Betriebsräte stabilisieren die mobile Arbeitswelt
01.02.2026 - 15:23:12Die deutsche Arbeitswelt wird durch Homeoffice nachhaltig verändert. Neue Analysen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigen nun: Betriebsräte sind dabei nicht nur Getriebene, sondern gestalten den Wandel aktiv mit und schaffen so Stabilität. Die am 1. Februar 2026 veröffentlichte Ausgabe der WSI-Mitteilungen belegt, wie die Mitbestimmung in der Krise lernte – und gestärkt daraus hervorgeht.
Stabilität durch Wandel: Die neue Rolle der Betriebsräte
Im Zentrum steht eine Studie der Forscher Daniel Bremm und Carsten Wirth. Sie untersuchten, wie Betriebsräte in der Metall- und Elektroindustrie – einem traditionell stark mitbestimmten Sektor – den dauerhaften Wechsel zu hybriden Arbeitsmodellen bewältigen.
Ihr Befund: Die Betriebsräte agieren als „lernende Akteure“. Sie mussten ihre Kommunikations- und Vertretungsstrategien grundlegend neu aufstellen. Die Forscher identifizieren einen Prozess der „Virtualisierung“. Zunächst passten die Gremien ihre Praxis an, um die dezentrale Belegschaft zu erreichen. Diese digitale Wende war entscheidend, um die Wirksamkeit der Mitbestimmung auch bei sinkender physischer Präsenz zu erhalten.
Zwei Wege, ein Ziel
Die Studie zeigt zwei unterschiedliche Muster auf, die sich etabliert haben. Einige Betriebsräte verfolgen einen präsenzorientierten Ansatz. Sie betonen die Bedeutung des physischen Arbeitsplatzes als zentralen Ort der Beziehungsarbeit.
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Andere haben sich zu „Vertretern der mobilen Beschäftigten“ entwickelt. Sie nutzen digitale Tools vollumfänglich, um auch jene Mitarbeiter zu vertreten, die selten das Betriebsgelände betreten. Trotz dieser unterschiedlichen Wege kommen die Autoren zu einem klaren Schluss: Beide Strategien erzeugen letztlich „Stabilität durch Wandel“. Sie sichern den Fortbestand der Institution Betriebsrat – selbst wenn die räumliche Organisation der Arbeit zerfällt.
Das „New Normal“ steht zur Disposition
Die Veröffentlichung dieser Erkenntnisse kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Viele Unternehmen überdenken gerade ihre Remote-Work-Politik. Die Redaktion des WSI-Hefts, geleitet von Eileen Peters und Corinna Harsch, beschreibt den aktuellen Moment als Weichenstellung zwischen einer vorübergehenden Störung und einem echten „New Normal“.
Eine ergänzende Analyse von Corinna Harsch, Marcel Knobloch und Lena Hipp unterstreicht dies. Ihre Feldexperimente zeigen: Die Forderung nach „Arbeit, wann und wo man will“ hat sich bei einem großen Teil der Belegschaft zu einer Kernforderung verfestigt. Starre Arbeitsort-Regeln werden zunehmend als Standortnachteil empfunden. Das erhöht den Druck auf Unternehmen, flexible Vereinbarungen beizubehalten – die oft erst durch Betriebsräte abgesichert werden.
Homeoffice und Gleichstellung: Eine ambivalente Bilanz
Die WSI-Analysen beleuchten auch die sozialen Folgen mobiler Arbeit, insbesondere für die Geschlechtergerechtigkeit. Eine Studie von Nadiya Kelle und Kolleginnen fragt: Ist Homeoffice eine Ressource für Beschäftigte mit Betreuungspflichten?
Die Antwort fällt komplex aus. Mobile Arbeit bietet zwar Flexibilität, birgt aber auch das Risiko, traditionelle Rollenbilder zu zementieren – wenn sie nicht durch klare Regeln gesteuert wird. Die Analyse betont die Notwendigkeit verbindlicher Betriebsvereinbarungen. Nur so lässt sich verhindern, dass mobiles Arbeiten in eine „Always-on“-Kultur mündet, die vor allem Menschen mit Sorgeverantwortung zusätzlich belastet.
Blaupause für die industriellen Beziehungen
Arbeitsmarktexperten sehen in den WSI-Ergebnissen eine Blaupause für die nächste Phase der deutschen Arbeitsbeziehungen. Das Konzept der „Stabilität durch Wandel“ widerlegt die Annahme, dass Remote Work zwangsläufig die Tarifmacht schwächt. Stattdessen zeigt die Forschung: Starke Mitbestimmungsstrukturen sind durchaus in der Lage, die Kluft zwischen Präsenz- und Remote-Beschäftigten zu überbrücken.
Für Arbeitgeber ist die Botschaft klar: Die erfolgreiche Umsetzung hybrider Modelle erfordert eine aktive Partnerschaft mit den Arbeitnehmervertretern. Die „Erste Welt der industriellen Beziehungen“ – also die hochorganisierten Kernsektoren – scheint diesen Übergang erfolgreich zu managen. Sie könnte zum Vorbild für andere Branchen werden.
Ausblick: Vom Notfallmodus zum Dauerrahmen
Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 wird sich der Fokus der Mitbestimmung voraussichtlich verschieben: weg von pandemiebedingten Notmaßnahmen, hin zu dauerhaften Regelwerken. Analysten erwarten, dass die „zwei Muster“ von Bremm und Wirth in hybriden Vertretungsmodellen konvergieren werden. Dabei erhalten digitale Rechte und physischer Zugang gleiches Gewicht in Betriebsvereinbarungen.
Die jüngste WSI-Publikation legt nahe: Das „New Normal“ ist kein statischer Endzustand, sondern ein fortlaufender Aushandlungsprozess. Da sich die Betriebsräte als anpassungsfähig erwiesen haben, scheint das deutsche Mitbestimmungsmodell gut aufgestellt zu sein, um die Zukunft der digitalen Arbeit mitzugestalten – vorausgesetzt, die rechtlichen und operativen Rahmenbedingungen entwickeln sich parallel zur technischen Realität weiter.
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