Arbeitsschutz: Mängelquote von 60 Prozent und neue Regeln für Lärm und Hitze
25.01.2026 - 11:33:12Eine Woche voller neuer Vorschriften und offizieller Berichten rückt die staatliche Arbeitsschutzaufsicht in Deutschland in den Fokus. Im Zentrum steht dabei das Beschwerdemanagement zu Lärm und Hitze am Arbeitsplatz. Der Jahresbericht 2024 der Bremer Gewerbeaufsicht und neue Leitlinien des Bundes zeigen: Mitarbeiterbeschwerden werden immer häufiger zum Auslöser für behördliche Kontrollen.
Bremer Bericht zeigt alarmierende Mängelquote
Die Bremer Gewerbeaufsicht legte diese Woche ihren Jahresbericht für 2024 vor. Die Bilanz ist durchzogen. Zwar sank die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle auf 6.964 – ein deutlicher Rückgang gegenüber 2021 (8.053 Unfälle). Doch die Ergebnisse der Betriebskontrollen sind besorgniserregend.
Die Behörde überprüfte 1.389 Betriebe und 422 Baustellen, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis: In rund 60 Prozent aller kontrollierten Einrichtungen fanden die Prüfer Mängel. Häufige Verstöße betrafen eine unzureichende Sicherheitsorganisation und fehlende Gefährdungsbeurteilungen.
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„Der Rückgang der Unfälle ist positiv, aber die hohe Mängelquote beweist, dass strenge Aufsicht und Beratung nötig bleiben“, betonte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard. Besonders aufschlussreich für das Beschwerdemanagement: Wiederholungsbesuche waren nur in 17 Prozent der Fälle nötig. Diese wurden aber vor allem durch konkrete Beschwerden oder Unfälle ausgelöst, nicht durch Routine. Das unterstreicht die wachsende Bedeutung von internen Meldesystemen.
Neue Grenzwerte für Lärm und Hitzeschutz
Parallel zu den Landesdaten schärfen Bundesbehörden die Vorgaben für physikalische Belastungen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat ihre Leitlinien für Lärm in nicht-industriellen Bereichen aktualisiert.
Die neuen technischen Regeln legen streng niedrige Hintergrundgeräuschpegel fest, um Konzentration und Sprachverständlichkeit zu gewährleisten. So sollen in Besprechungs- und Schulungsräumen maximal 35 dB(A) und in Großraumbüros höchstens 45 dB(A) erreicht werden. Diese klaren Zahlen sollen die Bewertung von Mitarbeiterbeschwerden über „akustischen Stress“ vereinfachen.
Doch nicht nur Lärm steht im Fokus. Seit Januar 2026 gilt ein neuer Rechtsrahmen für den Hitzeschutz am Arbeitsplatz. Unternehmen müssen spezifische Maßnahmenpläne gegen Hitze in ihre Gefährdungsbeurteilungen integrieren. Hohe Temperaturen werden damit quasi als zu kontrollierende „Emission“ behandelt. Ziel ist es, der wachsenden Zahl hitzebedingter Gesundheitsbeschwerden in Branchen von der Baustelle bis zum Büro zu begegnen.
Zertifikate laufen ab, Beratungsnetzwerk startet
Die Compliance-Landschaft wird 2026 durch dringende Zertifizierungsfristen zusätzlich verkompliziert. Der TÜV SÜD warnte bereits am 8. Januar: Sicherheitszertifikate (SCC/SGU), die zwischen November 2016 und Oktober 2021 ausgestellt wurden, laufen vorzeitig am 31. Oktober 2026 ab. Grund ist ein Wechsel des Programmträgers.
Sicherheitsverantwortliche und Auftragnehmer müssen sich umgehend um eine Re-Zertifizierung bemühen, um weiterhin auf Baustellen – besonders in der Petrochemie und Energiebranche – arbeiten zu dürfen.
Gleichzeitig baut die Bundesregierung die Infrastruktur für das Melden von Verstößen aus. Seit dem 2. Januar operiert das Beratungsnetzwerk „Faire Integration“ auf einer neuen gesetzlichen Grundlage. Es bietet Drittstaatsangehörigen einen geschützten Kanal, um Verstöße gegen Arbeitsrecht – auch Sicherheitsmängel – zu melden. Damit soll die Dunkelziffer nicht gemeldeter Verstöße in vulnerablen Beschäftigtengruppen gesenkt werden.
Ausblick: Elektronische Zeiterfassung und Hitzesommer
Die Entwicklungen zeigen einen Wandel von reaktiver zu datengetriebener Aufsicht. Die hohe Mängelquote in Bremen deutet darauf hin, dass akute Risiken zwar gemanagt werden, die systematische Compliance aber hinterherhinkt.
Für die nahe Zukunft stehen zwei weitere Meilensteine an: Die praktische Umsetzung der elektronischen Arbeitszeiterfassung, deren finale Regeln im ersten Quartal 2026 erwartet werden. Und der Sommer wird den neuen Hitzeschutz erstmals auf die Probe stellen. Unternehmen, die keine angemessenen Maßnahmen vorbereiten, müssen mit einer Flut neuer Beschwerden rechnen.
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