Aprilia, Realitäts-Check

Aprilia RS 660 im Realitäts-Check: Das Motorrad, das deinen Alltag in eine Rennstrecke verwandelt

05.01.2026 - 21:17:12

Du kennst das: Der Kopf voll, der Alltag zäh – und jede Fahrt fühlt sich an wie Pflicht statt Freiheit. Die Aprilia RS 660 verspricht genau das Gegenteil: Supersport-Feeling, das du jeden Tag fahren kannst. Aber hält sie dieses Versprechen wirklich?

Wenn der Alltag jedes PS schluckt

Montagmorgen. Stau, grauer Himmel, Kopf voller To-dos. Du sitzt auf deinem Bike, aber es fühlt sich eher nach Fortbewegungsmittel als nach Freiheit an. Zu unhandlich, zu brutal im Alltag, zu unbequem – oder eben das genaue Gegenteil: praktisch, brav, komplett emotionslos.

Viele Sportbikes sind extrem: Entweder reine Rennstrecken-Waffen, die dir nach 50 Kilometern die Handgelenke ruinieren. Oder alltagstaugliche Maschinen, die zwar funktionieren, aber keine Gänsehaut auslösen. Du willst aber beides: echtes Racing-Feeling, ohne dass du nach jeder Ausfahrt einen Physio brauchst.

Genau da, zwischen diesen Welten, klaffte lange eine Lücke. Zu viel oder zu wenig – aber selten genau richtig.

Die Lösung: Ein Supersportler, der deinen Alltag ernst nimmt

Hier kommt die Aprilia RS 660 ins Spiel. Ein Motorrad, das aussieht wie ein Rennbike aus der MotoGP-Boxengasse – aber gebaut ist für genau das, was du wirklich fährst: Landstraßen, Pendelstrecken, Pässe, vielleicht mal ein Trackday.

Aprilia, Teil des Traditionskonzerns Piaggio & C. SpA (ISIN: DE000PIAG239), hat mit der RS 660 bewusst einen anderen Weg eingeschlagen. Keine 200-PS-Ego-Show, sondern ein cleverer Mix aus rund 100 PS, geringem Gewicht, Highend-Elektronik und überraschend komfortabler Ergonomie. Die Idee: Du sollst dieses Motorrad nicht nur bewundern – du sollst es wirklich fahren.

Warum gerade dieses Modell? Der Realitäts-Check

Auf dem Papier ist die Aprilia RS 660 ein mittlerer Supersportler. In der Praxis fühlt sie sich an wie ein Cheat-Code für kurvige Straßen. Was macht sie so besonders?

  • Leistung, die du wirklich nutzen kannst: Der Zweizylinder leistet rund 100 PS bei ca. 183 kg fahrfertig. Das bedeutet: Du musst nicht in illegalen Drehzahlregionen unterwegs sein, damit was passiert. Die Leistung ist zugänglich, explosiv genug – aber nie einschüchternd.
  • Fahrwerk auf Oberklasse-Niveau: Upside-Down-Gabel, hochwertiges Fahrwerk, sportliche Geometrie. In der Kurve fühlt sich die RS 660 an, als würde sie deine Gedanken lesen. Viele Tester beschreiben sie als „super leichtfüßig“ und „unglaublich vertrauenerweckend“.
  • Elektronik aus der großen Aprilia-Welt: Traktionskontrolle, Kurven-ABS, verschiedene Fahrmodi, Quickshifter (hoch und runter), Wheelie-Control – alles serienmäßig oder je nach Version verfügbar. Das ist Technik, die du sonst aus der 1000er-Liga kennst, heruntergebrochen auf ein alltagstaugliches Paket.
  • Ergonomie, die dich nicht bestraft: Ja, die RS 660 ist sportlich. Aber sie zwingt dich nicht sofort in die Rennverkleidung. Der Kniewinkel ist moderat, der Lenker etwas höher als bei Hardcore-Supersportlern. Das Ergebnis: Du kannst damit eine Passrunde nach der anderen fahren – und danach immer noch entspannt an der Eisdiele absteigen.
  • Design mit „Wer hat dich bitte gebaut?“-Faktor: Die Front mit den dreigeteilten LED-Scheinwerfern, die kompakten Proportionen, die Farben (inklusive ikonischer „Lava Red“-Variante) – die RS 660 sieht nach viel mehr aus, als sie kostet. Sie wirkt wie ein Ausstellungsstück, das zufällig straßenzugelassen ist.
  • Gewicht statt nur PS: Viele Nutzer betonen: Das geringe Gewicht ist der eigentliche Star. Beim Rangieren, Einlenken, Umdrehen in engen Straßen – du spürst, dass hier jedes Kilo diskutiert wurde.

Auf einen Blick: Die Fakten

Merkmal Dein Nutzen
Reihenzweizylinder mit ca. 100 PS (660 ccm) Genug Punch für Gänsehaut-Momente, aber so dosierbar, dass du die Leistung auch auf Landstraßen wirklich nutzen kannst.
Geringes Gewicht (rund 183 kg fahrfertig) Extrem leichtes Handling, weniger Stress beim Rangieren und mehr Vertrauen in engen Kurven oder Kehren.
Umfangreiches Elektronik-Paket (Fahrmodi, Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Quickshifter) Mehr Sicherheit auf nasser Straße, mehr Spaß beim Herausbeschleunigen – und satter Rennsport-Sound beim Gangwechsel ohne Kupplung.
Sportliche, aber alltagstaugliche Sitzposition Adrenalin im Winkelwerk, ohne dass dir nach einer Stunde die Handgelenke brennen.
Voll-LED-Beleuchtung und markante Front Du wirst gesehen – und du wirst angeschaut. Höhere Sichtbarkeit und ein Auftritt, der in Erinnerung bleibt.
TFT-Display mit Konnektivitätsoptionen Klare Infos, moderne Optik, optionale Smartphone-Anbindung – dein Cockpit fühlt sich an wie aus einem aktuellen Sportwagen.
Optionales Zubehör und Track-orientierte Varianten Du kannst die RS 660 an deinen Stil anpassen – vom sportlichen Pendler bis zum ambitionierten Trackday-Fahrer.

Das sagen Nutzer und Experten

Schaut man sich aktuelle Tests, YouTube-Reviews und Reddit-Threads zur Aprilia RS 660 an, zeichnet sich ein klares Bild:

  • Handling als Hauptargument: Immer wieder fällt der Satz „eines der besten Fahrwerke in dieser Klasse“. Viele Fahrer berichten, dass sie auf der RS 660 schneller Vertrauen gefasst haben als auf deutlich stärkeren Superbikes.
  • Motor-Charakter statt Zahlen-Battle: Statt endloser PS-Diskussionen loben Nutzer den Punch aus dem Drehzahlkeller, das spritzige Ansprechverhalten und den Sound – vor allem in Verbindung mit Quickshifter.
  • Elektronik positiv, aber komplex: Die Assistenzsysteme werden überwiegend gefeiert. Einzelne Fahrer erwähnen, dass man sich am Anfang kurz in die Menüs einarbeiten muss, um das perfekte Setup für sich zu finden.
  • Alltagstauglichkeit mit kleinen Einschränkungen: Für tägliches Pendeln ist sie erstaunlich angenehm, allerdings bleibt sie ein Sportbike: Der Soziusplatz ist eher symbolisch, und auf sehr langen Autobahnetappen merkt man die sportliche Ausrichtung.
  • Zuverlässigkeit und Qualität: Die Verarbeitungsqualität und die Optik werden überwiegend gelobt. Wie bei vielen italienischen Bikes gibt es vereinzelt Berichte über Kleinigkeiten (z.B. Software-Updates, Feinheiten bei der Elektronik), aber nichts, was das Gesamtbild massiv trübt.

Fazit aus der Community: Wer eine brachiale 200-PS-Maschine erwartet, ist falsch. Wer aber ein extrem fahrbares, modernes Sportbike mit Charakter sucht, landet immer wieder bei der RS 660.

Alternativen vs. Aprilia RS 660

Im Segment der mittelschweren Supersportler tummeln sich bekannte Namen: Yamaha R7, Kawasaki Ninja 650, Honda CBR-Modelle und diverse Naked Bikes mit Verkleidungsoption. Warum also ausgerechnet die Aprilia?

  • Gegenüber Yamaha R7: Die R7 ist ebenfalls leicht und spaßig, wirkt aber insgesamt etwas simpler, gerade bei der Elektronik. Die RS 660 spielt hier klar in einer höheren Liga und fühlt sich „fertiger“ und moderner an.
  • Gegenüber Ninja 650 & Co.: Die Ninja 650 ist eher ein sportliches Allround-Bike, oft als Einsteiger- oder Pendelmaschine gefahren. Die Aprilia RS 660 dagegen positioniert sich klar emotionaler – sie will dich kicken, nicht nur transportieren.
  • Gegenüber großen Superbikes: Eine 1000er ist auf der Landstraße meistens Overkill. Viele Fahrer berichten: Mit der RS 660 sind sie im realen Straßenverkehr schneller und entspannter unterwegs, weil sie das Potenzial öfter nutzen können.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Ja, die RS 660 ist kein Billig-Bike. Aber wenn du das Gesamtpaket aus Design, Elektronik, Fahrwerk und Image betrachtest, wirkt der Preis im Vergleich zu vielen „großen“ Superbikes beinahe vernünftig.

Kurz gesagt: Die Aprilia RS 660 ist das Bike für alle, denen klassische Einsteigerbikes zu brav und 200-PS-Maschinen zu sinnlos sind.

Fazit: Lohnt sich der Kauf?

Am Ende geht es nicht um Datenblätter, sondern um das Gefühl, wenn du den Helm aufsetzt. Die Aprilia RS 660 ist kein Motorrad für jeden – sie ist für die, die bewusst fahren. Für die, die wissen, dass Fahrspaß nicht bei 200 PS beginnt, sondern bei Vertrauen, Leichtigkeit und Gänsehaut in der Kurve.

Sie ist radikal genug, um dich jedes Mal aufs Neue zu elektrisieren – und gleichzeitig zivilisiert genug, um deine Realität nicht zu ignorieren: Alltag, Pendeln, mal schlechtes Wetter, mal Stau. Ein Supersportler, der akzeptiert, dass dein Leben nicht nur aus Rennstrecke besteht.

Wenn du ein Motorrad suchst, das deinen Kopf frei bläst, ohne dich zu überfordern, das optisch direkt aus dem Fahrerlager kommen könnte und technisch auf Augenhöhe mit der großen Liga spielt – dann ist die Aprilia RS 660 mehr als nur eine Option.

Die eigentliche Frage ist: Bist du bereit, deinen Alltag so ernst zu nehmen, dass du ihn mit einem echten Sportler besser machen willst?

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