Anti-Coercion-Instrument, Handels-Bazooka

Anti-Coercion-Instrument: EU zieht Handels-Bazooka gegen US-Drohungen in Erwägung

21.01.2026 - 15:23:12

Die Europäische Union prüft den Einsatz ihres Anti-Coercion-Instruments gegen US-Drohungen im Grönland-Konflikt. Ein EU-Gipfel entscheidet über diese historische Antwort auf wirtschaftliche Nötigung.

Die Europäische Union erwägt den Einsatz ihrer schärfsten handelspolitischen Waffe als Antwort auf neue Zolldrohungen aus Washington. Der Streit um Grönland droht, den transatlantischen Handel zu erschüttern.

In Brüssel herrscht Alarmstimmung. Als Reaktion auf die jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt prüft die EU nun ernsthaft die Aktivierung ihres Anti-Coercion-Instruments (ACI). Dieses erst Ende 2023 geschaffene Schutzschild soll wirtschaftliche Erpressung durch Drittländer abwehren. Ein für diese Woche anberaumtes Krisentreffen der Staats- und Regierungschefs soll über das weitere Vorgehen entscheiden – mit potenziell historischen Folgen für die globalen Handelsbeziehungen.

Frankreich drängt auf scharfe Antwort

Auslöser der Eskalation ist Trumps Forderung, Dänemark müsse Grönland abtreten – notfalls erzwungen durch Strafzölle gegen die EU. In europäischen Hauptstädten wird dies als klare wirtschaftliche Nötigung gewertet. Frankreich prescht nun vor: Paris will die offizielle Aktivierung des ACI beantragen. Aus dem Umfeld von Präsident Emmanuel Macron heißt es, man müsse ein klares Zeichen der Abschreckung setzen. Ein formeller Antrag eines großen Mitgliedstaates würde den Prozess erheblich beschleunigen und die EU-Kommission zu einer umgehenden Prüfung verpflichten.

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Deutschlands abwägende Haltung

Deutschland unterstützt grundsätzlich den Einsatz des Instruments, mahnt aber zur Besonnenheit. Ein internes Papier des Auswärtigen Amts bezeichnet die Aktivierung als „Ultima Ratio“. Sie solle primär ein starkes politisches Signal sein, aber eine unkontrollierte Eskalation vermeiden. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bisher öffentlich zurückhaltend gezeigt. Die deutsche Position spiegelt das Dilemma wider: Einerseits muss die EU Entschlossenheit demonstrieren. Andererseits dürfen die für die exportstarke deutsche Wirtschaft vitalen transatlantischen Beziehungen nicht irreparabel beschädigt werden.

Die Handels-Bazooka der EU

Das Anti-Coercion-Instrument ist die schärfste Waffe im Arsenal der EU-Handelspolitik. Sein vorrangiges Ziel ist die Abschreckung. Kommt es dennoch zum Einsatz, stehen der Union drastische Gegenmaßnahmen offen. Dazu gehören Vergeltungszölle, der Ausschluss US-amerikanischer Firmen von öffentlichen Aufträgen in der EU sowie Beschränkungen für Investitionen und Kapitalverkehr. Das Instrument wurde für genau solche Fälle geschaffen, in denen Handel als geopolitische Waffe eingesetzt wird.

Erster großer Test für europäische Einheit

Die aktuelle Krise ist der erste große Bewährungsprobe für das ACI. Sie offenbart die klassische Spaltung innerhalb der Union: Auf der einen Seite stehen Verfechter einer robusten strategischen Autonomie wie Frankreich. Auf der anderen Seite exportorientierte Nationen wie Deutschland, die zunächst auf Dialog und Deeskalation setzen. Die Glaubwürdigkeit des Instruments hängt nicht nur von seiner rechtlichen Schärfe ab, sondern vom politischen Willen aller 27 Mitgliedstaaten, im Ernstfall geschlossen zu handeln.

Entscheidung mit langem Vorlauf

Sollte das Krisentreffen am Donnerstag die Aktivierung beschließen, wäre dies nur der Beginn eines mehrstufigen Verfahrens. Die EU-Kommission müsste zunächst eine formelle Untersuchung einleiten, um den Tatbestand der Nötigung rechtlich zu untermauern. Parallel würden diplomatische Lösungsversuche laufen. Konkrete Gegenmaßnahmen könnten sich über Monate hinziehen. Unabhängig vom Ausgang setzt die Reaktion der EU einen Präzedenzfall. Sie wird definieren, wie die Union künftig ihre Wirtschaftsinteressen in einer zunehmend konfrontativen Welt verteidigt.

@ boerse-global.de