Betriebsratswahlen, Stresstest

Betriebsratswahlen 2026: Stresstest für die Mitbestimmung

09.01.2026 - 19:15:12

Die anstehenden Betriebsratswahlen finden ohne digitale Option statt, während ein Gerichtsurteil die Wählerschaft verändert und Gewerkschaften um junge Kandidaten werben.

Die heiße Phase für die Betriebsratswahlen 2026 hat begonnen. In wenigen Wochen startet die Wahlvorbereitung unter schwierigen Vorzeichen: Digitalisierung ausgebremst, Rechtslage komplex und ein Generationswechsel überfällig.

Politisches Patt stoppt digitale Wahl

Eine zentrale Hoffnung ist geplatzt. Die Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 werden analog bleiben. Der Gesetzentwurf für Online-Wahlen ist mit dem Ende der Ampel-Koalition gescheitert. Das Prinzip der Diskontinuität im Bundestag hat die geplante Testphase zu Fall gebracht.

Rechtsexperten warnen eindringlich vor Eigeninitiativen. Wahlvorstände, die in diesen Tagen ernannt werden, müssen strikt am Papierverfahren festhalten. Jeder Versuch, nicht autorisierte digitale Lösungen zu nutzen, könnte die gesamte Wahl anfechtbar machen. Für digital geprägte Unternehmen ist das ein herber Rückschlag.

Anzeige

Viele Wahlvorstände unterschätzen die juristischen Fallstricke bei Betriebsratswahlen — Fehler in Verfahren oder Wählerlisten können die gesamte Wahl anfechtbar machen. Der kostenlose Fahrplan zur Betriebsratswahl erklärt rechtssicher die nötigen Schritte von der Kandidatensuche über die Aufstellung bis zur korrekten Protokollierung. Inklusive Ablaufplänen, Praxis-Checklisten und Hinweisen für den Umgang mit Matrix-Strukturen und komplexen Organigrammen. Der Download ist kostenlos und steht sofort als PDF bereit. Jetzt kostenlosen Betriebsratswahl-Fahrplan herunterladen

Neue Wählerschaft durch Matrix-Urteil

Während die Technik auf der Stelle tritt, verändert ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) die Wählerschaft grundlegend. Die Entscheidung vom Mai 2025 zu Matrix-Strukturen steht jetzt im Fokus der Schulungen.

Das Gericht hat klargestellt: Beschäftigte, insbesondere Führungskräfte in Matrixorganisationen, können in mehreren Betrieben wahlberechtigt sein. Voraussetzung ist ihre funktionale Einbindung. Wahlvorstände müssen nun Organigramme akribisch prüfen, um diese „Matrix-Manager“ nicht versehentlich von den Listen auszuschließen.

Die Folge? Die Wählerschaft in großen, dezentralen Konzernen wird größer. Gewerkschaften müssen ihre Ansprache für diese cross-funktionalen Rollen neu justieren.

Gewerkschaften im Mobilisierungsmodus

Angesichts einer regelrechten Rentnerwelle in vielen Gremien starten die Gewerkschaften eine Offensive für den Nachwuchs.

IG Metall setzt auf aktive Ansprache. Statt des passiven Aufrufs hat die Metallergewerkschaft einen digitalen „Werkzeugkoffer“ veröffentlicht. Das Ziel: Amtsinhaber sollen gezielt potenzielle Nachfolger identifizieren und mentorieren. Die Botschaft ist klar. In Zeiten des Umbruchs braucht es ein starkes Mandat für den Arbeitsplatzschutz.

Parallel startet ver.di eine Ausbildungsoffensive. Die Schulungen für Wahlvorstände sind in Regionen wie Baden-Württemberg und Hamburg für Mitte Januar bereits ausgebucht. Ein Höhepunkt der Mobilisierung ist eine Veranstaltung am 19. Januar in Saarbrücken. Sie soll Kandidaten und Wahlhelfer für die spezifischen Herausforderungen des Dienstleistungssektors wappnen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bündelt die Aktionen unter dem Motto „Demokratie wählen“. Die Botschaft aus Sachsen: Diese Wahlen sind mehr als Betriebspolitik. Es geht um die Verteidigung der demokratischen Strukturen im Arbeitsleben selbst.

Wirtschaftliche Sorgen treiben die Agenda

Das Klima für die Kandidatensuche könnte schwieriger nicht sein. Trotz neuer Regeln wie dem Mindestlohn von 13,90 Euro bleibt die Jobunsicherheit das Top-Thema.

Die erfolgreiche Ansprache verspricht heute nicht mehr Bonus oder Benefits. Sie argumentiert mit „Schutz“ und „Gestaltung“. In von Stellenabbau betroffenen Branchen lautet das Argument: Nur wer im Gremium sitzt, hat bei Sozialplanverhandlungen ein Wort mitzureden.

Was jetzt auf die Wahlvorstände zukommt

In den kommenden Wochen finalisieren die Gremien Wählerlisten und Wahlvorschläge. Die logistische Last wird höher sein als erhofft. Ohne digitale Option muss alles in Handarbeit stimmen.

Experten prophezeien eine konfliktreiche Wahlphase. Der wirtschaftliche Druck wird Arbeitgeber veranlassen, jedes Verfahrensdetail genau zu prüfen. Für die Gewerkschaften entscheidet sich der Erfolg 2026 an zwei Fragen: Gelingt die Mobilisierung? Und schaffen sie den Sprung zu einer jungen Generation, die mit den komplexen Matrix-Strukturen moderner Arbeit umgehen kann?

Anzeige

PS: Organisieren Sie bald eine Betriebsratswahl? Dieser Gratis-Report liefert einen kompletten Fahrplan — von den rechtlichen Grundlagen über Ablaufvorlagen bis zum praktischen Online‑Wahl‑Cockpit, das Wahlvorstände Schritt für Schritt begleitet. Enthalten sind Musterformulare, Checklisten für Wählerlisten und praktische Tipps zur Vorbereitung von Schulungen und Informationsveranstaltungen. Perfekt für Betriebsräte, Wahlvorstände und Personaler, die die Wahl schnell, transparent und rechtssicher durchführen wollen. Kostenlosen Fahrplan zur Betriebsratswahl sichern

@ boerse-global.de