Amsterdams Wohnungsmarkt: Mieterschutz treibt Vermieter in die Flucht
13.02.2026 - 08:53:12Amsterdams Mietmarkt steckt in einer paradoxen Krise. Gut gemeinte Gesetze zum Mieterschutz führen dazu, dass private Vermieter ihre Wohnungen verkaufen – und das Angebot für Mieter weiter schrumpft. Das verschärft die ohnehin dramatische Wohnungsnot in der niederländischen Metropole.
Hunderte Bewerber für eine Wohnung
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die verfügbaren Mietobjekte in Amsterdam sind in den letzten Jahren von rund 7.000 auf nur noch etwa 2.500 pro Quartal eingebrochen. Die Folge ist ein erbitterter Verteilungskampf. Makler berichten von Hunderten Anfragen für einzelne Wohnungen im mittleren Preissegment.
Besonders betroffen sind Studenten, junge Berufstätige und Menschen mit mittlerem Einkommen. Amsterdam ist bereits die teuerste Studentenstadt der Niederlande. Die Ursachen der Krise sind vielfältig: internationale Anziehungskraft, Urbanisierung und eine Bautätigkeit, die mit dem Wachstum nicht mithalten kann.
Das Gesetz mit dem Bumerang-Effekt
Im Juli 2024 trat das Gesetz für bezahlbare Mieten („Wet Betaalbare Huur“) in Kraft. Es dehnte das Wohnungspunktesystem aus, um Mieten im privaten Sektor zu deckeln. Das Ziel: Mieter vor explodierenden Kosten schützen.
Die unbeabsichtigte Folge: Für viele private Eigentümer lohnt sich die Vermietung nicht mehr. Stattdessen verkaufen sie ihre Immobilien. Dieser Rückzug verknappt das Mietangebot zusätzlich und verlagert den Druck auf den Kaufmarkt. Die Leidtragenden sind jene, die zu viel für eine Sozialwohnung verdienen, aber eine Eigentumswohnung nicht finanzieren können.
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Stadt setzt auf Neubau und bekämpft Leerstand
Die Politik hat reagiert. Die niederländische Regierung erklärte den Wohnungsbau zur Top-Priorität und strebt 100.000 neue Wohnungen pro Jahr an. Für Amsterdam sind jährlich 7.500 permanente und 2.500 temporäre Wohneinheiten geplant.
Gleichzeitig geht die Stadt gegen Leerstand vor. Ab Anfang 2026 benötigen Eigentümer von Zweitwohnungen eine Genehmigung. Sie müssen dann eine regelmäßige berufliche Tätigkeit in Amsterdam nachweisen. Damit sollen schätzungsweise 2.500 bis 3.000 leerstehende Wohnungen wieder dem Markt zugeführt werden. Großprojekte wie „&Amsterdam“ im Südosten sollen mit 561 neuen Mietwohnungen zusätzlich Entlastung bringen.
Gespaltener Markt, unklare Zukunft
Die Krise hat den Wohnungsmarkt tief gespalten. Langjährige Bewohner profitieren oft von stabilen, alten Mietverträgen. Neuzugezogene, Junge und Geringverdiener hingegen kämpfen im überhitzten Privatmarkt. Der private Mietsektor hatte sich zuvor mehr als verdreifacht und massive Investitionen angezogen.
Kann die Politik die negativen Effekte ihrer eigenen Regulierung noch abfedern? Kurzfristig bleibt die Lage angespannt. Viele Wohnungssuchende weichen bereits auf umliegende Gemeinden wie Amstelveen oder Haarlem aus. Die Wirksamkeit der neuen Maßnahmen wird sich erst ab 2026 zeigen. Bis dahin dominiert ein erbarmungsloser Wettbewerb um jede verfügbare Wohnung.
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