BaFin, Aufsicht

BaFin setzt 2026 auf schärfere Aufsicht und einfachere Regeln

03.02.2026 - 19:47:12

Die Finanzaufsicht konzentriert sich auf sechs Kernrisiken und plant mit der MaRisk-Novelle mehr Flexibilität für Institute, vor allem für kleinere Banken.

Die deutsche Finanzaufsicht schärft den Blick für Risiken, lockert aber gleichzeitig das regulatorische Korsett für die Banken. Im Fokus stehen Marktturbulenzen und eine grundlegende Vereinfachung der Vorschriften.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verfolgt eine Doppelstrategie. Während sie ihre Kontrollen auf neu definierte Kernrisiken ausrichtet, plant sie spürbare Erleichterungen für die Institute. Herzstück ist eine überarbeitete Fassung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), die mehr Flexibilität verspricht.

Sechs zentrale Risiken im Fokus der Aufsicht

Mit ihrem Bericht „Risiken im Fokus 2026“ hat die BaFin die Prioritäten für das laufende Jahr gesetzt. Sie identifiziert sechs Hauptgefahren für die Finanzstabilität:

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  1. Signifikante Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten, angeheizt durch hohe Bewertungen im Tech-Sektor und geopolitische Spannungen.
  2. Risiken aus der Kreditvergabe von Schattenbanken an Institute.
  3. Die anhaltende Krise am Gewerbeimmobilienmarkt.

BaFin-Präsident Mark Branson warnt vor einer zunehmenden Belastungsprobe. Die Aufsicht will daher Institute mit hohen, riskanten Engagements identifizieren, die stark von den Finanzmärkten abhängen.

Entlastung durch die 9. MaRisk-Novelle

Parallel zur schärferen Beobachtung treibt die Behörde eine Vereinfachung der Regeln voran. Die noch für 2026 erwartete 9. MaRisk-Novelle soll die Vorschriften lesbarer und prinzipienorientierter machen.
Das Ziel: Schluss mit starrer „Checkbox-Compliance“. Banken erhalten mehr Spielraum, wie sie die regulatorischen Ziele erreichen. Sie müssen ihre Methoden jedoch stets nachvollziehbar begründen können. Neue EU-Vorgaben wie die Capital Requirements Directive VI (CRD VI) und der Digital Operational Resilience Act (DORA) sollen integriert oder klarer abgegrenzt werden.

Mehr Freiheit für kleinere Banken

Ein Kernversprechen der Reform ist mehr Proportionalität. Vor allem kleinere und weniger komplexe Institute sollen von weniger strengen Auflagen profitieren. Dieser Ansatz der „doppelten Proportionalität“ berücksichtigt künftig stärker die Größe und das Geschäftsmodell eines Instituts.

Doch Vorsicht: Es handelt sich nicht um einen Freifahrtschein. Die Angemessenheit der gewählten Maßnahmen muss jedes Institut sorgfältig dokumentieren. Der Fokus liegt künftig auf der Wesentlichkeit – nicht jedes Mini-Risiko muss bis ins Detail geregelt werden, solange die Kernrisiken im Griff sind.

Teil eines europäischen Trends zur Deregulierung

Die Pläne der BaFin sind kein deutscher Sonderweg. Sie spiegeln einen breiteren europäischen Trend wider. In mehreren EU-Staaten wächst der politische Wille, Bürokratie abzubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Deutsche und polnische Finanzminister sprachen sich jüngst dafür aus, das „Korsett der Regulierung“ abzulegen. Auch der aktualisierte deutsch-italienische Aktionsplan betont gesetzgeberische Selbstbeschränkung. Die BaFin-Maßnahmen sind somit Teil einer Bewegung, die Europas Wirtschaftskraft stärker auf Marktkräfte statt auf Regulierung setzen will.

Was bedeutet das für die Banken?

Für die Finanzbranche ergibt sich eine Gemengelage aus Herausforderung und Chance. Einerseits steht eine intensivere, datengestützte Aufsicht in den Risikoschwerpunkten bevor. Andererseits eröffnen die flexibleren MaRisk neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Institute sind gut beraten, ihre Compliance-Strukturen jetzt proaktiv zu überprüfen. Die neue Freiheit verlangt nach Verantwortung: Wer seine Entscheidungen nicht fundiert gegenüber der Aufsicht begründen kann, wird die Vorteile nicht nutzen können. Diese Fähigkeit wird zum Schlüsselfaktor für wettbewerbsfähige und compliant agierende Banken in Deutschland.

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