BDA, Bürokratie-Monster

BDA warnt vor Bürokratie-Monster der EU-Lohntransparenz

03.01.2026 - 03:33:12

Deutsche Arbeitgeber kritisieren die anstehende EU-Lohntransparenzrichtlinie als massiven Verwaltungsaufwand und Gefahr für die Tarifautonomie, während Gewerkschaften sie als notwendiges Instrument für Lohngerechtigkeit verteidigen.

Die deutschen Arbeitgeber schlagen Alarm: Die EU-Lohntransparenzrichtlinie droht zum bürokratischen Albtraum zu werden. Mit nur noch sechs Monaten bis zur Umsetzungsfrist im Juni 2026 warnt der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeber (BDA) vor einem massiven Verwaltungsaufwand und einem Angriff auf die Tarifautonomie.

Angriff auf bewährtes Tarifsystem

Die Kritik des BDA zielt ins Herz des deutschen Arbeitsrechts. Verbandsgeschäftsführer Steffen Kampeter bezeichnete die anstehenden Regelungen diese Woche als potenzielles „Bürokratie-Monster“. Die eigentliche Gefahr sieht der Verband jedoch woanders: in der systematischen Unterwanderung der Tarifautonomie.

„Hier wird ein System infrage gestellt, das sich über Jahrzehnte bewährt hat“, so Kampeter. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen ab Juni 2026 zu detaillierten Berichten über geschlechtsspezifische Lohnunterschiede. Bei unerklärten Differenzen über fünf Prozent müssen sogar gemeinsame Lohnbewertungen durchgeführt werden. Für tarifgebundene Betriebe, in denen Entgelttabellen bereits zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt werden, bedeute dies doppelte Bürokratie und rechtliche Unsicherheit.

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Mittelstand vor enormer Herausforderung

Während Großkonzerne bereits Compliance-Strukturen aufbauen, treffen die neuen Regeln den deutschen Mittelstand besonders hart. Viele kleine und mittlere Unternehmen verfügen nicht über die digitale Infrastruktur, um die geforderten detaillierten Lohnberichte automatisiert zu erstellen.

Die Richtlinie verlangt eine geschlechtsneutrale Bewertung von Arbeitsplätzen – für viele Mittelständler bedeutet dies eine komplette Überarbeitung ihrer Entgeltstrukturen. Der BDA warnt: Ohne spürbare Erleichterungen für kleinere Firmen drohen Ressourcen von der Produktion in die Compliance abzuwandern. Ein hoher Preis für Betriebe, die bisher ohne aufwändige Jobbewertungssysteme ausgekommen sind.

Gewerkschaften fordern Transparenz als Werkzeug

Auf der anderen Seite des Konflikts steht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Die Gewerkschaften begrüßen die anstehende Transparenzpflicht als überfälliges Instrument gegen die Lohnlücke. In Deutschland beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap weiterhin rund 16 Prozent.

DGB-Vertreter betonten diese Woche, der administrative Aufwand sei ein notwendiger Preis für Lohngerechtigkeit. Sie werfen den Arbeitgeberverbänden vor, die bürokratischen Hürden bewusst zu übertreiben, um die Wirkung des Gesetzes zu verwässern. Transparenz sei der einzige Weg, um diskriminierende Lohnunterschiede sichtbar zu machen und zu beseitigen.

Entscheidende Wochen für nationale Umsetzung

Die kommenden Wochen werden entscheidend. Bis zur festen Deadline am 7. Juni 2026 muss der deutsche Gesetzgeber das Umsetzungsgesetz verabschieden. Eine bereits im Juli 2025 eingesetzte Kommission zur „bürokratiearmen Umsetzung“ steht unter Druck, die gegensätzlichen Positionen auszugleichen.

Der BDA drängt auf eine Minimalumsetzung ohne „Gold-Plating“ – also ohne nationale Verschärfungen über die EU-Vorgaben hinaus. Sollte die Bundesregierung eine strenge Auslegung wählen, stünde deutschen Unternehmen einer der größten Verwaltungsumbruche in der Lohnpolitik der letzten Jahrzehnte bevor. Die Personalabteilungen bereiten sich bereits auf einen Compliance-Ansturm im ersten Quartal 2026 vor, wenn Unternehmen ihre Entgeltstrukturen unter dem neuen rechtlichen Risiko überprüfen müssen.

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