Aristo, Pharma

Aristo Pharma: Einigung nach Streiks sichert Sozialplan für Berliner Standort

26.01.2026 - 15:00:12

Nach monatelangem Arbeitskampf gibt es eine Lösung für die 250 betroffenen Mitarbeiter. Eine betriebliche Einigungsstelle hat den Weg für einen Sozialplan geebnet und die Schließung der Produktionsstandorte sozial abgefedert.

Die Einigung beendet einen Konflikt, der im Sommer 2025 mit der Schließungsankündigung begann. Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung der Aristo-Tochter Advance Pharma waren festgefahren, was die IGBCE zu Warnstreiks veranlasste. Erst die Zwischenschaltung der Einigungsstelle, einem gesetzlichen Schlichtungsgremium, brachte letzten Freitag den Durchbruch.

Der Weg dahin war steinig. Nach der strategischen Entscheidung zur Standortschließung verhandelten die Parteien über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Als keine Annäherung gelang, erklärten beide Seiten die Gespräche für gescheitert. Das deutsche Arbeitsrecht sieht in einem solchen Fall die Einberufung einer Einigungsstelle vor. Dieses paritätisch besetzte Gremium mit neutralem Vorsitzenden kann einen verbindlichen Spruch fällen – was im Fall von Advance Pharma nun nicht nötig war, da eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde.

Anzeige

Passend zum Thema Sozialplan – Betriebsräte stehen bei Schließungen unter Druck, das Beste für Beschäftigte herauszuholen. Unser kostenloser PDF‑Leitfaden erklärt Punkteschemata zur Sozialauswahl, Verhandlungs‑Taktiken für den Interessenausgleich und geprüfte Musterformulierungen, mit denen Sie faire Abfindungen und Transfermaßnahmen durchsetzen. Enthalten sind Checklisten, Praxisbeispiele und sofort einsetzbare Muster‑Vorlagen für Verhandlungen mit der Geschäftsführung. Ideal für Betriebsräte und Schwerbehindertenvertretungen, die ihre Verhandlungsposition stärken wollen. Jetzt Sozialplan-Leitfaden kostenlos herunterladen

Was der Sozialplan für die Mitarbeiter bedeutet

Die genaue Dotierung des Sozialplans bleibt vertraulich. Ein Unternehmenssprecher bestätigte lediglich eine „einvernehmliche Lösung“. Typischerweise umfassen solche Pläne Abfindungszahlungen, die sich nach Betriebszugehörigkeit und Alter staffeln. Ein zentrales Element ist häufig die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Diese bietet gekündigten Mitarbeitern für bis zu ein Jahr Qualifizierung, Coaching und Unterstützung bei der Jobsuche.

Die IGBCE hatte klare Forderungen gestellt. „Niemand darf ins Bergfreie fallen“, betonte Verhandlungsführerin Birgit Grunow. Auch wenn die Schließung selbst nicht mehr zu verhindern war, sei ein sozialverträglicher Ausgleich das Mindeste. Die Einigung stellt nun sicher, dass die Stilllegung geordnet und im gesetzlichen Rahmen abläuft.

Hintergrund: Der Restrukturierungsdruck in der Pharmabranche

Der Fall Aristo ist kein Einzelfall. Gerade Generika-Hersteller stehen unter massivem Kostendruck. Steigende Produktionskosten, regulatorische Hürden und intensiver Wettbewerb zwingen zu Standortanpassungen. In diesem Umfeld werden Instrumente wie der Sozialplan und die betriebliche Mitbestimmung zum entscheidenden Puffer für die Belegschaft.

Die gesetzliche Pflicht zur Verhandlung – und notfalls zur Schlichtung – stellt sicher, dass wirtschaftliche Interessen gegen soziale Belange abgewogen werden. Die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts gibt dabei den Rahmen vor: Sozialpläne müssen für das Unternehmen wirtschaftlich vertretbar sein und dürfen es nicht in die Illiquidität treiben.

Nächste Schritte: Geordneter Übergang in neue Jobs

Mit der Einigung sind weitere Streikmaßnahmen vom Tisch. Die Geschäftsführung erhält Planungssicherheit für die Abwicklung. Für die 250 Mitarbeiter beginnt nun die Phase der Neuorientierung. Die vereinbarten Maßnahmen, voraussichtlich inklusive einer Transfergesellschaft, sollen den Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse erleichtern.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell die hochqualifizierten Fachkräfte wieder Fuß fassen. Der Fall unterstreicht eine deutsche Besonderheit: die Funktion der Sozialpartnerschaft und gesetzlicher Schlichtung bei der Bewältigung des industriellen Wandels.

Anzeige

PS: Drohen betriebsbedingte Kündigungen? Vermeiden Sie teure Fehler bei Sozialauswahl und Interessenausgleich. Dieses kostenlose E‑Book zeigt Schritt für Schritt, wie Sie ein nachvollziehbares Punkteschema erstellen, Nachteilsausgleiche verhandeln und Transfergesellschaften sinnvoll gestalten. Mit konkreten Verhandlungstipps, einem Muster‑Punkteschema und Formularen – sofort einsetzbar in Verhandlungen mit Geschäftsführung und Einigungsstelle. Kostenloses Sozialplan- und Interessenausgleichs‑E‑Book herunterladen

@ boerse-global.de