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Allianz Partners streicht 1.800 Stellen – KI übernimmt

27.11.2025 - 11:53:11

Die Allianz-Tochter kündigt den Abbau von 1.800 Stellen aufgrund von KI-Automatisierung an, während Continental 1.500 Jobs streicht. Diese Woche markiert einen Wendepunkt für den deutschen Arbeitsmarkt.

Die Versicherungsbranche steht vor einem Wendepunkt: Allianz Partners will in den kommenden 18 Monaten bis zu 1.800 Arbeitsplätze abbauen – nicht wegen Auftragsmangel, sondern weil künstliche Intelligenz die Arbeit übernimmt. Was Experten seit Jahren prognostizieren, wird nun harte Realität für Tausende Beschäftigte in Deutschland.

Der Allianz-Tochterkonzern, spezialisiert auf Reiseversicherungen und Assistenzdienste, beschäftigt weltweit rund 22.600 Mitarbeiter. Etwa 14.000 davon arbeiten in Bereichen, die stark von manuellen Prozessen geprägt sind – Kundenservice, Schadenbearbeitung, telefonische Beratung. Genau diese Jobs stehen nun auf der Kippe.

Ein Insider bestätigte gestern gegenüber Nachrichtenagenturen: Die Kürzungen sind direkt auf die wachsende Leistungsfähigkeit von KI-Systemen zurückzuführen. Das Unternehmen selbst formuliert es diplomatischer: Man prüfe “aktiv, wie der technologische Wandel alle Beschäftigten betreffen wird”. Übersetzung: KI kann das billiger und schneller.

Continental und SAP: Eine Woche voller Hiobsbotschaften

Die Allianz-Nachricht ist kein Einzelfall, sondern der vorläufige Höhepunkt einer turbulenten Woche. Bereits am Montag hatte Continental verkündet, in der Sparte ContiTech bis zu 1.500 Stellen zu streichen. Offiziell begründet der Autozulieferer den Schritt mit Strukturoptimierung und Effizienzsteigerung – Begriffe, hinter denen sich zunehmend Digitalisierung und Automatisierung verbergen.

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Doch während die einen abbauen, investieren andere massiv – nur eben nicht unbedingt in Deutschland. SAP kündigte gestern an, seine KI-Offensive zu verdoppeln. Allerdings liegt das Herz dieser Expansion in Bengaluru, Indien. Dort entsteht “Joule AI”, das KI-Assistenzsystem des Softwarekonzerns.

CTO Philipp Herzig bestätigte: SAP hat bereits 20 autonome “KI-Agenten” in den Bereichen Finanzen, Lieferketten und Personalwesen im Einsatz – Systeme, die Daten aufbereiten und analysieren, ohne menschliches Zutun. Bis Jahresende sollen es 40 werden. Was bedeutet das für Beschäftigte in Deutschland? Die hochqualifizierten Entwicklerjobs entstehen in globalen Innovationszentren. Administrative Tätigkeiten verschwinden oder werden ausgelagert.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Der Digital-Branchenverband Bitkom lieferte bereits im September die Datenbasis für diese Entwicklung. Die Zahlen sind beeindruckend – je nach Perspektive:

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland nutzt mittlerweile künstliche Intelligenz – doppelt so viele wie im Vorjahr. 57 Prozent arbeiten aktiv mit KI oder planen den Einsatz. Von den Nutzern berichten 96 Prozent von Umsatzsteigerungen, 80 Prozent von deutlichen Effizienzgewinnen.

“Effizienzgewinn” klingt abstrakt. Diese Woche wurde sichtbar, was das konkret bedeutet: Weniger Menschen erledigen die gleiche Arbeit. Oder präziser: Maschinen erledigen die Arbeit, die Menschen bisher gemacht haben.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst formulierte im September noch diplomatisch, KI werde “Jobprofile verändern”. Die Ankündigungen von Allianz und Continental zeigen: Für viele wird die Veränderung darin bestehen, dass das Profil komplett verschwindet.

Was kommt auf Betriebsräte und Arbeitsgerichte zu?

Für Personalverantwortliche und Arbeitsrechtler beginnt jetzt die heikle Phase. Vertrauliche Gespräche mit Betriebsräten laufen bereits, besonders bei Allianz Partners. Die rechtlichen Fragen sind komplex und weitgehend ungeklärt:

Sozialauswahl nach BetrVG: Kann ein Unternehmen Kündigungen rechtfertigen, wenn der Job weiterhin existiert – nur eben von einer KI erledigt wird? Gerichte haben dazu noch keine gefestigte Rechtsprechung.

Qualifizierungsansprüche: Das Qualifizierungschancengesetz verpflichtet Arbeitgeber theoretisch, Umschulungen anzubieten, bevor sie kündigen. Aber Umschulung wohin, wenn ganze Tätigkeitsfelder wegfallen?

Mitbestimmung: Die Einführung von KI-Systemen zur Überwachung und Prozesssteuerung unterliegt der Mitbestimmung. Betriebsräte werden diesen Hebel nutzen – weniger, um die Technologie zu blockieren, als um bessere Abfindungen und Sozialpläne auszuhandeln.

Ein Münchner Branchenanalyst bringt es auf den Punkt: “Das sind keine theoretischen Pilotprojekte mehr. Ein DAX-Konzern verbindet explizit Stellenabbau mit KI-Fähigkeiten. Das ist ein Präzedenzfall.”

Die nächste Stufe: Autonome Agenten

Was 2026 auf deutsche Unternehmen zukommt, deutet sich bereits an: “Agentic AI” – autonome Systeme, die mehrstufige Arbeitsabläufe ohne menschliche Intervention ausführen. SAPs Einsatz solcher Agenten in Finanz- und HR-Abteilungen ist nur der Anfang.

Die Botschaft dieser Woche ist unmissverständlich: Digitale Transformation bedeutet nicht mehr nur neue Werkzeuge für Beschäftigte. Sie bedeutet zunehmend neue Werkzeuge anstelle von Beschäftigten.

Während bei Allianz und Continental die Verhandlungen weitergehen, beobachtet die gesamte deutsche Wirtschaft genau, welche Präzedenzfälle hier entstehen. Die Frage lautet nicht mehr, ob KI Jobs kostet. Die Frage ist: Wie balanciert Deutschland technologische Wettbewerbsfähigkeit und soziale Stabilität, wenn Tausende Arbeitsplätze nicht verschwinden, weil die Arbeit fehlt – sondern weil Maschinen sie übernehmen?

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