Arbeitszeiterfassung, Zeitbombe

Arbeitszeiterfassung: Die tickende Zeitbombe im Homeoffice

27.01.2026 - 05:32:12

Deutsche Unternehmen stehen in der Pflicht, die Arbeitszeit auch im Homeoffice und bei Auslandsaufenthalten zu erfassen. Die Umsetzung ist durch Datenschutz und Mitbestimmung komplex.

Deutsche Unternehmen müssen dringend handeln, um die rechtssichere Erfassung mobiler Arbeit zu gewährleisten.

Die Debatte um die verpflichtende Arbeitszeiterfassung in Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Während der Gesetzgeber weiter an einer konkreten Neufassung des Arbeitszeitgesetzes arbeitet, besteht die grundsätzliche Pflicht zur systematischen Erfassung bereits jetzt. Diese Verpflichtung, basierend auf Urteilen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts, stellt Firmen mit hohem Homeoffice-Anteil vor immense Herausforderungen. Die bisherige Grauzone schließt sich – und der Trend zur Arbeit aus dem Ausland, sogenannte „Workations“, verschärft die Lage zusätzlich.

Gesetzliche Pflicht trifft auf unklare Umsetzung

Die Kernbotschaft der Gerichte ist eindeutig: Arbeitgeber in der EU müssen ein objektives, verlässliches System zur Dokumentation der täglichen Arbeitszeit einführen. Doch während diese Pflicht gilt, lässt das novellierte Gesetz zur genauen Ausgestaltung weiter auf sich warten. Ein Referentenentwurf sieht eine elektronische, tagesaktuelle Aufzeichnung vor, doch die finale Fassung ist noch in der politischen Abstimmung.

Anzeige

Passend zum Thema Arbeitszeiterfassung: Arbeitgeber stehen wegen der BAG- und EuGH-Entscheidungen unter massivem Handlungsdruck. Das kostenlose E‑Book „Arbeitszeiterfassung“ bietet praxisnahe Schritt‑für‑Schritt-Anleitungen, rechtssichere Mustervorlagen für Stundenzettel sowie Hinweise zur Umsetzung im Homeoffice und bei Workations – damit Sie Bußgelder und Rechtsstreit vermeiden. Zusätzlich finden Sie klare Erläuterungen zu Pausen‑ und Ruhezeiten sowie Vorlagen für Betriebsvereinbarungen, die sofort einsetzbar sind. Jetzt kostenlosen Arbeitszeit-Guide herunterladen

Diese Hängepartie schafft erhebliche Rechtsunsicherheit. Die Pflicht besteht, aber wie sie im Homeoffice konkret umgesetzt werden soll, bleibt vage. Das betrifft alle Beschäftigten – von Vollzeitkräften bis zu Minijobbern. Die Verantwortung trägt stets der Arbeitgeber, auch wenn die Aufzeichnung an die Mitarbeiter delegiert wird. Eine gefährliche Grauzone für viele Unternehmen.

Datenschutz und Mitbestimmung als Stolpersteine

Die Einführung digitaler Zeiterfassungssysteme birgt erhebliche datenschutzrechtliche Risiken. Die Software muss DSGVO-konform sein, darf also nur notwendigste Daten erfassen und erfordert transparente Information der Belegschaft. Jegliche Überwachung, die über die reine Zeiterfassung hinausgeht, ist streng reglementiert.

Ein weiterer kritischer Punkt sind die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats. Bei der Einführung technischer Einrichtungen zur Überwachung von Verhalten oder Leistung hat dieser ein zwingendes Mitbestimmungsrecht. Die Ausgestaltung solcher Systeme muss daher oft in einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden – ein Prozess, der frühzeitig angestoßen werden muss.

„Workation“: Wenn das Homeoffice Grenzen überschreitet

Der Trend, aus dem Ausland zu arbeiten, potenziert die Compliance-Risiken enorm. Wird diese Tätigkeit über Landesgrenzen hinweg ausgeübt, kommen komplexe Fragen des internationalen Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrechts auf.

Unternehmen müssen für jeden Einzelfall prüfen: Welches Recht ist anwendbar? Wo sind Steuern und Sozialabgaben fällig? Die EU-Verordnung 883/2004 legt fest, dass die Sozialversicherungspflicht primär vom tatsächlichen Arbeitsort abhängt. Ohne klare Richtlinien und Prozesse riskieren Arbeitgeber hier erhebliche Nachzahlungen und Bußgelder.

Ausblick: Proaktives Handeln ist unumgänglich

Ein reaktives Abwarten ist für Unternehmen keine sinnvolle Strategie mehr. Der politische und rechtliche Druck wird weiter zunehmen. Die bestehende Pflicht macht Firmen angreifbar für Klagen und behördliche Prüfungen.

Experten raten dringend, bestehende Verträge und Betriebsvereinbarungen zu überprüfen. Die Implementierung moderner, mobiler Zeiterfassungstools ist unumgänglich, um die Pflichten auch im Homeoffice zu erfüllen. Richtig eingeführt, können diese Systeme auch Transparenz für Arbeitnehmer schaffen und dem Arbeitsschutz dienen.

Bis der Gesetzgeber die verbliebenen Unklarheiten beseitigt, bewegen sich Unternehmen in einem Spannungsfeld zwischen Flexibilitätswünschen und den Fakten des Arbeitsrechts. Proaktives Handeln ist der einzige Weg, die tickende Zeitbombe zu entschärfen.

Anzeige

PS: Die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung tritt in vielen Bereichen bereits faktisch in Kraft – handeln Sie lieber jetzt als später. Das kostenlose E‑Book „Arbeitszeiterfassung“ liefert fertige Vorlagen, Compliance‑Checks für Homeoffice- und Auslandsfälle sowie eine Checkliste zur DSGVO‑Konformität und zur Einbindung des Betriebsrats. Ideal für HR, Geschäftsführung und Betriebsräte, die kurzfristig rechtssichere Lösungen benötigen. Kostenlose Mustervorlagen & Leitfaden sichern

@ boerse-global.de