ASA unter Druck: Weniger Sicherheitsbeauftragte bei steigenden Berufskrankheiten
28.11.2025 - 11:29:12Die Bundesregierung lockert die Vorschriften für Sicherheitsbeauftragte – ausgerechnet jetzt, wo die Zahlen anerkannter Berufskrankheiten deutlich steigen. Für den Arbeitsschutzausschuss (ASA) bedeutet das: Aus der Pflichtveranstaltung wird plötzlich die letzte Verteidigungslinie gegen systemische Sicherheitsmängel.
Die Entscheidung des Bundeskabinetts, die Zahl der verpflichtenden Sicherheitsbeauftragten in Unternehmen zu reduzieren, sorgt für Aufruhr in der Branche. Besonders kleine und mittelständische Betriebe sollen entlastet werden – so die offizielle Begründung. Doch während die Regierung auf Bürokratieabbau setzt, schlagen Unfallversicherungen Alarm.
Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), warnt eindringlich: „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind ein hohes Gut, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.” Die Botschaft ist klar: Weniger dezentrale Kontrolle bedeutet mehr Verantwortung für den ASA.
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Die Brisanz der Situation zeigt sich in den aktuellen Zahlen. Am Mittwoch dieser Woche veröffentlichte die BG Verkehr ihren Unfallbericht 2024 – mit alarmierenden Erkenntnissen: Während klassische Arbeitsunfälle um rund 10 Prozent zurückgingen, explodieren die Fallzahlen bei anerkannten Berufskrankheiten.
Langzeitbelastungen durch körperliche Arbeit und Lärm entwickeln sich zum dominierenden Risikofaktor. Was bedeutet das konkret für die ASA-Sitzungen? Statt wie bisher über Stolperfallen zu diskutieren, müssen Ausschüsse jetzt strategisch umdenken:
Ergonomie-Checks müssen sowohl Produktionshallen als auch Büroarbeitsplätze erfassen. Lärmschutzmaßnahmen brauchen strengere Kontrollen, da Gehörschäden massiv zunehmen. Und das Prinzip „Reha vor Rente” muss aktiver in die Wiedereingliederung betroffener Mitarbeiter eingebunden werden.
„Der Wandel von akuten Unfällen zu chronischen Erkrankungen erfordert ein strategisches Umdenken in den ASA-Sitzungen”, analysieren Branchenexperten die neuen Daten. Doch kann ein vierteljährliches Gremium diesem Anspruch überhaupt gerecht werden?
Winter und Homeoffice: Doppelte Herausforderung
Als wäre die strategische Neuausrichtung nicht genug, drängen akute saisonale Risiken auf die Tagesordnung. Am Dienstag dieser Woche warnte die DGUV vor den Gefahren winterlicher Arbeitswege: „Sicher zur Arbeit bei Eis und Glätte” lautet die Kampagne.
ASAs müssen jetzt Zufahrtswege überprüfen, Streukonzepte kontrollieren und Beleuchtungssysteme checken. Wegeunfälle bleiben ein Haftungsrisiko, das Arbeitgeber teuer zu stehen kommen kann.
Parallel dazu identifizierte ein aktueller Gesundheitsreport „Sitzen zwischen Büro und Homeoffice” als unterschätzten Risikofaktor. Die hybride Arbeitswelt ist Ende 2025 Standard – doch sind die Gefährdungsbeurteilungen nachgezogen? Der ASA muss sicherstellen, dass auch heimische Arbeitsplätze ergonomischen Standards entsprechen.
Ein rechtliches Minenfeld: Aktuelle Urteile des Bundesarbeitsgerichts zur Arbeitszeiterfassung und Ausstattungspflicht machen das Thema zur Chefsache.
Der ASA als juristische Absicherung
Experten beobachten einen paradoxen Effekt der Deregulierung: Weniger Sicherheitsbeauftragte erhöhen das Haftungsrisiko der Geschäftsführung. Im Schadensfall sind die ASA-Protokolle das erste Dokument, das Staatsanwälte anfordern – um zu prüfen, ob die Lücke kompensiert wurde.
„Der ASA ist längst kein ‚Kaffeekränzchen’ mehr für Betriebsrat und Management”, erklärt Sicherheitsberater Marcus Weber. „Mit der Reduzierung der Sicherheitsbeauftragten wird der Ausschuss faktisch zur letzten Verteidigungslinie, bevor ein systemisches Sicherheitsversagen eintritt.”
Die im Frühjahr eingeführte Textform-Erleichterung, die digitale Übermittlung von Sicherheitsdokumenten erlaubt, hat zwar Verwaltungsabläufe verschlankt. Doch der Inhalt dieser digitalen Protokolle steht durch die steigenden Krankheitszahlen unter verschärfter Beobachtung.
Was Unternehmen jetzt erwarten sollten
Für Dezember und das erste Quartal 2026 zeichnet sich ab:
Umsetzungsleitfäden der DGUV werden in den nächsten vier bis sechs Wochen erwartet – mit konkreten Vorgaben zur Kompensation reduzierter Sicherheitsbeauftragter. Digitale Tools dürften verstärkt zum Einsatz kommen: KI-gestützte Risikobewertungssysteme, wie sie auf der A+A-Messe Anfang des Monats vorgestellt wurden, sollen die Personalknappheit abfedern.
Und Vorsicht: Verschärfte Kontrollen könnten Anfang 2026 folgen. Aufsichtsbehörden wollen sicherstellen, dass der Personalabbau nicht zu Lasten der Sicherheitsstandards geht.
Die Agenda für die ASA-Sitzung am heutigen Freitag ist also eindeutig: BG-Verkehr-Daten analysieren, Winterprotokolle aktivieren – und die neue Realität akzeptieren, dass aus der Routine-Sitzung plötzlich strategische Krisenprävention geworden ist.
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