Apothekensterben, Tiefpunkt

Apothekensterben erreicht historischen Tiefpunkt trotz E-Rezept-Erfolg

15.01.2026 - 07:24:11

Die Zahl der Apotheken sinkt auf den niedrigsten Stand seit 1977, während sich digitale Lösungen wie das E-Rezept durchsetzen. Experten warnen vor Versorgungslücken.

Deutschlands Gesundheitswesen steckt in der Zwickmühle: Während digitale Dienste wie das verpflichtende E-Rezept Alltag werden, schließen immer mehr Apotheken. Die Zahl der Offizinen ist auf den niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren gefallen. Diese gegenläufigen Entwicklungen stellen die flächendeckende Versorgung der Patienten infrage.

Apothekensterben beschleunigt sich dramatisch

Die aktuellen Zahlen des Bundesverbands Deutscher Apotheker (ABDA) sind alarmierend. Ende 2025 gab es bundesweit nur noch 16.601 Apotheken – 440 weniger als im Vorjahr. Besonders bedenklich: Während 502 Apotheken schlossen, eröffneten lediglich 62 neue. Das ist ein Minus von 2,6 Prozent binnen eines Jahres und der tiefste Stand seit 1977.

Die Branche spricht vom „Apothekensterben“ und macht massive wirtschaftliche Probleme verantwortlich. Das Festhonorar für verschreibungspflichtige Medikamente wurde seit über zwei Jahrzehnten nicht wesentlich angepasst. Gleichzeitig stiegen die Betriebskosten seit der letzten kleinen Erhöhung 2013 um etwa 65 Prozent. Für viele Apotheken rechnet sich das Geschäft einfach nicht mehr.

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E-Rezept etabliert sich als neuer Standard

Parallel zum Niedergang der Offizinen feiert die Digitalisierung einen Erfolg. Seit 1. Januar 2024 müssen Ärzte Rezepte für gesetzlich Versicherte digital ausstellen. Die Umstellung verlief erstaunlich reibungslos. Bereits Ende 2024 wurden über 500 Millionen E-Rezepte eingelöst.

Patienten haben drei Einlösemöglichkeiten: die elektronische Gesundheitskarte in der Apotheke vorlegen, eine spezielle App auf dem Smartphone nutzen oder einen Papierausdruck mit QR-Code verwenden. Am beliebtesten ist die Gesundheitskarte – wegen ihrer Einfachheit. Das System soll den Weg vom Arzt zum Patienten zur Apotheke effizienter machen.

Digitale Bequemlichkeit versus persönliche Beratung

Doch kann die digitale Bequemlichkeit den Verlust der Nachbarschaftsapotheke ausgleichen? Apothekerverbände haben ernste Bedenken. ABDA-Präsident Thomas Preis warnt: „Weniger Apotheken bedeuten längere und schwierigere Wege für Patienten, besonders für Ältere und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.“

Zwar sind Botendienste heute eine wichtige Säule der Versorgung. Doch sie ersetzen nicht die umfassende Dienstleistung vor Ort. Die spontane Beratung zu rezeptfreien Mitteln, die Prüfung von Wechselwirkungen oder die niedrigschwellige Gesundheitsberatung fallen weg, wenn eine Apotheke schließt.

Gesundheitspolitik in der Schieflage

Die Situation offenbart einen grundlegenden Widerspruch in der deutschen Gesundheitspolitik. Einerseits treibt die Regierung die Digitalisierung mit E-Rezept und elektronischer Patientenakte (ePA) voran. Andererseits lässt sie das wirtschaftliche Fundament der Apotheken erodieren – genau jener Orte, die Medikamente abgeben und Patienten beraten.

Apothekerverbände fordern seit Jahren eine Reform des Vergütungssystems. Im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung steht zwar das Versprechen einer Honorarerhöhung. Umgesetzt wurde es bis heute nicht. Die fortschreitenden Schließungen zeigen: Ohne finanzielle Anpassungen entsteht eine digitale Transformation auf geschwächtem physischem Fundament.

Zwei-Klassen-Medizin droht

Die Gefahr ist real, dass sich eine Art Zwei-Klassen-System entwickelt. Digital affine Patienten profitieren von der Bequemlichkeit des E-Rezepts. Andere, besonders in ländlichen Regionen oder mit geringerer Digitalkompetenz, bleiben zurück. Ihre lokale Versorgungslücke wird größer, wenn die nächste Apotheke schließt.

Der Trend wird sich fortsetzen, wenn nicht politisch gegengesteuert wird. Nächste Digitalisierungsschritte sind bereits geplant, etwa E-Rezepte für Betäubungsmittel. Die Kernfrage bleibt: Wie schafft man ein Gleichgewicht zwischen digitalem Fortschritt und wirtschaftlich tragfähiger Grundversorgung? Ohne nachhaltiges Apothekenmodell gefährdet Deutschland sein eigenes Ziel: ein robustes, für alle zugängliches Gesundheitssystem.

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