Alzheimer-Früherkennung, Durchbrüche

Alzheimer-Früherkennung: Drei Durchbrüche in 72 Stunden

21.11.2025 - 22:39:12

Drei Minuten Tablet-Test, schmerzfreie Blutentnahme zu Hause, 500.000 Stoffwechselprofile: Diese Woche verschiebt sich die Alzheimer-Diagnostik von der Spezialklinik ins Wohnzimmer. Während Mediziner auf die kommende CTAD-Konferenz in San Diego blicken, haben Biotech-Firmen und Forschungsinstitute zwischen dem 18. und 21. November bereits Tatsachen geschaffen.

Linus Health zeigte am Dienstag, wie KI aus einem 3-Minuten-Test ein präzises Screening-Instrument macht. Am Donnerstag kündigten Neurogen und Tasso eine Partnerschaft an, die klinisch präzise Bluttests nach Hause bringt. Fast zeitgleich veröffentlichte die UK Biobank den weltweit größten Datensatz zu chemischen Demenz-Signaturen im Blut – Jahre bevor erste Symptome auftreten.

Das Bostoner Unternehmen Linus Health hat den klassischen Uhrentest digitalisiert. Am 18. November veröffentlichte die Firma Vorabdaten zum Digital Clock and Recall (DCR) Test, die auf der CTAD-Konferenz Anfang Dezember im Detail präsentiert werden.

Die Neuerung: Ein Tablet erfasst nicht nur das Endergebnis der gezeichneten Uhr, sondern den gesamten Prozess. Zögern, Druckstärke, Geschwindigkeit – die KI analysiert jeden Strich. Das Ergebnis: Der Test sagt mit hoher Genauigkeit voraus, ob im Gehirn Amyloid-Ablagerungen vorliegen, das pathologische Hauptmerkmal von Alzheimer.

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Eine parallele Studie demonstrierte, dass der Digital Assessment of Cognition (DAC) sogar den Status des Blutbiomarkers p-tau217 vorhersagen kann. Hausärzte könnten künftig mit einem einfachen Tablet-Screening entscheiden, welcher Patient teure Folgeuntersuchungen benötigt.

Blutentnahme ohne Nadel und Arztbesuch

Zwei Tage später, am 20. November, kündigten Neurogen Biomarking und Tasso Inc. eine strategische Partnerschaft an. Sie beseitigt das größte Nadelöhr der Alzheimer-Diagnostik: den Arztbesuch zur Blutabnahme.

Bisher erforderten hochpräzise Tests auf Alzheimer-Biomarker wie p-tau217 eine venöse Blutentnahme durch Fachpersonal. Die neue Kooperation integriert die Tasso+-Technologie in Neurogens Test-Ökosystem.

So funktioniert das System:

  • Größe eines Tischtennisballs – das Gerät wird am Oberarm angebracht
  • Vakuum statt Nadel – auf Knopfdruck wird fast schmerzfrei kapillares Blut gesammelt
  • Versand per Post – Patienten schicken die Probe an Neurogens zertifizierte Labore
  • Klinische Qualität – Neurogen bestätigte die Eignung für kritische Alzheimer-Biomarker

Für Menschen in ländlichen Gebieten oder mit eingeschränkter Mobilität öffnet sich damit der Zugang zu modernster Diagnostik. Auch klinische Studien profitieren von der Dezentralisierung.

Der größte chemische Fingerabdruck der Medizin

Ebenfalls am 20. November meldete die UK Biobank einen Meilenstein: Die Veröffentlichung des vollständigen Metabolomik-Datensatzes von 500.000 Freiwilligen. Es ist die weltweit größte Studie dieser Art.

Metabolomik analysiert Stoffwechselprodukte im Blut – Lipide, Aminosäuren, Zucker. Diese chemischen Fingerabdrücke zeigen den physiologischen Zustand des Körpers, lange bevor klinische Symptome auftreten.

Die Kombination mit genetischen Informationen ermöglicht die Identifikation von Mustern, die das Demenzrisiko Jahre im Voraus anzeigen. Forscher verstehen nun besser, wie Ernährung, Umwelt und Gene auf molekularer Ebene zusammenwirken, um neurodegenerative Prozesse auszulösen.

Der Datensatz steht ab sofort weltweit zugelassenen Forschern zur Verfügung. Experten erwarten eine Welle neuer Studien in den kommenden Monaten.

Die neue Patient Journey

Diese drei Entwicklungen ergeben ein radikal neues Bild. Bislang war die Alzheimer-Diagnose oft ein jahrelanger Prozess des Ausschlusses, der erst bei offensichtlichen Symptomen begann. Teure PET-Scans oder invasive Lumbalpunktionen waren die einzigen sicheren Methoden.

Eine im November in JAMA Neurology veröffentlichte Studie bestätigte erneut: Der Blutmarker p-tau217 erreicht rund 90 Prozent Genauigkeit bei der Identifizierung von Alzheimer-Pathologie – vergleichbar mit invasiven Verfahren.

Die Synergie:

  1. Screening: 3-Minuten-Tablet-Test beim Hausarzt filtert Risikopatienten
  2. Bestätigung: Patient erhält Tasso-Kit nach Hause für schmerzfreie Blutentnahme
  3. Präzision: Forscher verfeinern Tests durch metabolische Profile aus der UK Biobank

Experten sehen darin die notwendige Infrastruktur für neue Anti-Amyloid-Therapien. Medikamente wie Lecanemab (in den USA als Leqembi bekannt) wirken nur im frühen Stadium. Ohne skalierbare, einfache Testverfahren bleiben diese Therapien für die Masse der Patienten unerreichbar.

Was als Nächstes passiert

Kurzfristig richtet sich der Blick auf die CTAD-Konferenz vom 1. bis 4. Dezember. Dort wird die klinische Validität der digitalen Biomarker von Linus Health von unabhängigen Forschern diskutiert.

Mittelfristig ist mit rascher Kommerzialisierung der Heim-Bluttests zu rechnen. Da Tasso-Geräte und p-tau217-Assays bereits existieren und regulatorisch weit fortgeschritten sind, könnte 2026 das Jahr werden, in dem der “Alzheimer-Bluttest per Post” zur Realität wird – zunächst in klinischen Studien, kurz darauf in der Vorsorge.

Die UK Biobank-Daten werden vermutlich in 6 bis 12 Monaten zu ersten großen Publikationen führen. Sie könnten bisher unbekannte Risikofaktoren im Stoffwechsel aufdecken und die Prävention revolutionieren.

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