Bitkom-Umfrage: 82 Prozent der Deutschen fordern schnelleren Digitalstaat
05.01.2026 - 21:44:12Eine überwältigende Mehrheit der Bürger verlangt von der Politik deutlich mehr Tempo bei der Digitalisierung von Behörden und Verwaltung. Die Unzufriedenheit wächst.
Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung hat die Geduld mit der schleppenden Digitalisierung der Verwaltung verloren. Eine neue Bitkom-Studie zeigt: 82 Prozent der Bürger fordern ein deutlich schnelleres Tempo – der Druck auf Politik und Behörden wächst massiv.
Digitale Frustration erreicht neuen Höhepunkt
Die am Montag veröffentlichte, repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom offenbart eine tiefe Unzufriedenheit. Die Kluft zwischen digitalen Alltagserlebnissen wie Online-Banking und den oft noch papierbasierten Behördengängen wird für die Menschen immer unerträglich. Für die allermeisten Wähler ist eine effiziente digitale Verwaltung längst keine Frage des Komforts mehr, sondern eine zentrale Erwartung.
Der Kernbefund ist eindeutig: Während die Bundesregierung die Digitalisierung immer wieder zur Priorität erklärt, kommen diese Ankündigungen bei den Bürgern nicht an. Die 82 Prozent, die ein schnelleres Tempo fordern, sind ein klarer Handlungsauftrag quer durch alle Altersgruppen. Die Menschen wollen den „digitalen Stillstand“ bei Kommunen und Bundesbehörden endlich überwunden sehen.
Besonders kritisch sehen die Befragten die Komplexität und mangelnde Verfügbarkeit essenzieller Online-Dienste. Ob Kfz-Anmeldung, Passverlängerung oder Ummeldung des Wohnsitzes – oft sind noch persönliche Termine oder Hybridverfahren mit Ausdrucken und Postweg nötig. Diese umständlichen Abläufe sind für viele Deutsche eine Hauptquelle des Ärgernisses, vor allem im Vergleich zu digital fortschrittlicheren Nachbarländern.
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Wirtschaft warnt vor „digitalem Failed State“
Die Studienergebnisse bestätigen scharfe Kritik aus der Wirtschaft. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst warnte bereits mehrfach, Deutschland riskiere im Bereich digitaler öffentlicher Dienstleistungen als „Failed State“ wahrgenommen zu werden. Die neuen Daten untermauern, dass der administrative Rückstand nicht nur ein Ärgernis für Bürger, sondern ein struktureller Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort ist.
Die Bürde der Bürokratie lastet besonders auf dem Mittelstand. Bereits Ende 2025 sahen fast 70 Prozent der deutschen KMU bürokratische Hürden als wesentliches Wachstumshemmnis. Ein „schlanker Staat“, der Genehmigungen, Lizenzen und Steuerangelegenheiten in digitalem Tempo bearbeiten kann, gilt als überlebenswichtig für die industrielle Spitzenposition.
Trotz des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und dessen Nachfolger OZG 2.0 bleibt die Umsetzung hundertfacher Verwaltungsdienstleistungen lückenhaft. Experten kritisieren vor allem fehlende einheitliche IT-Schnittstellen zwischen Bund, 16 Ländern und tausenden Kommunen. Diese Datensilos verhindern eine nahtlose Nutzererfahrung.
Deutschland fällt im EU-Vergleich zurück
Die Frustration wird durch den Blick über die Grenzen verstärkt. In Rankings wie dem eGovernment Monitor hinkt Deutschland digitalen Vorreitern wie Dänemark, Estland oder Österreich regelmäßig hinterher. Dort sind Prinzipien wie „Once-Only“ – der Staat fragt Daten nicht zweimal ab – und eine digitale Identität (eID) als universeller Schlüssel zu Behördenleistungen längst Standard.
In Deutschland dominiert dagegen oft redundante Dateneingabe und mangelnde Interoperabilität. Die Bitkom-Umfrage legt nahe, dass die Bürger diese internationalen Unterschiede sehr wohl kennen. Die Forderung nach mehr Tempo speist sich aus der Erkenntnis: Ein funktionierender Digitalstaat ist keine Zukunftsvision, sondern in weiten Teilen der EU bereits gelebte Realität.
Während Österreich beispielsweise eine umfassende digitale Brieftasche erfolgreich etabliert hat, kämpft Deutschland noch mit der flächendeckenden Akzeptanz der Online-Ausweisfunktion. Die Studie deutet an: Erst eine nützlichere und sichtbarere eID kann die öffentliche Nachfrage nach schnelleren Services erfüllen. Ohne sie bleibt die Vision einer vollständig digitalen Verwaltung in weiter Ferne.
Wege aus der Digitalisierungskrise: Mehr Einheitlichkeit wagen
Angesichts der Ergebnisse fordern Digitalexperten einen grundlegenden Kurswechsel. Die Forderung nach „schnelleren Services“ ist im Kern ein Ruf nach struktureller Reform. Es wächst der Rückhalt für die Idee, dem Bund mehr Kompetenzen zu geben, um verbindliche Standards für IT-Architektur und Nutzeroberflächen vorzugeben – notfalls auch gegen den Widerstand einzelner Länder und Kommunen.
Das Konzept eines starken, eigenständigen „Digitalministeriums“ mit Vetorecht gegen nicht-digitaltaugliche Gesetze bleibt im Gespräch. Befürworter argumentieren, nur so ließen sich die Mammutaufgaben der Staatsmodernisierung koordinieren. Die Bitkom-Daten stützen diese Sicht: Den Bürgern ist weniger wichtig, welche Verwaltungsebene eine Leistung erbringt. Entscheidend ist, dass sie schnell und zuverlässig funktioniert.
Der Druck auf die Ampel-Koalition, bis zur nächsten Bundestagswahl lieferbare Ergebnisse vorzulegen, wird weiter zunehmen. Die Digitalpolitik entwickelt sich zum wahlentscheidenden Thema. Die 82 Prozent sind ein unmissverständlicher Maßstab. Kann die Regierung nicht bald spürbare Fortschritte bei der Entbürokratisierung und der Einführung nutzerfreundlicher Online-Plattformen vorweisen, riskiert sie den Unmut einer digitalisierungshungrigen Wählerschaft.
Marktbeobachter rechnen in den kommenden Monaten mit einem neuen Schub für die Einführung von BundID-Konten und den Ausbau des „One-Stop-Shops“ für Unternehmensgründungen. Doch wie die Studie klarstellt: Ankündigungen allein genügen einer Bevölkerung nicht mehr, die seit Jahren auf den digitalen Durchbruch wartet. Die Botschaft von 82 Prozent der Deutschen ist eindeutig. Die Zeit des Planens ist vorbei. Jetzt muss geliefert werden.
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