Bitkom-Prognose, Cloud

Bitkom-Prognose: KI und Cloud treiben deutsche Digitalwirtschaft auf Rekordkurs

23.01.2026 - 11:13:12

Die deutsche Digitalbranche wächst 2026 um 4,4 Prozent auf 245,1 Milliarden Euro. KI und Cloud Computing sind die Haupttreiber, doch im globalen Wettbewerb fällt Deutschland zurück.

Die deutsche Digitalwirtschaft trotzt der gesamtwirtschaftlichen Flaute und steuert 2026 auf einen Umsatzrekord von 245,1 Milliarden Euro zu. Künstliche Intelligenz und Cloud Computing sind die entscheidenden Wachstumstreiber, wie der Branchenverband Bitkom in Berlin mitteilte. Damit festigt der Sektor seine Position als größter industrieller Arbeitgeber Deutschlands – doch im globalen Wettbewerb hinkt das Land hinterher.

Berlin – Während die Konjunktur insgesamt stagniert, legt die digitale Wirtschaft kräftig zu: Der Markt für Informationstechnologie und Telekommunikation (IKT) wird 2026 voraussichtlich um 4,4 Prozent auf ein Rekordvolumen von 245,1 Milliarden Euro wachsen. Das gab Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst am Donnerstag bekannt. Die Digitalbranche entwickle sich zum „Stabilitätsanker“ in einer von schwacher Nachfrage und geopolitischen Spannungen geprägten Lage. Doch der Verband warnt: Deutschland fällt im globalen Vergleich zurück. Es brauche dringend politische Impulse, um die digitale Transformation zu beschleunigen.

KI und Cloud als Wachstumsmotoren

Der Aufschwung wird vor allem von der explosionsartigen Nachfrage nach Software und digitaler Infrastruktur getragen. Angeführt wird dieser Trend von Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud Computing. Das Software-Segment wächst laut Prognose am dynamischsten – um 10,2 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro.

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Dabei entwickelt sich Cloud-Software zur dominierenden Kraft. Allein Software für den Betrieb öffentlicher Clouds soll 2026 voraussichtlich 38,3 Milliarden Euro umsetzen, ein Plus von 16,4 Prozent. Deutscher Unternehmen verlagern ihre IT damit entschieden von lokalen Lösungen hin zu flexiblen Cloud-Architekturen.

Noch dynamischer ist der Markt für KI-Plattformen. Obwohl das Volumen absolut noch kleiner ist, erlebt der Sektor ein Hyperwachstum: Die Umsätze mit KI-Plattformen – den Basissystemen zur Entwicklung und zum Betrieb von KI-Anwendungen – sollen 2026 um 61 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro steigen. Nach einem ähnlichen Sprung 2025 zeigt dies: KI ist aus der Experimentierphase in den Kern der Geschäftsprozesse vorgedrungen.

„Cloud und KI verändern die Software- und Dienstleistungsmärkte fundamental und werden schnell zum Standard in allen Branchen“, so Wintergerst. Dieser Wandel spiegelt sich auch im IT-Services-Sektor wider, der um 3,5 Prozent auf 54,3 Milliarden Euro wachsen soll. Cloud-basierte Services machen davon bereits etwa zwei Drittel (35,7 Milliarden Euro) aus.

Infrastruktur-Hardware boomt, Geräte-Markt schrumpft

Die Prognose offenbart eine deutliche Verschiebung der Hardware-Ausgaben. Der gesamte IT-Hardware-Markt soll zwar um 3,9 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro zulegen, doch die Zusammensetzung ändert sich drastisch. Die Zeiten, in denen der Verkauf von Endgeräten dominierte, scheinen vorbei.

„Infrastructure-as-a-Service“ (IaaS) – also die Anmietung von Server-, Netzwerk- und Speicherkapazitäten – ist der wichtigste Wachstumstreiber in der Hardware. Dieser Bereich soll 2026 um 21,0 Prozent expandieren. Unternehmen setzen zunehmend auf gemietete Rechenleistung, um komplexe KI-Modelle zu betreiben und große Datenmengen zu verwalten. Die Nachfrage nach physischer Rechenzentrums-Infrastruktur schießt in die Höhe.

Gleichzeitig setzt sich der Abwärtstrend bei klassischer Unterhaltungselektronik fort (minus 3,2 Prozent). Auch Tablet-Verkäufe sollen um 3,5 Prozent zurückgehen. Professionelle Ausrüstung bleibt dagegen robust: Workstations (plus 5,1 Prozent) und mobile PCs (plus 4,5 Prozent) legen zu. Während Verbraucher ihre Geräte länger nutzen, investieren Unternehmen weiter in leistungsstarke Hardware für ihre Belegschaft.

Im Telekommunikationssektor fällt das Wachstum mit 1,2 Prozent auf 75,1 Milliarden Euro moderater aus. Das Geschäft mit Smartphones schrumpft leicht (minus 1,2 Prozent), doch die Investitionen in die Netzinfrastruktur sind robust (plus 4,6 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro). Die Netzbetreiber investieren kräftig in Glasfaser und 5G-Ausbau, um den Datentransport-Bedarf einer KI-getriebenen Wirtschaft zu decken.

Beschäftigung: Größter industrieller Arbeitgeber

Neben den Umsatzzahlen bleibt die Wirkung auf den Arbeitsmarkt beachtlich. Die Zahl der Beschäftigten im IKT-Sektor soll 2026 um 11.000 auf 1,36 Millionen steigen. Damit festigt der Digitalsektor seinen Status als größter industrieller Arbeitgeber Deutschlands – noch vor traditionellen Schwergewichten wie dem Maschinenbau, der Elektroindustrie oder der Automobilbranche.

Dennoch ist auch diese Branche nicht immun gegen den Fachkräftemangel. Bitkom verweist auf eine Lücke von über 100.000 unbesetzten IT-Stellen. Dieses strukturelle Defizit bremst das Wachstumspotenzial. Die prognostizierte Beschäftigungszunahme könnte deutlich höher ausfallen, wenn genug qualifizierte Spezialisten verfügbar wären.

Globaler Vergleich: Deutschland fällt zurück

Die Wachstumsrate von 4,4 Prozent ist angesichts der binnenwirtschaftlichen Lage respektabel, verblasst aber im internationalen Vergleich. Die globale IT- und Telekommunikationsbranche soll 2026 um 6,4 Prozent auf 5,7 Billionen Euro wachsen.

Die USA führen das Feld mit einem erwarteten Plus von 9,2 Prozent an und erweitern ihre Dominanz. China folgt mit 5,5 Prozent Wachstum. Selbst die Europäische Union (ohne Deutschland) dürfte mit 5,1 Prozent schneller wachsen. Auch Indien (4,9 Prozent) liegt vor der Bundesrepublik.

Beim Marktanteil dominiert die USA mit gewaltigen 41 Prozent der globalen IKT-Ausgaben. China kommt auf 11 Prozent – so viel wie die EU (ohne Deutschland) zusammen. Deutschland selbst hält lediglich einen globalen Marktanteil von 3,9 Prozent.

„Die Dynamik der Weltmärkte zeigt: Wachstum entsteht vor allem dort, wo in digitale Infrastruktur und neue Technologien investiert wird“, warnt Wintergerst. Für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas müssten die Investitionsbedingungen sofort verbessert werden.

2026: Das Jahr des digitalen Durchbruchs?

Angesichts der wachsenden Lücke zu den globalen Spitzenreitern fordert Bitkom zum Start des Jahres 2026 eine radikale Wende in der Digitalpolitik. Das Jahr müsse zum „Jahr des Durchbruchs“ werden.

Zu den zentralen Forderungen gehören eine drastische Bürokratieabbau und „Smart Regulation“ statt Überregulierung. Wintergerst betont: Das aktuelle Wachstum bei Umsatz und Beschäftigung könnte bei richtigen Rahmenbedingungen potenziell verdoppelt werden.

Konkrete politische Prioritäten sind:
* Schnellere Genehmigungsverfahren für digitale Infrastrukturprojekte wie Rechenzentren und Glasfasernetze.
* Die Einführung der Europäischen Digitalen Identitäts-Brieftasche (Eudi-Wallet) als Voraussetzung für sichere digitale Geschäftsprozesse.
* Eine angekündigte Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung, die Entlastungen bei den Energiepreisen für die energieintensive Digitalwirtschaft enthalten muss.
* Der entschlossene Aufbau einer digitalen Verwaltung, die Bürgern und Unternehmen effizient dient.

Digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit würden über die künftige wirtschaftliche Erfolg und politische Handlungsfähigkeit Deutschlands entscheiden, so der Verband.

Geschäftsklima: Zwischen Zuversicht und Skepsis

Trotz der optimistischen Umsatzprognose ist die Stimmung in der Branche durchwachsen. Der „Bitkom-ifo-Digitalindex“, der das Geschäftsklima misst, lag Ende 2025 bei minus 4,0 Punkten unter der Null-Linie. Während die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage leicht positiv (plus 1,7 Punkte) bewerten, sind die Erwartungen für die kommenden Monate pessimistisch (minus 9,4 Punkte).

Dennoch bleibt der Digitalsektor deutlich zuversichtlicher als die Gesamtwirtschaft. Der allgemeine ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland lag zuletzt bei minus 8,5 Punkten. Die IT-Branche übertrifft den breiten Markt also weiterhin.

Zum Start des Jahres 2026 steht die deutsche Digitalindustrie an einem Scheideweg. Sie ist ein starker Wachstums- und Beschäftigungsmotor, angetrieben von KI und Cloud. Doch sie muss die Herausforderung meistern, in einer lahme Binnenkonjunktur mit den Hyperwachstumsmärkten in den USA und Asien Schritt zu halten. Ob 2026 tatsächlich zum Jahr des „digitalen Durchbruchs“ wird, hängt nun davon ab, wie schnell die Politik die Forderungen der Branche in konkrete Maßnahmen umsetzt.

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