Angehörige, Kranker

Angehörige psychisch Kranker brauchen mehr Selbstfürsorge

02.02.2026 - 04:41:11

Die Betreuung psychisch erkrankter Familienmitglieder führt häufig zur Überlastung. Experten fordern mehr gesellschaftliche Unterstützung und zeigen konkrete Wege zur Stärkung der eigenen Gesundheit auf.

Millionen Menschen in Deutschland pflegen Angehörige mit psychischen Erkrankungen. Diese Rolle bringt sie oft an ihre Belastungsgrenzen. Experten fordern daher mehr Selbstfürsorge – denn nur wer auf sich selbst achtet, kann langfristig für andere da sein.

Die psychische und physische Belastung ist enorm. Angehörige navigieren durch Gefühlswelten aus Angst, Sorge und Hilflosigkeit. Dazu kommen organisatorische Hürden wie Therapietermine und oft finanzielle Sorgen. Diese Dauerbelastung kann zu eigenen Erkrankungen wie Burnout oder Depression führen.

Die Spirale der Selbstaufgabe durchbrechen

Der Wunsch zu helfen führt häufig dazu, eigene Bedürfnisse zurückzustellen. Fachleute betonen: Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern eine Grundvoraussetzung. Es geht darum, Grenzen zu erkennen, sie zu kommunizieren und sich bewusst Freiräume zu schaffen.

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Ein entscheidender Schritt ist die Erkenntnis: Die primäre Verantwortung für die Genesung liegt beim Erkrankten selbst. Angehörige haben eine unterstützende, aber keine heilende Rolle. Organisationen wie der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) bieten hierzu Hilfestellung.

So stärken Angehörige ihre Resilienz

Selbstfürsorge beginnt im Alltag. Konkrete Strategien sind:
* Bewusste Pausen einplanen
* Soziale Kontakte außerhalb der Pflege pflegen
* Eigene Hobbys und Interessen aufrechterhalten
* Auf ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Bewegung achten

Der Austausch mit Gleichgesinnten in Selbsthilfegruppen – online oder vor Ort – bietet emotionalen Halt. Professionelle Beratung, etwa bei der Caritas oder der Telefonseelsorge, hilft bei der Entwicklung individueller Strategien.

Stigma überwinden, Hilfsangebote nutzen

Trotz der weiten Verbreitung psychischer Erkrankungen lastet auf vielen Betroffenen und ihren Familien noch immer Scham. Das hält Angehörige davon ab, Hilfe zu suchen. Dabei gibt es niedrigschwellige Angebote:
* Online-Coachings und Ratgeber von Krankenkassen
* Telefonische Hotlines wie das „SeeleFon“ des BApK
* Psychoedukative Angebote, die Familien über Krankheitsbilder und Krisenmanagement informieren

Studien zeigen: Eine gute Unterstützung der Angehörigen kann das Rückfallrisiko der Patienten deutlich senken.

Appell für mehr gesellschaftliche Anerkennung

Die Betreuung psychisch erkrankter Angehöriger ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ihre Leistung ist für das Gesundheitssystem unverzichtbar. Gefordert werden:
* Der Ausbau flexibler Entlastungsangebote wie Tagespflege
* Bessere finanzielle Unterstützung
* Eine höhere Anerkennung der Pflegeleistung

Der Blick muss sich weiten: von der alleinigen Patientensorge hin zu einem systemischen Ansatz, der die ganze Familie im Blick hat. Die Förderung der Selbstfürsorge ist eine Investition in das soziale Netz – und kommt am Ende allen zugute.

@ boerse-global.de