Betriebsräte, Hindernis

Betriebsräte: Vom Hindernis zum strategischen Partner im Fachkräftemangel

16.01.2026 - 20:44:12

Neue EU-Gesetze stärken die Mitbestimmung massiv. Betriebsräte werden zu entscheidenden Partnern im Kampf gegen den Fachkräftemangel und für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

Der akute Personalmangel macht Betriebsräte zu entscheidenden Partnern für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

Während heute, am 16. Januar 2026, die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst in die zweite Runde gehen, verdeutlicht die Lage eine tiefgreifende Krise: Der Fachkräftemangel gefährdet die Funktionsfähigkeit von Staat und Wirtschaft. Dieser Konflikt ist symptomatisch. Unternehmen stehen 2026 nicht nur vor demografischen Herausforderungen, sondern auch vor einem neuen rechtlichen Umfeld. Es stärkt die Mitbestimmung bei zentralen Personalthemen massiv. Die proaktive Einbindung des Betriebsrats wird so vom vermeintlichen Bremsklotz zum strategischen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Talente.

Neue Gesetze 2026: Mehr Macht für die Arbeitnehmervertretung

Das Jahr markiert einen Wendepunkt für die Mitbestimmung. Grund sind zwei EU-Richtlinien, die in deutsches Recht überführt werden müssen. Bis zum 7. Juni 2026 tritt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in Kraft. Sie verpflichtet Arbeitgeber zu mehr Offenheit bei Gehältern und gibt Beschäftigten erweiterte Auskunftsrechte. Für Betriebsräte wird dies zum machtvollen Instrument, um auf faire und diskriminierungsfreie Vergütungssysteme zu drängen – ein entscheidender Faktor für die Attraktivität als Arbeitgeber.

Eine weitere tiefgreifende Veränderung folgt am 2. August 2026 mit der Anwendbarkeit des EU-AI-Acts. Die Verordnung stuft KI-Systeme im Personalwesen – etwa zur Bewerberauswahl oder Leistungsbewertung – als „Hochrisikosysteme“ ein. Arbeitgeber müssen für solche Tools strenge Kontrollpflichten erfüllen. Das eröffnet Betriebsräten neue, weitreichende Mitbestimmungsrechte bei Einführung und Überwachung dieser Technologien. Sie können so Transparenz und Fairness algorithmischer Entscheidungen sicherstellen.

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Vom Krisenmanager zum Strategen: Das Potenzial des Betriebsrats

Der akute Mangel zwingt zum Umdenken: von reaktiver Feuerwehr hin zu vorausschauender Personalplanung. Genau hier liegen die verankerten Kernkompetenzen des Betriebsrats. Das Unterrichtungs- und Beratungsrecht bei der Personalplanung (§ 92 BetrVG) verpflichtet den Arbeitgeber, den Betriebsrat über aktuellen und zukünftigen Personalbedarf zu informieren.

In der Krise wird dieses Recht zum strategischen Werkzeug. Betriebsräte können darauf drängen, dass nicht nur kurzfristige Lücken gestopft, sondern langfristige Qualifizierungsbedarfe analysiert werden. Sie gestalten Weiterbildungsprogramme mit (§§ 96-98 BetrVG) und fördern so interne Karrierepfade. Die Einbeziehung der Arbeitnehmervertretung wird so zum Schlüsselfaktor für die Resilienz eines Unternehmens. Könnte die oft kritisierte Mitbestimmung also zum Retter in der Not werden?

Betriebsvereinbarungen: Der konkrete Hebel im “War for Talents”

Die praktische Umsetzung erfolgt oft über Betriebsvereinbarungen. Diese verbindlichen Verträge zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat schaffen verlässliche Rahmenbedingungen und erhöhen die Attraktivität des Unternehmens spürbar. Mögliche Regelungsbereiche sind vielfältig:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Der Abschied von starren Schichten hin zu individuellen Lösungen für eine bessere Work-Life-Balance.
  • Mobiles Arbeiten: Klare und faire Regelungen für Homeoffice und Arbeit von unterwegs.
  • Qualifizierung: Strukturierte Programme für lebenslanges Lernen und Höherqualifizierung.
  • Gesundheitsmanagement: Maßnahmen zur Förderung der physischen und psychischen Gesundheit, um Ausfälle zu reduzieren und die Bindung zu stärken.

Diese Instrumente ermöglichen es, gezielt auf die Bedürfnisse der Belegschaft einzugehen. In Zeiten des Mangels ist das keine Gefälligkeit, sondern pure Notwendigkeit.

Chance für einen Neuanfang: Die Betriebsratswahlen 2026

Die anstehenden Betriebsratswahlen im Frühjahr bieten eine Gelegenheit für einen Reset in der Zusammenarbeit. Arbeitgeber sind gut beraten, die Wahlen als Anlass zu nehmen, eine konstruktive Partnerschaft aufzubauen. Die neuen gesetzlichen Anforderungen zwingen ohnehin zu engerer Kooperation.

Die Gewerkschaften nutzen diesen Hebel bereits in den aktuellen Tarifrunden, um den Druck für bessere Bedingungen zu erhöhen. Unternehmen, die die Mitbestimmung frühzeitig in die strategische Personalplanung einbinden, können kostspielige Fluktuation vermeiden und die Weichen für nachhaltiges Wachstum stellen. Der Fokus verschiebt sich dabei von reinen Einstellungsfragen hin zur Gestaltung menschenzentrierter, fairer Arbeitswelten – auch im Zeitalter der KI.

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