Bauernverband, Höfesterben

Bauernverband warnt vor historischem Höfesterben

11.01.2026 - 18:25:12

Massiver Preisverfall bei Schweinefleisch und Getreide gefährdet die Existenz Tausender Betriebe. Der Tierwohl-Umbau droht ohne staatliche Finanzierung zu scheitern.

Die deutsche Landwirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Kurz vor der Grünen Woche schlägt der Deutsche Bauernverband (DBV) Alarm: Ein massiver Preisverfall und ungelöste Finanzierungsfragen drohen, Tausende Betriebe in den Ruin zu treiben.

Besonders dramatisch ist die Lage im Schweinesektor. Die Erzeugerpreise sind auf ein desaströses Niveau von rund 1,45 Euro pro Kilogramm gesunken – eine kostendeckende Produktion ist damit unmöglich. Auch im Ackerbau herrscht Katerstimmung: Die Erlöse für Getreide sind laut Verbandsangaben auf das Niveau der frühen 1980er Jahre gefallen, während die Kosten für Energie und Löhne explodiert sind.

Die zentralen Probleme im Überblick:
* Preisverfall: Schweinefleisch und Getreide bringen nicht mehr die Produktionskosten ein.
* Finanzierungslücke: Der Umbau zu mehr Tierwohl ist für viele Betriebe ohne staatliche Hilfe nicht zu stemmen.
* Proteste: Landwirte demonstrieren erneut gegen das Mercosur-Abkommen und überbordende Bürokratie.

Tierwohl-Umbau droht am Geld zu scheitern

Neben dem akuten Preisdruck blockiert eine weitere große Frage die Branche: die Zukunft der Tierhaltung. Der Bauernverband fordert eine verlässliche Finanzierung für den gesellschaftlich gewollten Stallumbau. „Frisches Geld“ müsse direkt bei den Landwirten ankommen, so DBV-Präsident Joachim Rukwied. Ohne Unterstützung seien die höheren Standards für die meisten Höfe schlicht nicht umsetzbar.

Die Politik steht unter Druck. Aus Berlin heißt es, dass sich auch Alois Rainer (CSU) im Bundesagrarministerium mit den Forderungen konfrontiert sieht. Die Landwirte verlangen Planungssicherheit: Bevor sie Millionen in neue Ställe investieren, wollen sie vereinfachte Vorschriften und ein garantiertes Budget. Die Diskussion um eine Tierwohlabgabe bleibt ein zentraler Streitpunkt.

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Neue Protestwelle rollt an

Der Unmut entlud sich bereits in der vergangenen Woche in neuen Demonstrationen. Anders als bei den großen Blockaden 2024 setzten Organisationen wie „Land schafft Verbindung“ diesmal verstärkt auf Dialog, um den Rückhalt in der Bevölkerung nicht zu verspielen.

Ein Haupttreiber der Proteste ist das geplante EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Die Bauern fürchten eine Flutung des Marktes mit Importen, die unter niedrigeren Standards produziert wurden. Das würde den Preisdruck weiter verschärfen. Zusätzlich klagt die Branche über eine überbordende Bürokratie, die immer mehr Arbeitskraft bindet.

Krise erfasst auch den Weinbau

Das Problem ist branchenübergreifend. Selbst der deutsche Weinbau meldet die größte Krise seit Jahrzehnten. Trotz einer qualitativ hervorragenden Ernte 2025 liegen die Fassweinpreise unter den Produktionskosten. Eine schwache Inlandsnachfrage und schwierige Exporte in die USA setzen die Winzer unter Druck. Verbände gehen davon aus, in naher Zukunft Rebflächen in erheblichem Umfang zu verlieren.

Analysten sehen ein strukturelles Problem: Die Wertschätzung für heimische Lebensmittel spiegelt sich nicht im Preis wider. Verbraucher greifen angesichts der Inflation oft zum günstigsten Angebot. Dieser Mechanismus setzt eine Abwärtsspirale in Gang, die die Vielfalt der Landwirtschaft bedroht.

Grüne Woche wird zur Konfliktzone

Mit Spannung wird nun der Auftakt der Grünen Woche erwartet. Die Messe wird in diesem Jahr mehr denn je zur Bühne für die anstehenden Konflikte. Beobachter rechnen mit deutlichen Worten der Verbandsspitzen in Richtung Bundesregierung.

Die kommenden Tage werden entscheidend sein: Kann die Politik konkrete Zusagen machen? Bleiben greifbare Ergebnisse aus, droht das Frühjahr 2026 von weiteren, möglicherweise heftigeren Protesten geprägt zu sein. Die Frage bleibt: Wer soll die gewünschte Qualität und Regionalität unserer Lebensmittel künftig noch produzieren?

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