Bitkom-Studie, Bürokratie

Bitkom-Studie: Bürokratie bremst deutsche FinTechs aus

16.01.2026 - 19:31:12

Eine neue Untersuchung zeigt, dass komplexe Regulierungen und langsame Genehmigungsverfahren das Wachstum von Finanztechnologie-Unternehmen in Deutschland behindern.

Deutschlands FinTech-Branche kämpft mit überbordender Bürokratie und einem schwerfälligen Regulierungsumfeld. Das zeigt eine neue Studie des Digitalverbands Bitkom, die diese Woche veröffentlicht wurde. Der Bericht „FinTechs als Innovationstreiber“ warnt: Obwohl Finanztechnologie-Unternehmen die Transformation des Finanzsektors vorantreiben, hemmen administrative Hürden ihr Wachstum und Innovationspotenzial erheblich.

Innovationsmotor im Leerlauf

Die Untersuchung, für die 40 in Deutschland aktive FinTech-Unternehmen befragt wurden, zeichnet ein kritisches Bild der Standortattraktivität. Komplexe Zulassungsverfahren, anspruchsvolle Compliance-Anforderungen und mangelnde regulatorische Agilität erschweren digitalen Finanzdienstleistern das Geschäft. Gerade jetzt, da der europäische FinTech-Markt in eine Phase der strategischen Neuausrichtung mit Fokus auf Effizienz und Künstliche Intelligenz (KI) eintritt, könnten diese Bremsklötze Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Der Verband fordert dringende Reformen, um Deutschlands Position als führenden FinTech-Standort zu sichern.

Regulierungslast erstickt Agilität

Ein zentrales Ergebnis: Die aktuellen regulatorischen Praktiken belasten FinTechs enorm. Die Unternehmen berichten, dass die Navigation durch Genehmigungsverfahren ein großes Hindernis darstellt. Die Branche durchlebt eine der anspruchsvollsten regulatorischen Transformationen der letzten Jahre. Maßgebliche EU-Regelwerke wie die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) und der Digital Operational Resilience Act (DORA) wurden 2025 vollständig umgesetzt.

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Ziel dieser Regularien ist ein harmonisierter und sicherer Markt. Die Studie legt jedoch nahe, dass die nationale Umsetzung erheblichen Compliance-Aufwand für Start-ups und etablierte digitale Player verursacht. Die strenge Aufsicht deutscher Behörden wie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) führt oft zu langwierigen und komplexen Prozessen für Markteintritt und Produkteinführungen. Das Problem: Die Rahmenwerke wurden nicht immer für agile, technologiegetriebene Geschäftsmodelle konzipiert, was zu Reibungsverlusten führt.

Wettbewerbsfähigkeit auf dem Prüfstand

Der Report stellt Deutschlands langfristige Attraktivität als FinTech-Hub infrage. Zwar ist Deutschland der zweitgrößte FinTech-Markt Europas und verzeichnete zuletzt wieder steigende Venture-Capital-Investitionen. Das bürokratische Umfeld wird jedoch als deutlicher Standortnachteil wahrgenommen.

Die Studie beleuchtet, wie Unternehmen den wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmen bewerten – besonders in Schlüsselbereichen wie Kapitalzugang und der Einführung von Zukunftstechnologien wie KI. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass eine risikoscheue und hoch strukturierte Geschäftskultur für disruptive Innovatoren herausfordernd sein kann. Die identifizierten Hürden, von langen Entscheidungsprozessen bis zu komplexen Berichtspflichten, bestätigen langjährige Kritik des Digitalverbands. Für eine Branche, die von Geschwindigkeit lebt, können solche Verzögerungen den Unterschied zwischen Markterfolg und dem Rückstand hinter internationale Konkurrenten bedeuten.

Appell für digitale Aufsicht und Modernisierung

Angesichts der Ergebnisse fordert die Bitkom-Studie implizit eine Modernisierung des deutschen Aufsichts- und Regulierungsansatzes. Sie plädiert für eine kooperativere und vorausschauendere Beziehung zwischen Innovatoren und Regulierern. Dazu gehören vereinfachte Verwaltungsverfahren und ein regulatorisches Umfeld, das mit dem Tempo des technologischen Wandels Schritt halten kann.

Deutschland hat mit dem Finanzmarktdigitalisierungsgesetz (FinmadiG) bereits Schritte unternommen, um nationale Gesetze an MiCA und DORA anzupassen. Die Studienergebnisse deuten jedoch an, dass die praktische Anwendung und die Aufsichtskultur den Bedürfnissen der Digitalwirtschaft noch hinterherhinken. Experten schlagen vor, regulatorische Sandboxes auszubauen. In diesen geschützten Räumen könnten FinTechs neue Produkte testen. Das EU-Pilotregime für verteilte Ledger-Technologie (DLT) dient hier als Vorbild, auch wenn die Nutzung bisher verhalten ist.

Altes Problem, neue Dringlichkeit

Die von Bitkom benannten Herausforderungen sind nicht neu, gewinnen aber an Dringlichkeit, während der digitale Finanzsektor reift. Der Branchentrend weg von „Wachstum um jeden Preis“ hin zu nachhaltigen, effizienten Geschäftsmodellen bedeutet: Regulatorische Reibung wirkt sich stärker auf Profitabilität und Skalierbarkeit aus. Die zunehmende Integration von KI in Finanzdienstleistungen verkompliziert die Lage zusätzlich. Unternehmen müssen bestehende Finanzvorschriften navigieren, ohne dass es einen spezifischen KI-Governance-Rahmen für den Sektor gibt.

Trotz aller Hürden hat sich das deutsche FinTech-Ökosystem als robust erwiesen. Die hohen Nutzungsraten digitaler Bank- und Finanzdienstleistungen in der Bevölkerung signalisieren einen starken Heimatmarkt. Die Bitkom-Studie ist jedoch eine klare Warnung: Dieses Potenzial lässt sich nur voll ausschöpfen, wenn die administrativen und regulatorischen Bremsen gelöst werden. Ohne konzertierte Anstrengungen zur Entbürokratisierung riskiert Deutschland, an andere europäische Standorte zu verlieren, die innovationsfreundlichere Umgebungen aggressiver fördern.

Ausblick: Der Weg zum agilen Finanzplatz

Die Veröffentlichung der Studie dürfte den Dialog zwischen FinTech-Branche und Politik intensivieren. Die entscheidende Frage ist, ob die Erkenntnisse in konkrete politische Maßnahmen zur Bürokratieabbau münden. Die kommenden Monate werden wichtig sein, während Politik und Wirtschaft die Folgen der neuen EU-Regularien verarbeiten.

Die Entwicklung von agentiver KI, die Aufgaben autonom ausführen kann, wird bis 2026 die Zahl der KI-gestützten Prozesse im Finanzsektor vervielfachen. Das rückt den regulatorischen Rahmen noch stärker in den Fokus. Damit Deutschland diese und andere technologische Wellen nutzen kann, muss es eine Aufsichtsumgebung schaffen, die sowohl robust als auch reaktionsschnell ist. Der Erfolg der deutschen Digitalfinanzstrategie wird letztlich davon abhängen, ob bürokratische Trägheit durch regulatorische Agilität ersetzt wird – und so ein Ökosystem entsteht, in dem Innovation gedeihen kann.

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