CDU-Vorstoß will Teilzeit aus Lifestyle-Gründen erschweren
03.02.2026 - 18:51:12Die CDU-Wirtschaftsvereinigung MIT will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Ihr Vorschlag zielt auf die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ und entfacht eine Grundsatzdebatte über die Zukunft der Arbeit.
Was die Mittelstandsunion plant
Der Antrag für den nächsten CDU-Bundesparteitag sieht vor, dass der gesetzliche Teilzeitanspruch künftig nur noch für „besondere Gründe“ gelten soll. Dazu zählen Kindererziehung, Pflege oder Weiterbildung. Für alle anderen persönlichen Motive – pauschal als „Lifestyle-Teilzeit“ bezeichnet – soll es keinen Rechtsanspruch mehr geben. Die Begründung: Bei historisch hoher Teilzeitquote und akutem Fachkräftemangel müsse das Arbeitsvolumen steigen.
Experten halten Vorstoß für kontraproduktiv
Wirtschaftsforscher widersprechen der Grundannahme scharf. „Es gibt keine empirischen Belege, dass mehr Stunden automatisch mehr Produktivität bedeuten“, sagt Simon Werther, Professor für flexible Arbeitsformen. Im Gegenteil: Die Produktivität pro Stunde nehme oft ab. DIW-Chef Marcel Fratzscher warnt sogar vor einem Bumerang-Effekt: Eine Einschränkung könnte den Fachkräftemangel verschärfen, wenn Menschen dem Arbeitsmarkt ganz den Rücken kehren.
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„Lifestyle“-Label verkennt Realität
Kritiker attackieren den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ als realitätsfern. In vielen Fällen sei Teilzeit keine Komfort-, sondern eine Notlösung. Der Hauptgrund: nach wie vor unzureichende Betreuungsangebote für Kinder und pflegebedürftige Angehörige. Diese Last tragen überproportional oft Frauen. Eine gesetzliche Hürde würde diese strukturellen Probleme nicht lösen, sondern für viele Beschäftigte verschärfen.
Trend geht zur kürzeren Woche
Die Debatte kommt in einer paradoxen Zeit. Während die Politik über mehr Arbeitsstunden spricht, erproben Unternehmen erfolgreich das Gegenteil – die 4-Tage-Woche. Pilotprojekte zeigen: Bei vollem Lohnausgleich steigen oft Zufriedenheit, Gesundheit und sogar die Produktivität. Der Schlüssel liegt in effizienteren Abläufen und Fokus auf Ergebnisse, nicht auf Anwesenheit. Für Personaler sind flexible Modelle ein entscheidendes Argument im Kampf um Talente.
Was kommt nach der Debatte?
Ein pauschales Teilzeit-Verbot dürfte kaum Mehrheiten finden. Der Widerstand von Gewerkschaften, Opposition und Teilen der Union selbst ist zu groß. Stattdessen rückt eine andere Frage in den Vordergrund: Wie schafft man Rahmenbedingungen, die sowohl Flexibilität für Arbeitnehmer als auch Planbarkeit für Unternehmen bieten? Mögliche Antworten sind:
* Eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes
* Der massive Ausbau der Kinderbetreuung
* Gezielte steuerliche Anreize für mehr Arbeitsstunden
Für Unternehmen wird der Druck steigen, mit attraktiven und effizienten Arbeitsmodellen um Fachkräfte zu werben. Die reine Diskussion über Stundenzahlen greift dabei zu kurz.


