Arbeitgeber fordern schärfere Kontrollen bei Krankenständen
10.01.2026 - 22:55:12Arbeitgeberverbände drängen auf strengere Überwachung von Krankmeldungen – und stellen Betriebsräte vor neue Herausforderungen. Die Debatte um formalisierte Krankenrückkehrgespräche ist mit dem Jahresstart 2026 neu entfacht und droht zum zentralen Konfliktfeld in den Betrieben zu werden.
Neuer Vorstoß zur Krankheitsüberwachung
Auslöser der aktuellen Welle ist eine Forderung von BDA-Präsident Rainer Dulger vom 8. Januar. Angesichts anhaltend hoher Krankenstände aus dem Vorjahr verlangt er eine Rücknahme der telefonischen Krankschreibung und schärfere Prüfungen durch den Medizinischen Dienst. Dieser Vorstoß auf Verbandsebene schlägt sich nun in den Unternehmen nieder. Immer mehr Firmen nutzen Rückkehrgespräche als Instrument zur Steuerung von Fehlzeiten.
Arbeitsrechtler warnen jedoch: Was oft als „Willkommensgespräch“ oder „Fürsorge“ verkauft wird, überschreitet häufig die Grenze zur systematischen Überwachung. Die gestiegene politische Aufmerksamkeit für das Thema im Januar 2026 erhöht die Gefahr, dass Arbeitgeber diese Gespräche massiv ausweiten – und dabei die notwendige Mitbestimmung des Betriebsrats umgehen wollen.
Betriebsratsmitglieder sehen sich zunehmend mit formalisierten Rückkehrgesprächen konfrontiert – oft ohne ausreichende Mitbestimmung. Unser kostenloses BEM‑E‑Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie krankheitsbedingte Dialoge rechtssicher ins BEM überführen, welche Fragen zulässig sind und wie eine Muster‑Betriebsvereinbarung aufgebaut sein sollte. Enthalten sind Gesprächsleitfaden, Checklisten und Musterformulierungen für Verhandlungen mit der Geschäftsleitung. Ideal für Betriebsräte, die 2026 proaktiv Rechte sichern wollen. Jetzt kostenlosen BEM‑Leitfaden herunterladen
Wann wird ein Gespräch „formell“?
Die entscheidende rechtliche Frage für Betriebsräte bleibt die Abgrenzung. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG nur dann, wenn es sich um ein systematisches oder formalisiertes Verfahren handelt.
Ein Prozess wird „formalisiert“, sobald der Arbeitgeber allgemeine Regeln aufstellt: Wer wird angesprochen? Etwa jeder Mitarbeiter nach sechs Wochen Krankheit oder bei häufigen Kurzfehlzeiten. Welche Fragen werden gestellt? In diesen Fällen betreffen die Gespräche die „Ordnung des Betriebs“ und das „Verhalten der Arbeitnehmer“ – das Mitbestimmungsrecht greift.
Rein individuelle, anlassbezogene Klärungsgespräche benötigen dagegen keine Zustimmung. Doch genau hier verschwimmen in der aktuellen Praxis die Grenzen. Immer mehr Arbeitgeber nutzen standardisierte Fragebögen oder Leitfäden, behaupten aber, es handle sich um Einzelfallmaßnahmen. Eine Taktik, der Betriebsräte entschieden entgegentreten sollten.
Strategie für Betriebsräte im Jahr 2026
Angesichts der Entwicklung empfehlen Arbeitsrechtler eine proaktive Haltung. Betriebsräte sollten nicht abwarten, bis neue Richtlinien eingeführt werden, sondern frühzeitig Transparenz über alle geplanten „Krankheitsmanagement“-Maßnahmen verlangen.
Konkret heißt das für Januar 2026:
* Systematik prüfen: Werden bestimmte Mitarbeitergruppen aufgrund von Algorithmen oder festen Schwellenwerten gezielt zu Gesprächen aufgefordert? Das wäre ein klares Indiz für ein formalisiertes System.
* BEM priorisieren: Gesundheitsbezogene Dialoge sollten vorrangig im rechtlich geschützten Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) nach § 167 Abs. 2 SGB IX geführt werden. Dies bietet deutlich stärkeren Datenschutz und bessere Verfahrensgarantien.
* Rechte durchsetzen: Weigert sich der Arbeitgeber, eine Betriebsvereinbarung für formalisierte Gespräche auszuhandeln, kann der Betriebsrat die Maßnahme per Einstweiliger Verfügung stoppen oder die Einigungsstelle anrufen.
Wirtschaftlicher Hintergrund des Konflikts
Die neue Schärfe der Debatte hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 Euro. Gleichzeitig steigen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für die Unternehmen. Die Lohnkosten – und hier besonders die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall – werden damit zum zentralen Kostentreiber.
Wirtschaftsdaten vom Ende 2025 zeigten Rekordkosten durch Krankmeldungen. Kritiker halten jedoch dagegen: Mehr Druck auf erkrankte Mitarbeiter sei kontraproduktiv. Experten für Arbeitssicherheit warnen vor „Präsentismus“: Kranke kommen zur Arbeit und stecken andere an. Oder der Stress verschlimmert psychische Erkrankungen – und treibt die Fehlzeiten am Ende sogar noch in die Höhe.
Ausblick: Mehr Konflikte vor Gericht
Für den weiteren Verlauf des Januars 2026 rechnen Rechtsexperten mit einer steigenden Zahl von Arbeitsgerichtsverfahren. Die Frage, was ein „formalisiertes“ Gespräch ist, wird voraussichtlich häufiger geklärt werden müssen. Die offensive Haltung der Arbeitgeberverbände deutet darauf hin, dass viele Firmen die Grenzen ihres Direktionsrechts austesten wollen.
Die Antwort der Betriebsräte wird in umfassenden Betriebsvereinbarungen liegen, die Inhalt, Umfang und Freiwilligkeit jedes Rückkehrgesprächs klar regeln. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wird den Ton für die Arbeitsbeziehungen in diesem Jahr vorgeben. Wird das Krankheitsmanagement zu einer gemeinsamen Aufgabe für bessere Arbeitsbedingungen? Oder entwickelt es sich zum Schlachtfeld zwischen Überwachung und Kontrolle?
PS: Endlich ein komplettes BEM‑Paket für Betriebsräte: Gratis‑PDF mit Gesprächsleitfaden, Muster‑Betriebsvereinbarung, rechtlichen Praxistipps und einer Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung zur Umsetzung im Betrieb. So können Sie formalisierte Rückkehrgespräche kontrollieren, Datenschutz und Freiwilligkeit sichern und systematische Überwachung verhindern. Viele Betriebsräte nutzen diese Vorlagen, um schnell eine starke Verhandlungsposition zu erreichen — sparen Sie Vorbereitungszeit und vermeiden Sie rechtliche Fallstricke. BEM‑Download jetzt kostenlos sichern


