Arbeitszeitgesetz, Regierung

Arbeitszeitgesetz: Regierung plant Flexibilisierung – Gewerkschaften drohen mit Streik

01.02.2026 - 17:25:12

Die Bundesregierung will starre Tagesgrenzen für die Arbeitszeit lockern und stößt damit auf massiven Widerstand der Gewerkschaften, die den Gesundheitsschutz gefährdet sehen.

Die Bundesregierung will die tägliche Höchstarbeitszeit lockern und stößt damit auf massiven Widerstand. Während die Wirtschaft die Pläne als Modernisierung feiert, sehen Gewerkschaften den Gesundheitsschutz in Gefahr. Die Reform droht zur Zerreißprobe für die Koalition zu werden.

Hintergrund ist die Nationale Tourismusstrategie der Regierung. Sie will kleinen und mittleren Unternehmen mehr Flexibilität geben, um auf Auftragsschwankungen zu reagieren. Kern der Reform: Statt der starren täglichen Acht-Stunden-Grenze soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit treten. Das könnte längere Arbeitstage ermöglichen, die durch freie Tage ausgeglichen werden.

Wirtschaft fordert längst überfällige Anpassung

Für Arbeitgeberverbände kommt die Initiative zur rechten Zeit. Eine Allianz aus 29 Verbänden, darunter das Bäckerhandwerk, pocht seit Langem auf mehr Flexibilität. „Starre Tagesgrenzen passen nicht mehr zur Realität moderner Baustellen“, argumentiert Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Auf entfernten Baustellen profitierten alle, wenn die Arbeit auf vier Tage gebündelt werde. Die Tourismus- und Gastrobranche erhofft sich ebenfalls erhebliche Erleichterungen.

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Verdi-Chef warnt vor „Freibrief zur Ausbeutung“

Die Gewerkschaften stellen sich geschlossen gegen die Pläne und kündigen harten Widerstand an. Verdi-Bundesvorsitzender Frank Werneke spricht von einem gesetzlichen „Freibrief“ für Arbeitgeber. „Das Letzte wird aus schon überlasteten Beschäftigten herausgepresst, ohne Rücksicht auf die Gesundheit“, warnt er. Auch IG BAU-Chef Robert Feiger verteidigt den Acht-Stunden-Tag als Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betont: Das Arbeitszeitgesetz sei ein Schutzgesetz und keine Verhandlungsmasse.

Koalition am Scheideweg

Die Reform birgt politischen Zündstoff. Zwar stammt der Impuls aus dem Wirtschaftsministerium, doch die Gesetzeskompetenz liegt beim Arbeitsministerium. Die Positionen der Sozialpartner könnten die Koalition sprengen. Im Koalitionsvertrag von 2025 ist die Flexibilisierung zwar angelegt – aber nur im Dialog mit Gewerkschaften und Arbeitgebern und unter Wahrung des Gesundheitsschutzes. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie gibt mit einer wöchentlichen Obergrenze von 48 Stunden lediglich den Rahmen vor.

Weitere Konflikte am Arbeitsrecht-Horizont

Die Debatte ist nicht isoliert zu sehen. Parallel steht noch die gesetzliche Umsetzung der EU-Vorgabe zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung aus. Zudem sorgt ein CDU-Vorstoß, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, für weiteren Unmut. Die Regierung will das Gesetz noch in diesem Jahr beschließen. Angesichts der Drohungen der Gewerkschaften zeichnet sich jedoch ein erbitterter Streit ab, der die deutsche Arbeitswelt nachhaltig verändern wird.

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