Brandschutz-Revision, Crans-Montana

Brandschutz-Revision nach Crans-Montana unter Beschuss

04.01.2026 - 14:23:12

Die geplante Deregulierung der Schweizer Brandschutzvorschriften steht nach der Katastrophe in Crans-Montana massiv in der Kritik. Experten warnen vor Sicherheitsrisiken durch längere Fluchtwege und private Gutachten.

Die geplante Lockerung der Schweizer Brandschutzvorschriften gerät nach der Neujahrs-Katastrophe massiv in die Kritik. Das Unglück mit 40 Toten stellt den Kurs hin zu mehr Eigenverantwortung infrage.

Bern – Was als Modernisierung und Bürokratieabbau geplant war, steht plötzlich im Schatten einer Tragödie. Die Vernehmlassung für die Brandschutzvorschriften 2026 (BSV 2026) endet am 11. Januar. Doch der verheerende Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana am 1. Januar hat die Debatte auf den Kopf gestellt. Das Reformpaket, das auf mehr Flexibilität und private Gutachten setzt, wird nun als Sicherheitsrisiko attackiert.

Paradigmenwechsel: Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung

Der Entwurf der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) sieht einen radikalen Kurswechsel vor. Statt starrer Vorgaben soll ein risikoorientierter Ansatz mit schutzzielorientierten Lösungen treten. Geplant ist das Inkrafttreten 2027.

Anzeige

Passend zum Thema Brandschutz: Nach dem Unglück stellen sich grundlegende Fragen zur Risikobewertung und Haftung. Ein kostenloses E‑Book zur Gefährdungsbeurteilung im Brandschutz liefert vollständig bearbeitbare Excel‑Vorlagen, eine Risikomatrix und praxisnahe Checklisten – ideal für Brandschutzbeauftragte, Sifas und Verantwortliche in der Immobilienwirtschaft, die rechtssichere GBU erstellen müssen. Praxisnah aufbereitet und auf behördliche Anforderungen abgestimmt. Jetzt Brandschutz-GBU-Vorlagen herunterladen

Die konkreten Änderungen sind weitreichend:
* Fluchtwege dürfen von bisher 50 auf bis zu 100 Meter verlängert werden.
* Flure und Rettungswege sollen flexibler nutzbar sein, etwa für Möbel.
* Die Kontrolle soll von Behörden auf private Gutachter und die Eigenverantwortung der Gebäudeeigentümer verlagert werden.

Befürworter aus der Bau- und Immobilienbranche argumentieren mit Kostensenkung und Innovationsschub. Doch nach dem Feuer in Crans-Montana fragen Kritiker laut: Funktioniert dieses Prinzip in der Praxis – oder öffnet es Nachlässigkeiten Tür und Tor?

Crans-Montana: Der tragische Stresstest

Die Katastrophe im Walliser Nobelort wirkt wie ein schockierender Realitätscheck. Ersten Ermittlungen zufolge löste Pyrotechnik in geschlossenen Räumen einen Flashover aus, der sich rasend schnell ausbreitete. Medienberichte deuten an, dass Sicherheitsvorkehrungen möglicherweise missachtet wurden.

Genau hier setzt die schärfste Kritik an der BSV 2026 an. „Eigenverantwortung in einem gewinnorientierten Umfeld wird oft als Einladung zur Kosteneinsparung missverstanden“, warnen Sicherheitsexperten. Die grundsätzliche Frage lautet: Können private Gutachter die gleiche Unabhängigkeit und Durchsetzungskraft garantieren wie staatliche Feuerpolizeien? Der Ruf nach einem Stopp der Deregulierung wird lauter.

Experten warnen vor technischen Risiken

Neben der Grundsatzdebatte sorgen konkrete technische Neuerungen für Alarmstimmung bei Feuerwehrverbänden.

Die Verlängerung der Fluchtwege auf 100 Meter ist höchst umstritten. Bei einem schnell eskalierenden Brand wie in Crans-Montana entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Längere Wege kosten wertvolle Zeit.

Auch die flexiblere Möblierung von Fluchtbereichen stößt auf Widerstand. Was in der Planung als multifunktionale Begegnungszone gedacht ist, kann in der Panik einer Evakuierung zur tödlichen Falle werden.

Politische Folgen und Marktausblick

Die politischen Folgen des Unglücks sind noch nicht abzusehen. Der Druck auf die Entscheidungsträger, die Revision zu pausieren oder grundlegend zu überarbeiten, wächst stündlich. Aus der Politik kommen Forderungen nach einem „Stresstest“ für die geplanten Lockerungen.

Für die Immobilienwirtschaft im DACH-Raum steht viel auf dem Spiel. Bei einer Umsetzung der BSV 2026 würden sich Planungsprozesse grundlegend ändern. Private Brandschutzgutachter stünden vor neuen Geschäftsfeldern – aber auch vor einer deutlich höheren Haftung und Verantwortung.

Die verbleibenden Tage der Vernehmlassung bis zum 11. Januar dürften von einer Flotte kritischer Stellungnahmen geprägt sein. Aus einer technischen Reform ist eine gesellschaftliche Grundsatzdebatte geworden: Wo endet die notwendige Freiheit der Bauherren – und wo beginnt die unverzichtbare Schutzpflicht des Staates? Die Antwort darauf ist durch die Bilder aus Crans-Montana schmerzhaft aktuell geworden.

Anzeige

PS: Für Eigentümer, Verwaltungen und Brandschutzverantwortliche, die ihre Gebäude jetzt schnell und rechtssicher prüfen müssen: Eine kostenlose Risikomatrix und Checkliste zeigt, welche Punkte bei Fluchtwegen, Möblierung von Rettungswegen und Dokumentation durch Gutachter besonders wichtig sind. Sofort einsetzbare Vorlagen sparen Zeit und reduzieren Haftungsrisiken. Kostenlose Brandschutz-Checkliste & Risikomatrix sichern

@ boerse-global.de