VerbÀnde fordern Nachbesserung
15.01.2026 - 08:32:18(Neu: Aussage Linnemann im ARD-Morgenmagazin ergÀnzt)
BERLIN (dpa-AFX) - Vor der ersten Beratung der geplanten BĂŒrgergeld-Reform im Bundestag fordern mehrere VerbĂ€nde und Gewerkschaften die Koalition zu Nachbesserungen auf. Die geplanten VerschĂ€rfungen brĂ€chten kaum Einsparungen und können Betroffene im schlimmsten Fall ihr Zuhause kosten, warnen die Wohlfahrts- und SozialverbĂ€nde sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).
Der Bundestag berĂ€t heute erstmals ĂŒber die ReformplĂ€ne. Vor dem ReichstagsgebĂ€ude wollen die VerbĂ€nde ihrer Kritik mit einem GroĂplakat Ausdruck verleihen. Mitte Dezember hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) auf den Weg gebracht. Die neue Grundsicherung soll mit etwas schĂ€rfere Regeln einhergehen als das heutige BĂŒrgergeld. So soll die Grundsicherung beispielsweise gestrichen werden, wenn Bezieher des staatlichen Gelds nicht erreichbar sind: Bei drei versĂ€umten Einladungen zu Terminen sollen Jobcenter die Ăberweisungen einstellen.
Die VerbĂ€nde und Gewerkschaften dagegen meinen: "100-Prozent-Sanktionen sollten unterbleiben. Haushalte mit Kindern, Menschen mit Behinderung und PflegebedĂŒrftigen sind besonders zu schĂŒtzen."
Vermittlung versus Qualifizierung
Die VerbĂ€nde fordern unter anderem auch, anders als geplant der Vermittlung zu einer Arbeitsstelle kĂŒnftig keinen verstĂ€rkten Vorrang vor Qualifizierung einzurĂ€umen. "Der Vermittlungsvorrang behindert Qualifizierung und nachhaltige Vermittlung in Arbeit", so die VerbĂ€nde.
Zu den beteiligte Organisationen zÀhlen unter anderem die AWO, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Mieterbund, die Diakonie, der ParitÀtische Gesamtverband, der Sozialverband Deutschland und der Sozialverband VdK.
GrĂŒne fordern HĂ€rtefallregeln
Kritik an den KoalitionsplĂ€nen kommt auch aus der Opposition. Die Linke-Sozialpolitikerin Cansin KöktĂŒrk sagte: "Wer heute die Grundsicherung verschĂ€rft, (...) verĂ€ndert das KrĂ€fteverhĂ€ltnis in der gesamten Gesellschaft, zugunsten von Profitinteressen und zulasten von WĂŒrde und SolidaritĂ€t." Die GrĂŒnen-Fraktionsvize Misbah Khan warnte: "Die BĂŒrgergeldreform der Bundesregierung droht zu einem Katalysator fĂŒr Kinderarmut zu verkommen." Es brauche klare HĂ€rtefallregelungen und Sanktionsfreiheit fĂŒr Familien mit minderjĂ€hrigen Kindern.
Linnemann: Es ist ein Gerechtigkeitsthema
CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann erlĂ€uterte die PlĂ€ne im ARD-"Morgenmagazin": "Man wird ja angesprochen von vielen Menschen, aber auch von Mitarbeitern in den Jobcentern, die sagen, es geht nicht mehr gerecht zu." Es sei ein Gerechtigkeitsthema "und wir wollen das System wieder gerecht machen, dass diejenigen, die Steuern zahlen, das GefĂŒhl haben, das Geld kommt auch bei denjenigen an, die wirklich Hilfe benötigen".

