Breitband-Report, Glasfaser

Breitband-Report 2026: Glasfaser liegt, doch Deutschland zögert

05.01.2026 - 13:42:12

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland steckt in der entscheidenden Phase. Laut dem heute veröffentlichten Breitband Report 2026 geht es nicht mehr nur ums Verlegen, sondern darum, die Menschen auch ans Netz zu bringen. Die Diskrepanz zwischen verfügbarer und tatsächlich genutzter Glasfaser wird zum größten Bremsklotz.

Während der physische Ausbau der Netze Fahrt aufgenommen hat, klafft eine gewaltige Lücke zwischen „erschlossenen“ und „angeschlossenen“ Haushalten. Die Branche steht vor der zentralen Aufgabe, diese Anschlusslücke zu schließen und sich auf eine erwartete Marktkonsolidierung vorzubereiten. Der Fokus verschiebt sich von der Baustelle zur Kundengewinnung.

Die Kernaussage des Reports ist ein Phänomen, das Analysten als „Availability-Adoption Paradox“ bezeichnen: Die Verfügbarkeit wächst rasant, die Nutzung hängt hinterher. Millionen Haushalte haben zwar einen Glasfaseranschluss bis zum Keller, surfen aber weiterhin über ihr altes VDSL- oder Kabelnetz.

„Der entscheidende Schritt aus dem Keller in die Wohnung scheitert zu oft“, erklärt Ingo Hassa, Telekommunikationsexperte bei DSLWEB. Besonders in urbanen Mehrfamilienhäusern stellen komplexe Eigentumsverhältnisse und die Nachrüstung der Hausverkabelung hohe Hürden dar. Dazu kommt die Trägheit vieler Verbraucher, die ihre bestehende Verbindung für ausreichend halten.

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Für die Netzbetreiber wird der Druck größer: Sie müssen die teuren Investitionen refinanzieren. Die Umwandlung von „erschlossenen“ in zahlende Haushalte ist dafür essenziell.

Strategische Wende: Fokus auf den ländlichen Raum

Als Reaktion auf die Sättigung in den Städten vollzieht die Branche eine strategische Wende. Schwerpunkt des Ausbaus sind zunehmend ländliche und halbstädtische Regionen.

Die wirtschaftliche Logik dahinter ist einfach: In Regionen ohne konkurrierende Kabelnetze ist die „Anschlussbereitschaft naturgemäß höher. Dort können Betreiber ihre Investitionen schneller amortisieren. Die Deutsche Telekom bekräftigte ihre Ausbauziele und will 2026 rund 2,5 Millionen Haushalte anschließen – mit klarem Fokus außerhalb der Ballungszentren.

Gleichzeitig steht der deutsche Glasfasermarkt vor einer Welle der Konsolidierung. Über 300 aktive Netzbetreiber und Stadtwerke gelten auf Dauer als nicht überlebensfähig. Der Report prognostiziert für 2026 Fusionen und Übernahmen, da kleinere Anbieter unter steigenden Zinsen und Baukosten leiden. Das könnte den Markt bereinigen und technische Standards vereinheitlichen.

Gesetzliche Unterstützung: Die TKG-Novelle 2026

Die Bundesregierung will die bürokratischen Hürden mit einer geplanten Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) aus dem Weg räumen. Seit Sommer 2025 gilt der Glasfaserausbau bereits als „von überragendem öffentlichen Interesse“.

Die geplante Gesetzesänderung soll dieses Prinzip operationalisieren. Ziel ist es, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und die Macht einzelner Eigentümer oder Hausverwaltungen zu beschneiden, den Einbau in Mehrfamilienhäusern zu blockieren. Diese Regelung gilt als Schlüssel, um den urbanen Markt endlich zu erschließen und die letzten Meter bis in die Wohnung zu überbrücken.

Analyse: Der Countdown zum Kupferausstieg läuft

Die aktuellen Entwicklungen sind vor dem Hintergrund des absehbaren Kupferausstiegs zu sehen. Der Report projiziert, dass das alte Kupfernetz zwischen 2035 und 2040 vollständig abgeschaltet wird.

Diese Timeline verleiht der heutigen Strategie Dringlichkeit. Die Betreiber müssen jetzt genügend Dichte und Abdeckung schaffen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Der parallele Betrieb mehrerer Netze ist milliardenschwerer Unsinn. Die Steigerung der Glasfasernutzung 2026 dient also auch der Vorbereitung auf das Ende der kupferbasierten Technologie.

Die derzeitige Zurückhaltung der Verbraucher könnte temporär sein. Steigender Datenhunger durch immersives Video, Cloud-Gaming und Homeoffice werden die Grenzen von VDSL Vectoring bald offenbaren. Die Branche wird jedoch nicht auf organisches Wachstum warten, sondern mit Marketingoffensiven und aggressiven Preispaketen um Kunden werben.

Ausblick: Das Jahr der Operationalisierung

Für 2026 erwartet die Telekombranche ein Jahr der „Operationalisierung“. Der Erfolg der TKG-Novelle wird ein zentraler Indikator sein. Gelingt es, den bürokratischen Aufwand für Hausinstallationen zu reduzieren, könnten die Anschlussraten in Großstädten in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen.

Die erwartete Marktkonsolidierung könnte das Wettbewerbsumfeld neu ordnen. Für Verbraucher dürfte das mehr aggressive Wechselangebote bedeuten, während Anbieter um Marktanteile auf den neuen Netzen kämpfen. Der Breitband Report 2026 ist eine Realitätsprüfung: Die Faser liegt im Boden, doch der Aufbau einer echten Gigabit-Gesellschaft hat gerade erst begonnen. Die Herausforderung für 2026 lautet nicht mehr, Gräben zu ziehen, sondern Deutschland zum Einstecken zu bewegen.

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