Arbeitszeitgesetz, Tag

Arbeitszeitgesetz: Woche statt Tag als neue Obergrenze?

28.01.2026 - 08:53:12

Die Debatte um eine Reform des Arbeitszeitgesetzes dreht sich um die Ablösung der täglichen durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Während Wirtschaftsverbände mehr Flexibilität fordern, warnen Gewerkschaften vor Gesundheitsrisiken.

Die Debatte um eine Reform des Arbeitszeitgesetzes spitzt sich zu. Im Kern geht es um einen Paradigmenwechsel: Die starre tägliche Höchstarbeitszeit soll durch eine flexible wöchentliche Obergrenze ersetzt werden. Wirtschaftsverbände und Teile der Politik erhoffen sich mehr Modernität, Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsrisiken. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht.

Flexibilisierung als Kernforderung

Aktuell erlaubt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) maximal acht Stunden Arbeit pro Tag. Bis zu zehn Stunden sind nur möglich, wenn ein Ausgleich innerhalb von sechs Monaten erfolgt. Befürworter einer Reform – darunter FDP und CDU/CSU – halten diese Regelung für überholt.

Ihr Ziel: Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden, wie sie die EU-Richtlinie vorsieht. Das würde flexiblere Modelle ermöglichen, etwa längere Arbeit an vier Tagen für einen freien Tag. Entsprechende Gesetzentwürfe von FDP und Unionsfraktion scheiterten bisher im Bundestag.

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Gewerkschaften schlagen Alarm

Während Liberale und Union die Reform als Antwort auf die digitale Arbeitswelt sehen, zeigen sich SPD und Grüne zurückhaltend. Die größte Kritik kommt von den Gewerkschaften.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor Gesundheitsgefahren durch längere Tage. DGB-Chefin Yasmin Fahimi argumentiert, dass Flexibilität oft an starren betrieblichen Abläufen scheitert, nicht am Gesetz. Eine Umfrage des DGB zeigt zudem einen großen Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung.

Zeiterfassung als Grundvoraussetzung

Ohne sie geht nichts: die systematische Erfassung der Arbeitszeit. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) und das Bundesarbeitsgericht (BAG) haben diese Pflicht für Arbeitgeber bereits bestätigt.

Ein Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums sieht eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung vor. Sie ist die entscheidende Voraussetzung, um flexible Modelle wie die Wochenarbeitszeit überhaupt kontrollieren zu können.

Zwischen Flexibilität und Schutz

Die Debatte spiegelt einen Grundkonflikt wider: Soll die individuelle Freiheit oder der kollektive Gesundheitsschutz im Vordergrund stehen?

Befürworter betonen die gestiegene Selbstbestimmung durch mobiles Arbeiten. Kritiker fürchten eine Aushöhlung von Arbeitnehmerrechten und mehr Druck. Eine Forsa-Umfrage zeigt: 74 Prozent der Bevölkerung wollen die Arbeitszeit weiter gesetzlich geregelt sehen.

Wann kommt die Wende?

Der Weg zu einer Reform ist lang. Die Positionen in der Koalition sind unterschiedlich, der Widerstand der Gewerkschaften groß. Ein Kompromiss vor der nächsten Bundestagswahl erscheint ungewiss.

Bis dahin gilt das alte Gesetz. Die Einführung der Zeiterfassungspflicht stellt Unternehmen jedoch bereits jetzt vor neue Aufgaben. Die Frage bleibt: Findet Deutschland eine neue Balance zwischen Flexibilität und Schutz?

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