Arthrose: Bewegung schlägt Operation
28.11.2025 - 06:53:12Aktualisierte S3-Leitlinie revolutioniert Gelenkbehandlung: Gezieltes Training ersetzt Schonung als Standardtherapie bei Arthrose und kann Operationen verzögern.
Die Behandlung von Gelenkschmerzen macht eine radikale Wende durch. Eine gestern veröffentlichte Expertenanalyse und die neue S3-Leitlinie stellen klar: Gezielte Belastung schützt den Knorpel besser als Ruhe und Schonung. Für Millionen Betroffene ändert sich damit die Therapie grundlegend.
Die Kernbotschaft lautet: Wer rastet, der rostet. Doch nicht jede Bewegung hilft gleich gut. Neue pharmakologische Erkenntnisse aus diesem Herbst zeigen zudem, welche Kombination aus Sport und Medikamenten wirklich wirkt.
S3-Leitlinie definiert neue Standards
Die aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) markiert einen Paradigmenwechsel. Experten sprechen von einer “Abkehr von der Reparaturmedizin hin zur Funktionsmedizin”.
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Früher entschieden Röntgenbilder über das Schicksal eines Gelenks. Heute steht die funktionelle Gesundheit im Fokus. Die Leitlinie empfiehlt strukturiertes Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining – noch bevor über Operationen nachgedacht wird.
Ein Schlüsselelement ist das GLA:D-Programm (Good Life with osteoArthritis in Denmark). Diese Kombination aus Patientenschulung und neuromuskulärem Training kann Operationen oft jahrelang hinauszögern. Der Grund: Nicht der Knorpelverlust allein verursacht den Schmerz, sondern die begleitende muskuläre Schwäche. Wer die Muskeln stärkt, entlastet das Gelenk mechanisch.
Wann schadet Bewegung, wann hilft sie?
Dr. Lea Verner, Primaria an der Klinik Kittsee, präzisierte gestern die praktischen Implikationen. Die entscheidende Frage: Arthrose oder akute Entzündung?
Bei Arthrose: Wärme lindert, Bewegung “schmiert” die Gelenke. Training ist hier essenziell.
Bei akuter Entzündung: Geschwollene, rote oder überwärmte Gelenke brauchen Kühlung und temporär weniger Belastung.
Die Sportarten-Hierarchie im Überblick:
* Schwimmen: Der Goldstandard. Stärkt die Muskulatur ohne Gewichtsbelastung
* Radfahren: Generell empfohlen, aber bei Wirbelsäulenproblemen problematisch
* Laufen: Der Untergrund entscheidet. Waldboden gut, harter Asphalt bei Kniearthrose oft kontraproduktiv
Metformin und das Ende der Hyaluron-Euphorie
Parallel sorgen neue Studienergebnisse für Aufsehen. Das Diabetes-Medikament Metformin könnte bei übergewichtigen Patienten nicht nur den Stoffwechsel regulieren, sondern auch strukturelle Gelenkveränderungen positiv beeinflussen. Dies könnte eine neue Ära der “metabolischen Arthrose-Therapie” einleiten.
Im Kontrast wächst die Skepsis gegenüber Hyaluronsäure-Injektionen. Aktuelle Analysen der OARSI (Osteoarthritis Research Society International) zeigen: In strengeren Studien waren die Spritzen weniger wirksam als bisher angenommen. Dies stärkt die Position der Bewegungstherapie als einzig wahre kausale Behandlung.
Warum dieser Wandel jetzt geschieht
Der Schwenk ist nicht nur medizinisch, sondern auch sozioökonomisch begründet. Mit einer alternden Bevölkerung steigen die Fallzahlen von Knie- und Hüftarthrose rasant. Das Gesundheitssystem kann den Anstieg künstlicher Gelenke kaum noch bewältigen.
Die neuen Leitlinien sind daher auch ein politisches Signal: Eigenverantwortung wird zum Therapiebaustein. Versicherungen fördern zunehmend Programme wie GLA:D oder digitale Gesundheitsanwendungen, die Patienten zum täglichen Training anleiten.
Brancheninsider warnen jedoch vor Überforderung. “Die Patienten müssen lernen, ihren Schmerz zu interpretieren. Ein Muskelkater nach dem Training ist gut, ein stechender Schmerz nicht.”
Was Betroffene jetzt tun sollten
Für 2026 wird erwartet, dass KI-gestützte Apps personalisierte Bewegungspläne zum Standard machen. Sensoren in Wearables könnten bald warnen, wenn das Gangbild unrund wird – noch bevor der Schmerz einsetzt.
Kurzfristig sollten Patienten ihre Winter-Routine überdenken. Statt bei nasskaltem Wetter auf dem Sofa zu verharren, ist der Gang ins Hallenbad oder zum gezielten Krafttraining die wissenschaftlich fundierteste Entscheidung für die Gelenke. Denn eines ist klar: Wer sich heute bewegt, spart sich morgen oft den Operationssaal.
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