BSI-Portal, NIS2-Gesetz

BSI-Portal und NIS2-Gesetz: Haftung für Manager treibt Krisen-Trainings-Boom

11.01.2026 - 19:54:11

Neue BSI-Meldepflichten und verschärfte Gesetze machen Cyber-Krisenmanagement zur persönlichen Haftungsfrage für Geschäftsführer und treiben den Einsatz realistischer KI-Simulationen voran.

Ab Januar 2026 haften deutsche Vorstände persönlich für die Cyber-Resilienz ihres Unternehmens. Die Einführung des neuen BSI-Meldeportals und das voll wirksame NIS2-Umsetzungsgesetz verwandeln digitales Krisenmanagement von einer IT-Aufgabe in ein persönliches Haftungsrisiko für Führungskräfte. Die Folge ist ein massiver Schub hin zu hyperrealistischen, KI-gestützten Krisensimulationen.

Neue BSI-Pflichten: Vom Formular zur Vorstandshaftung

Die Rechtslage für Unternehmen hat sich fundamental geändert. Nachdem das NIS2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsG) im Dezember 2025 in Kraft trat, startete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in der ersten Januarwoche 2026 sein zentrales Melde- und Registrierungsportal. Dieses Portal ist mehr als eine Verwaltungsschnittstelle. Es ist das Vollzugsinstrument für rund 29.500 deutsche Unternehmen, die nun als „wichtig“ oder „besonders wichtig“ eingestuft werden – fast siebenmal so viele wie unter der alten Regelung.

Die entscheidende Neuerung für Führungskräfte steht im neuen § 38 BSIG. Geschäftsführungsorgane sind nun ausdrücklich verpflichtet, Risikomanagement-Maßnahmen zu genehmigen, zu überwachen und sich selbst regelmäßig schulen zu lassen. Juristen betonen: Wer in einer Krise nicht ausreichendes Wissen nachweisen kann, macht sich jetzt persönlich haftbar. Diese gesetzliche Vorgabe hat „szenariobasiertes Krisentraining“ für Vorstände schlagartig von einer freiwilligen Maßnahme zu einem zwingenden Baustein der juristischen Verteidigungsstrategie erhoben.

Die Ära des „Häkchensetzens“ bei Compliance-Schulungen ist vorbei. Mit der neuen Infrastruktur des BSI beginnt die aktive Aufsicht. Unternehmen müssen beweisen, dass ihre Widerstandsfähigkeit funktioniert – nicht nur auf dem Papier steht.

KI-Training statt Theorie: Der Aufstieg hyperrealer Simulationen

Unter diesem regulatorischen Druck verändert sich die Art der Krisenübungen radikal. Traditionelle Planspiele, oft statisch und vorhersehbar, werden durch dynamische, KI-gestützte Simulationen ersetzt. Sie testen Entscheidungsfindung unter realem Druck.

Aktuelle Cybersecurity-Prognosen für 2026 zeigen, warum dieser Wandel nötig ist. Demnach wird die „interne KI-Governance-Krise“ zu einer der größten Gefahren. Moderne Szenarien beinhalten regelmäßig Deepfake-Angriffe auf Krisenkommunikationskanäle – etwa die simulierte Stimme des CEOs, die während einer Ransomware-Verhandlung eine betrügerische Überweisung autorisiert.

Diese hyperrealen Übungen entsprechen auch den Vorgaben des Digital Operational Resilience Act (DORA), der am 17. Januar 2025 vollständig in Kraft trat. Für den Finanzsektor bedeutet 2026 den Umstieg auf fortgeschrittene „Threat-Led Penetration Testing“ (TLPT). Dabei simulieren Ethik-Hacker Live-Angriffe auf echte Systeme. Krisenstäbe müssen auf sich entfaltende echte Angriffe reagieren – nicht auf hypothetische Szenarien.

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Die gefährliche Lücke: Kommunikation in der Polykrise

Trotz der technologischen Fortschritte klafft eine gefährliche menschliche Lücke. Eine globale Studie vom 8. Januar 2026 des Unternehmens RiskComms zeigt eine besorgniserregende „Preparedness Gap“ unter Krisenkommunikatoren. Während KI-gestützte Desinformation und „Compound Crises“ – gleichzeitige Cyber- und Betriebsausfälle – zunehmen, fehlt den meisten Organisationen ein Protokoll für KI-generierte Reputationsangriffe.

Das unterstreicht die Notwendigkeit übergreifender Szenario-Trainings. Effektive digitale Resilienz 2026 erfordert, dass IT, Rechtsabteilung, Kommunikation und Vorstand gemeinsam üben. Eine gelungene Simulation könnte heute so aussehen: Das IT-Team bekämpft eine polymorphe Malware, während die Kommunikation gleichzeitig ein virales Deepfake-Video in sozialen Medien entkräften muss – und der Vorstand die rechtlichen Folgen einer Lösegeldzahlung unter den neuen NIS2-Meldepflichten abwägt.

Europäischer Trend: Von der passiven Abwehr zur „aktiven Resilienz“

Die Entwicklung in Deutschland ist Teil eines europäischen Trends hin zu „aktiver Resilienz“. Erst vor wenigen Tagen, am 6. Januar 2026, startete die britische Regierung ihren eigenen „Government Cyber Action Plan“ mit erheblicher Finanzierung. Diese synchronisierte Verschärfung der Standards in Europa macht deutlich: 2026 wird zum Jahr der Durchsetzung.

Marktbeobachter stellen fest, dass die „Resilience First“-Mentalität Unternehmensbudgets umformt. Die Ausgaben verlagern sich von rein präventiven Tools wie Firewalls hin zu Fähigkeiten für Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung. Die Logik ist einfach: Wenn ein Angriff unvermeidbar ist, hängt das Überleben des Unternehmens von Geschwindigkeit und Qualität der Reaktion ab. Das neue BSI-Portal ist die Datensammelstelle, die zeigen wird, welche Branchen diesen Wandel meistern – und welche zurückfallen.

Ausblick: Der Weg zur DORA-Überprüfung

Der nächste große Meilenstein steht am 17. Januar 2026 an. Dann will die EU-Kommission die verschärften Anforderungen unter DORA überprüfen. Diese Überprüfung wird wahrscheinlich beurteilen, ob die derzeitige Aufsicht über „kritische Drittanbieter“ (CTPP) ausreicht oder ausgeweitet werden muss. Das könnte noch mehr Technologieanbieter unter direkte Aufsicht stellen.

Für deutsche Unternehmen werden die kommenden Monate vom Wettlauf um die BSI-Registrierung und den Nachweis „ausreichender Schulungen“ für ihre Vorstände geprägt sein. Die Nachfrage nach zertifizierten Anbietern für Krisensimulationen, die juristisch verwertbare Kompetenznachweise liefern können, wird sprunghaft ansteigen. Bis Ende des ersten Quartals 2026 wird die erste Welle von „Resilience-Audits“ wohl den Präzedenzfall dafür setzen, wie streng die neuen persönlichen Haftungsklauseln durchgesetzt werden.

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