Bayerische, Feuerkontrollen

Bayerische Feuerkontrollen: Flickenteppich nach Bürokratieabbau

16.01.2026 - 12:23:12

Ein aktueller Bericht warnt vor den Risiken gelockerter Brandschutzvorschriften in Bayern. Die Kontrollen sind nach einer Reform unübersichtlich, was die Sicherheit gefährdet und die Haftung auf Betriebe verlagert.

Die Deregulierung der Brandschutzvorschriften in Bayern hat zu einem unübersichtlichen Kontrollsystem geführt. Ein neuer Bericht warnt vor den Risiken – ausgelöst durch den Skiort-Brand in der Schweiz.

Die verheerende Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana wirft nun ein grelles Schlaglicht auf die Brandschutzvorschriften im Freistaat Bayern. Ein aktueller Bericht der Bayerischen Staatszeitung (BSZ) vom 16. Januar 2026 enthüllt: Seit einer Deregulierung im Vorjahr gleicht die Durchführung von Feuerbeschauen einem „Flickenteppich“. Die Kontrollen seien von Kommune zu Kommune höchst unterschiedlich, so das Fazit der Untersuchung.

Schweiz als tragischer Weckruf

Der Diskussion neuen Schwung verlieh das Feuer in Crans-Montana in der Silvesternacht 2025. 40 Menschen starben, als in einer Après-Ski-Bar ein Funkenregen eine hochexplosive Schaumstoff-Deckenverkleidung entzündete. Schweizer Ermittler fanden heraus: Der Betrieb war seit 2019 nicht mehr kontrolliert worden – obwohl es Vorschriften gab.

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Diese Erkenntnis schlug in Deutschland hohe Wellen. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die eigene Gesetzeslage, insbesondere in Bayern. Dort trat 2025 eine Reform in Kraft, die als Bürokratieabbau beworben wurde. Für kleinere Gastronomiebetriebe und Veranstaltungsorte wurden die verbindlichen Prüfintervalle gelockert.

Von der Pflicht zur Ermessensfrage

Kern der Kritik ist der Systemwechsel: Statt fester, präventiver Kontrollen gilt nun das Prinzip des „pflichtgemäßen Ermessens“. Die Kommunen entscheiden eigenständig, wann und wo sie inspizieren. Ein Ministeriumssprecher betonte diese Woche, Kontrollen fänden statt, „wenn konkrete Anhaltspunkte für gefährliche Zustände vorliegen“.

Sicherheitsexperten halten diese reaktive Haltung für fatal. Sie bedeute im Klartext: Es wird erst gehandelt, wenn sich jemand beschwert oder die Gefahr schon sichtbar ist. Der BSZ-Bericht legt nahe, dass viele finanzschwache Gemeinden Brandschutzkontrollen ohne zentrale Vorgabe hintanstellen – in manchen Regionen finden sie kaum noch statt.

Wer trägt das Risiko?

Für Unternehmen hat die Debatte handfeste Konsequenzen. Die Deregulierung mag Verwaltungsaufwand sparen, doch sie verlagert die Verantwortung. Betriebe sind in der Bringschuld, ihre Sicherheitsvorkehrungen selbst gewissenhaft zu überprüfen. Im Schadensfall könnte das Fehlen amtlicher Kontrollen die Beweispflicht für einwandfreie Zustände erschweren und die Haftungsrisiken erhöhen.

Auch Versicherungen könnten reagieren. Wenn der Staat seine Kontrollfunktion zurückfährt, verlangen sie möglicherweise eigene Gutachten oder erhöhen die Prämien. Die Kosten für Sicherheit würden so privatisiert.

Gefahr durch „Compliance-Drift“

Der Fall Crans-Montana unterstreicht ein grundsätzliches Problem: den „Compliance-Drift“. Ohne regelmäßige externe Prüfungen schleichen sich mit der Zeit Mängel ein. Notausgänge werden zugestellt, brennbare Dekorationen angebracht oder – wie in der Schweiz – nicht zugelassene Akustikmaterialien verbaut. Deutsche Bauvorschriften sind zwar streng, doch ohne Kontrolle bleiben Verstöße unentdeckt.

Politische Forderungen nach Kehrtwende

Der politische Druck wächst. Oppositionsparteien und Sicherheitsverbände fordern eine Überprüfung der bayerischen Lockerungen. Der Schutz von Menschenleben müsse über Bürokratieabbau stehen. Marktbeobachter rechnen mit einer teilweisen Rücknahme der Reform. Denkbar sind wieder verbindliche Intervalle für mehr Betriebstypen oder ein Hybridmodell mit zugelassenen Sachverständigen, die im Auftrag des Staates prüfen.

Für Facility-Manager und Sicherheitsverantwortliche gilt jetzt: Nicht auf seltene amtliche Kontrollen warten. Eigene Audits, die Dokumentation aller Sicherheitsmaßnahmen und klärende Gespräche mit der Versicherung sind essenziell. Die Tragödie in den Alpen zeigt: Die Kosten für Prävention sind nichts im Vergleich zum Preis der Nachlässigkeit.

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