Canyon Bicycles plant Abbau von 320 Stellen
22.01.2026 - 00:22:12Der renommierte Fahrradhersteller Canyon Bicycles aus Koblenz steht vor einem tiefen Einschnitt. Das Unternehmen will bis zu 320 Stellen streichen – und trifft dabei erstmals auf einen starken Betriebsrat.
Betriebsrat und IG Metall fordern Sozialplan
Die Ankündigung des Stellenabbaus hat die erst kürzlich etablierten Strukturen der Mitbestimmung sofort aktiviert. Der im Jahr 2024 gegründete Betriebsrat hat gemeinsam mit der IG Metall die Aufnahme von Verhandlungen über einen Sozialplan erzwungen. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Mitarbeiter abzufedern. Die Gespräche mit der Geschäftsführung laufen bereits.
Für die deutsche Fahrradbranche ist dieser Konflikt ein Novum. Der Sektor war lange kaum durch Tarifverträge und formelle Mitbestimmung geprägt. „Wir nehmen die Pläne zur Kenntnis“, sagt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Ob ein Abbau in dieser Höhe wirklich nötig ist, stellen wir jedoch infrage.“ Die Gewerkschaft will die Unternehmenszahlen genau prüfen und nach Alternativen suchen.
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Konsolidierung nach dem Corona-Boom
Die Geschäftsführung begründet die drastischen Maßnahmen mit einer notwendigen Anpassung. Auf den beispiellosen Boom während der Pandemie folgte ein jäher Abschwung. Die Lager sind voll, die Preise fallen. Globale Konjunktursorgen, geopolitischer Druck und Handelszölle tun ihr Übriges.
Von den Kürzungen sind vor allem der Hauptstandort in Koblenz mit rund 1.200 Beschäftigten und ein kleinerer Standort in Amsterdam betroffen. Unternehmensgründer Roman Arnold nannte den Schritt „besonders schmerzhaft“, betonte aber die Notwendigkeit, die operative Schlagkraft zurückzugewinnen. Für Kunden soll es keine Service-Einschränkungen geben.
Ein Wendepunkt für die gesamte Branche?
Der Fall Canyon könnte Signalwirkung haben. Er zeigt den Druck, der auf der gesamten Industrie lastet. Viele Hersteller kämpfen mit Überbeständen und nachlassender Kaufkraft. Experten rechnen erst ab 2026 mit einer Normalisierung.
Gleichzeitig demonstriert die Situation den Wert der neuen Mitbestimmungsstrukturen. Canyon schloss 2025 einen ersten Haustarifvertrag ab, der seit Januar 2026 gilt. In der Krise bieten diese Instrumente den Beschäftigten nun entscheidenden Schutz. Steht die bisher unkonventionelle Fahrradbranche vor einer Professionalisierung ihrer Arbeitsbeziehungen?
Intensive Wochen der Verhandlung stehen bevor
Die kommende Zeit wird von harten Verhandlungen geprägt sein. Im Zentrum steht die Ausgestaltung des Sozialplans. Dieser kann Abfindungen, Qualifizierungsangebote oder die Einrichtung einer Transfergesellschaft umfassen.
Der Betriebsrat hat für nächste Woche eine Vollversammlung in Koblenz einberufen. Anschließend wollen die Arbeitnehmervertreter die Öffentlichkeit informieren. Der Ausgang wird nicht nur über das Schicksal hunderter Canyon-Mitarbeiter entscheiden. Er wird auch zeigen, wie robust die junge Mitbestimmung in der Fahrradindustrie in ihrer ersten großen Bewährungsprobe ist.
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