Arbeitsschutz 2026: Psychische Gesundheit und Homeoffice im Fokus
13.02.2026 - 05:31:12Die deutsche Arbeitswelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel – der moderne Arbeitsschutz muss jetzt ganzheitlich werden.
Berlin. Der physische Schutz am Arbeitsplatz reicht längst nicht mehr aus. Zwei aktuelle Entwicklungen zwingen Unternehmen zu einem radikalen Umdenken im Health, Safety and Environment (HSE)-Management. Die psychische Gesundheit rückt in den strategischen Fokus, während das dauerhafte Homeoffice klare Regeln erfordert. Wer hier nicht nachzieht, riskiert nicht nur Konflikte, sondern auch den Verlust wertvoller Fachkräfte.
Psychische Belastung wird Chefsache
Ein klares Signal sendet die Nationale Präventionskonferenz (NPK). Unter dem neuen Vorsitz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat sie für 2026 das Schwerpunktthema „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ ausgerufen. Hintergrund ist eine ernüchternde Statistik: Psychische und Verhaltensstörungen sind eine der Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit und vorzeitige Berentung.
„Die systematische Erfassung und Reduzierung psychischer Belastungen ist kein optionales Extra mehr, sondern Kernaufgabe“, betont Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der DGUV und neuer NPK-Vorsitzender. Für Unternehmen bedeutet das: Die Gefährdungsbeurteilung muss um psychische Faktoren erweitert werden. Stress, Überlastung und mangelnde Erholung sind damit genauso zu bewerten wie klassische Unfallrisiken.
Homeoffice: Klare Regeln schützen Gesundheit
Doch wie lassen sich solche Belastungen im dezentralen Arbeiten überhaupt erfassen? Hier liefert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) entscheidende Daten. Ihre neueste Auswertung zeigt: Rund die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet mittlerweile ganz oder teilweise von zu Hause aus.
Die Studie belegt einen klaren Zusammenhang: Gibt es verbindliche betriebliche Vereinbarungen zur Erfassung der Arbeitszeit und zu Erreichbarkeiten, profitieren die Mitarbeiter. Sie berichten von mehr Flexibilität, weniger Überstunden und einer besseren Work-Life-Balance. Fehlen diese Strukturen, verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben – ein klassischer Nährboden für Überlastung und Burnout.
Wenn Unternehmen verbindliche Regelungen zur Arbeitszeiterfassung und Erreichbarkeit einführen wollen, bietet ein kostenloses E‑Book praktische Hilfe: Es erklärt die gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung (inkl. Umsetzungstipps) und liefert sofort einsetzbare Mustervorlagen für Stundenzettel und Dokumentation. Arbeitszeiterfassung in 10 Minuten rechtssicher umsetzen
Die Botschaft an die Arbeitgeber ist eindeutig: Ihre Fürsorgepflicht endet nicht am Firmengelände. Ein wirksames HSE-Management muss auch die ergonomischen, organisatorischen und psychischen Risiken der Telearbeit aktiv adressieren.
Moderner Rahmen: Die reformierte DGUV Vorschrift 2
Glücklicherweise gibt der Gesetzgeber den Unternehmen neue Werkzeuge an die Hand. Seit Januar 2026 ist die reformierte DGUV Vorschrift 2 in Kraft. Sie modernisiert die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung und trägt der neuen Arbeitsrealität Rechnung.
Ein Durchbruch ist die offizielle Anerkennung digitaler Betreuungsformen. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas) dürfen Beratungen nun auch telefonisch oder per Video durchführen. Das macht die Betreuung von Heimarbeitsplätzen praktikabler und effizienter. Zudem wurde die Schwelle für vereinfachte Betreuungsmodelle auf 20 Beschäftigte angehoben, was vor allem kleinen und mittleren Unternehmen entgegenkommt.
Vom Pflichtprogramm zur gelebten Kultur
Was bedeutet das alles konkret für die Führungsetagen? Die Zeiten, in denen sich Arbeitsschutz in Feuerlöscher-Kontrollen und Sicherheitsunterweisungen erschöpfte, sind endgültig vorbei. HSE im Jahr 2026 ist ein integrierter Managementansatz.
Unternehmen müssen ihre Gefährdungsbeurteilungen aktualisieren, Führungskräfte für psychische Belastungsfaktoren sensibilisieren und eine offene Kommunikationskultur etablieren. Die Rolle der Sicherheitsbeauftragten wird dabei immer wichtiger – als Frühwarnsystem und Vertrauenspersonen im Team.
Die Weichen sind gestellt. Unternehmen, die den Wandel vom reaktiven Unfallverhüter zum proaktiven Gesundheitsmanager jetzt aktiv gestalten, investieren in ihre Zukunft. Sie werden nicht nur rechtlich auf der sicheren Seite sein, sondern auch als attraktive und resiliente Arbeitgeber punkten. Der ganzheitliche Arbeitsschutz wird zum Wettbewerbsvorteil.
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