Arbeitszeiterfassung, NRW

Arbeitszeiterfassung: NRW plant Präsenzpflicht für Lehrer

24.01.2026 - 15:33:12

Nordrhein-Westfalens Vorstoß zu umfassender Anwesenheitspflicht für Lehrer, auch in Ferien, löst Kontroverse aus, während Bremen einen digitalen Pilotversuch startet.

Die Debatte um die Arbeitszeiterfassung an Schulen eskaliert: Nordrhein-Westfalen denkt über eine radikale Präsenzpflicht für Lehrer bis in die Ferien nach.

Berlin/Düsseldorf – Der Streit um die Arbeitszeiterfassung an deutschen Schulen erreicht eine neue Eskalationsstufe. Während das Bundesland Bremen einen digitalen Pilotstart vorbereitet, sorgt ein kontroverser Vorstoß aus Nordrhein-Westfalen für Aufruhr. Schulministerin Dorothee Feller brachte umfassende Präsenzpflichten ins Spiel – eine fundamentale Kehrtwende für den Lehrerberuf.

Die Diskussion hat sich damit grundlegend gewandelt. Es geht nicht mehr darum, ob die Zeit erfasst wird, sondern wie – und welchen Preis Lehrer für mehr Transparenz zahlen sollen. Droht der Verlust der flexiblen Vertrauensarbeitszeit?

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NRW: Radikalvorschlag sorgt für Empörung

In einem Interview am 20. Januar zündete NRW-Schulministerin Dorothee Feller eine politische Bombe. Sie kündigte an, dass die präzise Zeiterfassung mit umfangreichen neuen Anwesenheitspflichten einhergehen könnte. Konkret: Lehrer müssten ihre gesamte Arbeitswoche auf dem Schulgelände verbringen.

Am umstrittensten ist der Hinweis, dass diese Pflicht potenziell auch in die Schulferien hineinreichen könnte. Damit würde das traditionelle Modell infrage gestellt, das Lehrkräften erlaubt, Klausuren zu Hause zu korrigieren und Unterricht vorzubereiten.

Bildungsexperten deuten den Vorstoß als strategisches Manöver. Gewerkschaften fordern seit Jahren eine Erfassung, um unbezahlte Überstunden sichtbar zu machen. Das Ministerium kontert nun scheinbar mit einem Tauschgeschäft: dokumentierte Stunden gegen den flexiblen Arbeitsort.

Doch die Pläne stoßen auf massive praktische Hürden. Die meisten Schulen verfügen schlicht nicht über die Infrastruktur – ruhige Einzelbüros oder ausreichend Arbeitsplätze –, um das gesamte Kollegium gleichzeitig unterzubringen.

Bremen setzt auf digitale Pilotlösung

Während in NRW noch theoretische Modelle diskutiert werden, geht Bremen in die konkrete Umsetzung. Das Bundesland startet zum Schuljahr 2026/2027 im August einen digitalen Pilotversuch.

Es ist der erste bundesweite Testfall für die Umsetzung des Grundsatzurteils des Bundesarbeitsgerichts (BAG) von 2022 in Schulen. Bis Juli werden die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen finalisiert. Ab August erfassen teilnehmende Lehrer ihre Arbeitszeit dann per App auf Tablets.

Die Ergebnisse des Pilotprojekts werden mit Spannung erwartet. Sie sollen erstmals verlässliche Daten liefern – nicht nur über die Unterrichtszeit, sondern auch über die „unsichtbare“ Arbeit wie Elterngespräche, Verwaltung und Vorbereitung.

Gewerkschaften: Infrastruktur-Lücke als Kardinalproblem

Die Drohung mit einer Präsenzpflicht legt ein fundamentales Problem offen: Deutschlands Schulen sind keine Büros. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnen seit langem vor dieser Infrastruktur-Lücke.

Ohne dedizierte Arbeitsplätze würde eine Anwesenheitspflicht Lehrer in überfüllte Kollegiumsräume zwingen. Konzentriertes Korrigieren oder vertrauliche Telefonate wären kaum möglich. Der VBE rechnet vor: Die Umrüstung der Schulgebäude würde Milliardeninvestitionen erfordern, die in den Landeshaushalten nicht vorgesehen sind.

Die Gewerkschaften sehen in der Debatte um die Präsenzpflicht vor allem eine Ablenkung vom Kernproblem: der chronischen Überlastung des Lehrpersonals. Eigentliches Ziel der Arbeitszeiterfassung müsse der Gesundheitsschutz durch begrenzte Arbeitszeiten sein, nicht die Einführung starrer Anwesenheitsregeln.

Ausblick: Rechtsstreit und Pilotdaten entscheiden

Das aktuelle Chaos hat seine Wurzeln im BAG-Urteil von 2022. Es verpflichtet alle Arbeitgeber zu einem „objektiven, verlässlichen und zugänglichen“ System zur Arbeitszeiterfassung. Während die Industrie vergleichsweise schnell reagierte, tut sich der Bildungssektor mit der Umsetzung schwer.

Die Bundesregierung hat eine spezifische Regelung für den öffentlichen Dienst und Schulen bislang nicht vorgelegt. Die Länder agieren daher auf eigene Faust.

Der weitere Verlauf 2026 wird vom Konflikt zwischen Ministerien und Gewerkschaften geprägt sein. Sollte NRW die Präsenzpflicht tatsächlich einführen, sind juristische Auseinandersetzungen über die „Zumutbarkeit“ der Arbeitsbedingungen wahrscheinlich. Gleichzeitig könnten die Daten aus Bremen endlich empirische Klarheit in die alte Streitfrage bringen: Wie viele Stunden arbeiten Deutschlands Lehrer wirklich?

Bis eine einheitliche Lösung gefunden ist, stecken die Lehrkräfte in der Zwickmühle – zwischen dem Wunsch nach Transparenz und der Angst, die Flexibilität zu verlieren, die den Beruf lange ausgezeichnet hat.

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