Britische, Finanzaufsicht

Britische Finanzaufsicht: Parlament warnt vor KI-Risiken

20.01.2026 - 08:43:12

Ein parlamentarischer Ausschuss warnt vor systemischen Risiken und Verbraucherschäden durch unzureichende KI-Regulierung im Finanzsektor und fordert proaktive Maßnahmen.

Einflussreicher Ausschuss kritisiert „Abwartehaltung“ der Behörden als gefährlich – Systemkrisen und Verbraucherschäden drohen.

Ein mächtiger parlamentarischer Ausschuss hat der britischen Finanzaufsicht eine gefährliche Passivität im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) vorgeworfen. In einem aktuellen Bericht warnt das Treasury Select Committee die Aufseher davor, mit ihrer „Abwarte-Strategie“ Verbraucher und das gesamte Finanzsystem „potenziell ernsthaft zu schädigen“. Die Bank of England, die Finanzmarktaufsicht FCA und das Schatzamt würden die Risiken der rasanten KI-Integration nicht angemessen managen.

Systemkrisen und Betrug: Die doppelte Gefahr

Der Untersuchungsbericht zeichnet ein düsteres Bild. Die Abgeordneten sehen eine doppelte Bedrohung: für die Stabilität des Systems und für den einzelnen Kunden. Eine zentrale Sorge sind KI-gesteuerte Handelsalgorithmen, die in Schocksituationen gleiche Entscheidungen treffen und so eine Finanzkrise auslösen könnten.

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Hinzu kommt eine gefährliche Abhängigkeit von wenigen US-Techkonzernen für KI- und Cloud-Dienste. Ein Ausfall hätte fatale Folgen. Auch die Cyberbedrohung wächst durch immer ausgefeiltere KI-Werkzeuge.

Auf Verbraucherebene kritisiert der Bericht mangelnde Transparenz und systematische Verzerrungen in KI-Modellen. Diese entscheiden oft über Kredite oder Versicherungsprämien und könnten vulnerable Gruppen ausschließen. Zudem verbreiten KI-Chatbots mitunter irreführende Finanzberatung, und Betrüger nutzen die Technologie für raffiniertere Angriffe.

Forderung: KI-Stresstests und klare Haftung

Als Konsequenz fordert das Komitee einen radikalen Kurswechsel der Aufseher – von reaktiv zu proaktiv. Kernforderung ist die Entwicklung spezieller KI-Stresstests durch Bank of England und FCA. Diese sollen die Widerstandsfähigkeit des Sectors gegen KI-bedingte Schocks prüfen, bevor es zu spät ist.

Bis Ende 2026 soll die FCA zudem klare Leitlinien vorlegen. Sie müssen regeln, wie bestehende Verbraucherschutzregeln auf KI anzuwenden sind. Vor allem muss die Haftungsfrage geklärt werden: Wer ist verantwortlich, wenn ein KI-System Schaden anrichtet – der Datenlieferant, der Entwickler oder die Bank, die es einsetzt?

Um das Konzentrationsrisiko bei Tech-Giganten einzudämmen, soll die Regierung kritische KI- und Cloud-Anbieter als „Kritische Drittparteien“ einstufen. Das gäbe Aufsichtsbehörden direkte Eingriffsbefugnisse.

Regulatorisches Vakuum trotz KI-Booms

Die scharfe Kritik trifft die Behörden in einer Phase rasanten Wandels. Über 75 Prozent der britischen Finanzfirmen nutzen KI bereits für Kernaufgaben – von der Verwaltung bis zur Kreditwürdigkeitsprüfung. Die Branche investiert massiv, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die FCA argumentiert bisher, ihr prinzipienbasiertes Regelwerk sei technologie-neutral und damit ausreichend. Der Ausschuss hält das für fahrlässig unzureichend. Die besonderen Herausforderungen von KI – wie die undurchsichtige Entscheidungsfindung („Black Box“) und ihr hohes Tempo – verlangten eine spezifischere Aufsicht. Ausschussvorsitzende Dame Meg Hillier sagte, sie habe kein Vertrauen, dass das Finanzsystem auf einen größeren KI-Vorfall vorbereitet sei.

Die Stellungnahme des Parlaments zwingt die Aufseher nun zum Handeln. Der weitere Weg erfordert einen schwieriger Balanceakt: Wie können die enormen Chancen der KI gefördert werden, ohne Stabilität und Verbraucherschutz aufs Spiel zu setzen? Die Antwort der Behörden wird branchenweit mit Spannung erwartet.

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