CDU, Kündigungsschutz

CDU will Kündigungsschutz für Top-Verdiener lockern

20.01.2026 - 18:32:12

Die CDU fordert eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Angestellte mit über 100.000 Euro Jahresbrutto. Der Vorschlag sieht einvernehmliche Ausnahmen vor und stößt auf politischen Widerstand.

Die CDU fordert eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdiener. Die umstrittene Reform soll die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken.

Angeführt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, zielt der Vorstoß auf Angestellte mit einem Jahresbrutto von über 100.000 Euro. Kern des Vorschlags ist ein Optionsrecht: Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten einvernehmlich auf den gesetzlichen Kündigungsschutz verzichten. Als Ausgleich sind höhere Vergütungen oder fixe Abfindungen vorgesehen.

Mehr Dynamik oder Aushöhlung von Rechten?

Die Befürworter argumentieren mit wirtschaftlicher Notwendigkeit. Ein zu starrer Kündigungsschutz hemme notwendige Veränderungen in den Führungsetagen und bremse die Anpassung an digitale Märkte. „Länder mit flexibleren Arbeitsmärkten sind oft dynamischer“, so die Argumentation von Ministerin Reiche. Die Reform solle gezielt die Gruppe treffen, die aufgrund ihrer Qualifikation und finanziellen Absicherung weniger schutzbedürftig sei.

Doch was bedeutet das konkret? Bisher gilt die Sonderregelung nur für leitende Angestellte mit Personalverantwortung. Der neue Vorschlag knüpft allein an die Gehaltshöhe an. Damit wären plötzlich auch hochbezahlte IT-Spezialisten, Ingenieure oder Vertriebsprofis betroffen – eine völlig neue Differenzierung im Arbeitsrecht.

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Strategie und erwarteter Widerstand

Die politische Taktik scheint durchdacht: Indem nur eine kleine, privilegierte Gruppe betroffen ist, soll ein breiter gesellschaftlicher Protest wie bei den Hartz-Reformen vermieden werden. Gleichzeitig sendet die CDU ein Signal an die Wirtschaft.

Doch der Weg zur Umsetzung ist steinig. Gewerkschaften laufen bereits Sturm und warnen vor einem Dammbruch. Auch in der SPD, die über die Bundesratsmehrheit entscheidenden Einfluss hat, ist erbitterter Widerstand zu erwarten. Ein schnelles Gesetz ist daher unwahrscheinlich.

Nächster Schritt: Der CDU-Parteitag

Die Debatte erreicht ihren nächsten Höhepunkt auf dem CDU-Bundesparteitag am 21. Februar 2026 in Stuttgart. Dort soll die Forderung in das Parteiprogramm aufgenommen werden. Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich und würde den Startschuss für das formelle Gesetzgebungsverfahren geben.

Bis dahin gilt unverändert das aktuelle Recht. Kündigungen bei Spitzenverdienern müssen weiterhin sozial gerechtfertigt sein – es sei denn, es handelt sich um leitende Angestellte im gesetzlichen Sinne. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der politische Wille für diese einschneidende Reform ausreicht.

@ boerse-global.de