Arm, Sparte

Arm gründet eigene Sparte für Roboter und autonome Maschinen

08.01.2026 - 00:14:12

Der Chipdesigner Arm bündelt seine Automobil- und Robotikaktivitäten in einer neuen Division, um zur Schlüsselarchitektur für die autonome Wirtschaft zu werden.

Der Chip-Designer Arm stellt sich neu auf, um den Boom autonomer Maschinen zu bedienen. Auf der Technikmesse CES 2026 in Las Vegas gab das britische Unternehmen die Gründung einer eigenen „Physical AI“-Division bekannt. Die neue Sparte bündelt das bestehende Automobilgeschäft mit den wachsenden Robotik-Aktivitäten. Ziel ist es, zur zentralen Architektur für die nächste Generation humanoider Roboter und Industrieautomation zu werden.

Strategische Neuausrichtung für das autonome Zeitalter

Die Unternehmensstruktur wird damit in drei Hauptgeschäftsbereiche gegliedelt: Cloud und KI, Edge (für mobile Geräte und PCs) und die neue Physical AI-Einheit. Diese Reorganisation spiegelt die Erkenntnis wider, dass die technologischen Anforderungen für autonome Fahrzeuge und hochentwickelte Roboter immer stärker konvergieren.

„Ob selbstfahrendes Auto oder humanoider Fabrikarbeiter – der zugrundeliegende Chip muss Höchstleistung bei minimalem Energieverbrauch und absoluter Zuverlässigkeit bringen“, erklärte Arm-Chefmarketingofficer Ami Badani. Genau diese identischen Hürden hätten zur Entscheidung geführt, Automotive und Robotik zusammenzulegen. Die neue Division unter der Leitung von Drew Henry soll spezielle Computerplattformen entwickeln, die den hohen Echtzeit-Anforderungen von Maschinen in der physischen Welt gerecht werden.

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KI zum Anfassen: Der Unterschied zwischen Denken und Handeln

Mit der Gründung verfolgt Arm die Vision von CEO Rene Haas, das Unternehmen in höherwertige Märkte zu führen. Haas unterscheidet konsequent zwischen „virtueller KI“ – wie großen Sprachmodellen in Rechenzentren – und „physischer KI“. Letztere muss direkt auf dem Gerät arbeiten, um in Millisekunden Entscheidungen in der realen Welt treffen zu können.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Während KI in Rechenzentren enorme Mengen an Strom verbrauchen darf, müssen autonome Agenten wie Lieferdrohnen oder Lagerroboter extrem energieeffizient arbeiten. Indem Arm diese Sparte formalisiert, positioniert es sich als Fundamentarchitektur für die kommende „autonome Wirtschaft“ – ähnlich, wie es zum Standard für das Smartphone-Zeitalter wurde.

Die Timing der Ankündigung auf der CES ist kein Zufall. Die Messe wird in diesem Jahr von Robotik-Demonstrationen dominiert, von Maschinen für komplexe Montagearbeiten bis hin zu Haushaltsrobotern. Arm-Technologie steckt bereits in vielen dieser Innovationen. Die dedizierte Division soll nun fokussiertere Produktstrategien und tiefere Partnerschaften mit Hardware-Herstellern ermöglichen.

Partnerschaften und Marktchancen

Die neue Einheit baut auf den wachsenden Partnerschaften von Arm in der Robotik- und Automobilbranche auf. Erst Ende letzten Jahres festigte das Unternehmen seine Position im Markt für autonomes Fahren durch eine Zusammenarbeit mit Herstellern wie Rivian. Auch die Partnerschaft mit Robotik-Pionieren wie Boston Dynamics unterstreicht die praktische Anwendung der Arm-Architektur.

Der CEO von Boston Dynamics, Robert Playter, räumte auf der CES zwar den aktuellen „Hype“ um humanoide Roboter ein, betonte aber, dass sich kommerziell einsetzbare Modelle bereits in der Umsetzung befänden. Genau diesen Übergang von experimentellen Prototypen zu serienreifen, autonomen Maschinenflotten hat Arm als Marktchance ins Visier genommen.

Die Finanzmärkte reagierten verhalten positiv auf die Neuausrichtung. Die Arm-Aktie drehte am Mittwoch frühere Verluste und schloss mit einem Plus von 0,3%. Analysten sehen langfristig ein erhebliches Wachstumspotenzial, auch wenn die Umsatzwirkung nur allmählich spürbar werden dürfte.

Produktivitätsschub durch physische KI

Langfristig soll die Physical AI-Division eine fundamentale Steigerung der Arbeitsproduktivität ermöglichen. Indem Roboter repetitive oder gefährliche physische Aufgaben sicher und effizient übernehmen, könnte neuer wirtschaftlicher Wert geschaffen werden.

Der Weg dorthin ist jedoch mit Herausforderungen gepflastert. Die Integration komplexer KI-Modelle in Hardware erfordert die Lösung schwieriger Latenz- und Sicherheitsprobleme. Während ein Chatbot Sekunden für eine Antwort brauchen darf, muss ein Roboter, der einen fallenden Gegenstand fängt, in Millisekunden reagieren. Arm setzt darauf, dass seine spezialisierte, über Jahrzehnte verfeinerte Low-Power-Architektur die beste Ausgangsposition bietet, um diese Paradoxa zu lösen.

Für 2026 erwartet die Branche eine neue Klasse von „System-on-Chip“-Designs, die speziell für die Robotik maßgeschneidert sind. Sie werden verbesserte neuronale Prozessoren und spezielle Sicherheitszonen enthalten, die katastrophale Ausfälle verhindern sollen. Mit dieser strategischen Neuausrichtung macht Arm klar: Die nächste große Grenze für Chip-Technologie liegt nicht nur in der Cloud, sondern in den Maschinen, die unter uns laufen und rollen.

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