautsprecher, sondern um halbautonome Arbeitskräfte für zu Hause.

Humanoid-Duo: Fürsorge und Kraftakt

Die Roboter-Entwicklung teilt sich in zwei Richtungen: einfühlsame Pflege und industrielle Stärke.

Das chinesische Unternehmen Fourier Intelligence brachte den GR-3 nach Amerika. Der „Care-Bot“ mit warmem Design soll in der Altenpflege und Rehabilitation helfen. Er spielte Brettspiele und führte sanfte Übungen vor – eine Antwort auf den globalen Mangel an Pflegekräften.

Ganz anders der G1 von Unitree: Der chinesische Humanoid zeigte in einer Boxvorführung agil seine Stabilität unter Belastung. Unitree setzt auf ein „Robot-as-a-Service“-Modell, um die hohen Anschaffungskosten durch Abonnements zu umgehen.

Auch Boston Dynamics (in Hyundai-Partnerschaft) ist bereit für den Praxiseinsatz. Der neue, vollelektrische Atlas-Roboter wird für die Automobilproduktion vorbereitet und unterstreicht die enge Verbindung zwischen Autoindustrie und Robotik.

Ernüchternde Realität: Absagen und Absetzungen

Trotz des Hypes bot die Messe auch eine Realitätskontrolle. Eine bekannte Ikone fehlte: Samsung’s Ballie. Der gelbe Kugelroboter, jahrelang ein CES-Liebling, war nirgends zu sehen. Berichte bestätigten: Der Consumer-Start wurde gestoppt. Statt eines Produkts ist Ballie nun eine interne Innovationsplattform. Die Absetzung zeigt: Der Weg vom beeindruckenden Prototyp zum massentauglichen Produkt ist voller technischer und wirtschaftlicher Hürden.

Ausblick: Markt wächst, Hürden bleiben

Der Siegeszug der physischen KI spiegelt einen Branchentrend wider. Die Analysten von Goldman Sachs prognostizieren einen Humanoid-Roboter-Markt von 38 Milliarden Dollar bis 2035 – angesichts der gezeigten Hardware-Reife eine plausible Zahl.

Doch die Herausforderungen sind enorm. Die KI-„Gehirne“ (VLA-Modelle) müssen sich auch in unkontrollierten Umgebungen außerhalb von Messehallen bewähren. Vor allem die Kosten für Hochleistungskomponenten wie Aktuatoren und Spezialchips (z.B. NVIDIA Jetson Thor) müssen drastisch sinken, um eine breite Einführung zu ermöglichen.

Die Botschaft von Las Vegas ist dennoch eindeutig: Die KI-Revolution hat die Serverracks verlassen und erobert Werkstätten und Wohnzimmer. Ein Roboter in jedem Haushalt mag noch Jahre entfernt sein. Doch die Technologie, sie zu bauen, ist keine Science-Fiction mehr – sie ist technische Realität.

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